Euroleague-AusDie Bayern-Basketballer hadern mit einer Saison, die schwer zu retten ist

Lesezeit: 3 Min.

Der Meister und sein Schüler: Justinian Jessup hat in dieser Saison einen Leistungssprung gemacht, beim Sieg gegen Villeurbanne erzielte er mit 19 Punkten seinen Euroleague-Bestwert. Trainer Svetislav Pesic würde gerne mit ihm weiterarbeiten.
Der Meister und sein Schüler: Justinian Jessup hat in dieser Saison einen Leistungssprung gemacht, beim Sieg gegen Villeurbanne erzielte er mit 19 Punkten seinen Euroleague-Bestwert. Trainer Svetislav Pesic würde gerne mit ihm weiterarbeiten. Steffie Wunderl/Beautiful Sports/Imago
  • Der FC Bayern verpasst die Euroleague-Playoffs und damit nach dem Pokal-Halbfinale das zweite Saisonziel dieser verkorksten Saison.
  • Königstransfer Rokas Jokubaitis fiel mit Kreuzbandriss die ganze Saison aus, Trainer Gordon Herbert wurde nach acht Niederlagen entlassen.
  • Nachfolger Svetislav Pesic holte sieben Siege aus neun Spielen, konnte aber den Anschluss nicht mehr schaffen und beklagt fehlende individuelle Klasse.
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Der FC Bayern verpasst die Euroleague-Playoffs und damit nach dem Pokal das zweite Saisonziel. Gegen die Besten Europas fehlt laut Coach Pesic individuelle Klasse im Kader – so bleibt die Bundesliga die letzte Titelhoffnung.

Von Ralf Tögel

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Immer weiter. Diese zwei Worte stehen für das Mantra von Svetislav Pesic. Sie zieren auch den Titel seiner eben erschienenen Biografie, in der er auf sein Basketball-Lebenswerk zurückblickt, das von großen Erfolgen geprägt ist: Der Serbe war Welt- und Europameister, hat mit Barcelona die Euroleague gewonnen sowie Meistertitel in Jugoslawien, Spanien und Deutschland – unter anderem mit dem FC Bayern München. Sein berufliches Schaffen sieht der 76-Jährige freilich nicht als abgeschlossen an, was wiederum mit dem FC Bayern zu tun hat. Dort ist er als Trainer angestellt, kämpft um weitere Einträge in seiner Vita, musste nun aber einen Dämpfer hinnehmen.

Seit Mittwoch sind die Euroleague-Playoffs für sein Team auch rechnerisch außer Reichweite. Roter Stern Belgrad hat mit seinem Sieg bei Vitoria-Gasteiz die letzte theoretische Möglichkeit zunichtegemacht, dass die Münchner noch in die Play-Ins rutschen können. Dort spielen die Teams von Platz sieben bis zehn die letzten beiden der acht Playoff-Plätze aus, fünf Siege fehlen auf den zehnten Rang – vier Spieltage vor Schluss der Hauptrunde. Daran konnte auch der 93:83-Erfolg gegen Schlusslicht Villeurbanne am Donnerstagabend nichts ändern: Der FC Bayern ist aktuell auf Rang 14 notiert, was die Ansprüche dieser Saison deutlich unterschreitet.

Nach dem Halbfinal-Aus im nationalen Pokalwettbewerb ist das vorzeitige Verpassen der K.-o.-Runde der zweite Misserfolg, den die ambitionierten Münchner einstecken mussten, die Titelverteidigung im nationalen Wettbewerb kann die verkorkste Saison nur noch bedingt retten. Vor allem auf internationalem Parkett konnte das neu zusammengestellte Team die Erwartungen nicht erfüllen. Einen entscheidenden Rückschlag musste der FCB allerdings schon hinnehmen, bevor der erste Pass gespielt war: Königstransfer Rokas Jokubaitis, die zentrale Figur in der Kaderplanung, zog sich bei der Basketball-EM im Herbst einen Kreuzbandriss zu und befindet sich nach wie vor im Krankenstand. Der litauische Spielmacher wird wohl auch kommende Saison der prominenteste Zugang sein.

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Der FC Bayern hat den Vertrag mit seinem spektakulären NBA-Zugang Spencer Dinwiddie vorzeitig aufgelöst – und bereits Ersatz verpflichtet. Damit könnte nach einer turbulenten Phase mehr Ruhe einkehren.

Von Ralf Tögel

Zudem hatte der Spielplan den Münchnern früh in der Saison sieben Euroleague-Auswärtspartien nacheinander beschert – und Trainer Gordon Herbert fiel lange wegen einer Post-Covid-Erkrankung aus. Und der hochgelobte NBA-Zugang Spencer Dinwiddie, der die von Jokubaitis’ Kreuzband gerissene Lücke füllen sollte, fasste angesichts der herrschenden Unruhe nie richtig Fuß. Als er zum Jahreswechsel wegen familiärer Krankheitsfälle in die Heimat musste, wurde sein Vertrag vorzeitig gelöst.

Die Folge dieser Turbulenzen war eine vernichtende Serie von acht Niederlagen, die Verantwortlichen zogen mit der Entlassung von Weltmeistertrainer Herbert die Notbremse. Es übernahm der Meistertrainer der Saison 2014/2015, die Euroleague-Playoffs waren angesichts des hochklassigen und dichten Teilnehmerfeldes auch für Pesic bereits in unerreichbare Sphären entschwunden.

Dann kam Pesic, etablierte alte Tugenden und legte eine Serie von sieben Siegen aus neun Spielen hin

Pesic etablierte alte Tugenden wie Disziplin und Trainingsfleiß, legte den Fokus auf die Defensive und vereinfachte offensiv das System und die Abläufe – den Anschluss schaffte er trotz sieben Siegen aus neun Spielen nicht mehr. Ihm ist folglich kaum Schuld an der Misere zuzuschreiben, dafür muss er sich das überraschende Pokal-Aus ans Revers heften lassen. So bleiben vier bedeutungslose Spiele in der kontinentalen Königsklasse – sowie anhaltendes Verletzungspech. Gegen Villeurbanne fehlten in Stefan Jovic und dem für Dinwiddie nachverpflichteten Nenad Dimitrijevic zwei Spielgestalter, Kamar Baldwin, einer der prominenteren Zugänge, fällt seit Monaten aus.

In Summe liegt damit vor allem offensiv zu viel Last auf den Schultern von Andreas Obst, der zwar beständig auf hohem Level punktet, aber zusehends in den Fokus der gegnerischen Defensivreihen gerät. Pesic beklagte nach der Partie gegen Villeurbanne und mit Blick auf das Euroleague-Aus und die Topteams fehlende individuelle Klasse im Kader. Was für die Bundesliga angesichts von etwa fünf Welt- und Europameistern nicht gelten kann. Dort ist das Team trotz aller Probleme immer noch das klar bestbesetzte. Inklusive Akteuren wie Justinian Jessup, der aus Ulm kam und in seiner ersten Euroleague-Saison am Donnerstag mit 19 Punkten seinen Bestwert erzielte. Oder Center-Hüne David McCormack, der unter Gordon Herbert kaum eine Rolle spielte und jetzt signifikante Leistungssprünge zeigt.

„Das Wort Ausreden ist in meinem Wortschatz nicht vorhanden“, sagte Pesic mit Blick auf die kommenden Aufgaben. Der deutsche Meistertitel ist fest eingeplant und Sportdirektor Dragan Tarlac längst mit der Kaderplanung für die kommende Saison beschäftigt: „Wir lernen in jedem Spiel, auch aus Niederlagen.“ Bilanz werde er öffentlich erst nach der Saison ziehen, dann gelte es auch die Trainerpersonalie zu klären. Pesics Vertrag endet dann, er hat aber bereits wissen lassen, dass er weiterhin zur Verfügung stünde. Immer weiter.

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