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Euroleague:Erst aufgelöst, dann aufgefüllt

Danilo Barthel (mit Ball) (FC Bayern) gegen Milaknis (Zalgiris Kaunas) / Basketball / Euroleague / FC Bayern Basketball

Danilo Barthel (mit Ball) hat zu Beginn der Partie gegen Zalgiris Kaunas noch einige Punkte für den FC Bayern geworfen; doch dann kamen die Gegner aus Litauen immer stärker auf.

(Foto: Mladen Lackovic/imago)

Unter Pfiffen verlieren die Basketballer des FC Bayern München am Freitag gegen Zalgiris Kaunas. Das Weiterkommen in der Euroleague erscheint nun nahezu unmöglich - auch wenn der Klub tags darauf noch einen Zugang präsentiert.

Von Ralf Tögel, München

Nach der desolaten Vorstellung am Freitag folgte dann zumindest am Samstag noch eine gute Nachricht von den Basketballern des FC Bayern. Sie haben den Slowenen Zan Mark Sisko verpflichtet, ein Talent, das der Münchner Sportdirektor als "Projekt für die Zukunft" bezeichnet. Wobei die nähere Zukunft auch mit dem Aufbauspieler, der seit Donnerstag in München ist. erst einmal wolkenverhangen aussieht.

Denn die Bayern-Basketballer kassierten am Freitag die zehnte Niederlage in der Euroleague und vermasselten so den Jahresabschluss in der europäischen Königsklasse beim 73:98 gegen den bisherigen Tabellenletzten Zalgiris Kaunas. "20 Ballverluste waren zu viel. Alles in allem hatte Zalgiris heute einen sehr guten Tag erwischt und wir haben leider unseren Fokus verloren", sagte der Trainer Dejan Radonjic.

Seine Münchner stehen nun bei 6:10 Siegen, der achte Platz und damit die Teilnahme an der K.o.-Runde ist wieder zwei Siege entfernt - angesichts des miserablen Eindrucks scheint er derzeit ohnehin unerreichbar.

Die Bayern starteten dabei noch passabel ins Spiel, die Defensive agierte aufmerksam, die Würfe fielen: Dreier von Petteri Koponen und Danilo Barthel, dazu energische Korbleger von Vladimir Lucic - die üblichen Verdächtigen trafen. Allerdings wurde schnell klar, dass sich der Tabellenletzte keinesfalls in die vom Gastgeber für ihn vorgesehene Rolle einfinden wollte, vor allem K.C. Rivers (18 Punkte) brachte sich im ausverkauften Audi Dome in Erinnerung, er war ja einst für ein halbes Jahr dort unter Vertrag. Dennoch zogen die Bayern erst einmal auf 11:5 weg.

Pfiffe von den Zuschauerrängen

Doch dann begann der litauische Nationalspieler Arturas Milaknis (19) einen Dreier nach dem anderen zu versenken. "Nach einer Niederlagenserie von neun Spielen, in denen wir auch schon häufig sehr gut spielten, haben wir diesmal endlich unsere Würfe getroffen und konnten somit gewinnen", fand Zalgiris-Coach Sarunas Jasikevicius. Jeder erfolgreiche Wurf schien den FCB-Akteuren Energie zu rauben. Fortan wurde deren Spiel immer fehlerhafter, Ballverluste reihten sich an schlechte Würfe, selbst NBA-Center Greg Monroe verlegte reihenweise einfachste Würfe. Die Gäste hingegen trafen hochprozentig und bauten den Vorsprung auf zwischenzeitlich 15 Punkte aus (30:15).

Immerhin begannen die Münchner zu kämpfen, allen voran Kapitän Barthel (20) biss sich ins Spiel und brachte sein Team assistiert von Koponen (9), zurück ins Spiel. Den Bayern gelang so zur Pause wenigstens der 35:43-Anschluss. Umso unerklärlicher kam dann der totale Einbruch: Ein paar starke Aktionen genügten dem litauischen Serienmeister, um die Gastgeber völlig aus dem Rhythmus zu bringen. Man musste sich fragen, wer da das Euroleague-Schlusslicht war, denn die Bayern wurden phasenweise vorgeführt. Gepaart mit einer Defensive, die sich in einem Auflösungsprozess befand, zog Zalgiris mühelos und unerreichbar auf 68:50 Punkte nach drei Vierteln davon - was mit Pfiffen von den Zuschauerrängen quittiert wurde. Einzig Barthel musste man aus der kollektiven Fehlleistung ausnehmen, neben ihm punktete beim FCB nur noch Paul Zipser (13) zweistellig.

Nun kommt also der 22 Jahre alte Aufbauspieler Zan Mark Sisko zur Unterstützung - vom slowenischen Meister und Adria-Liga-Debütanten Koper Primorska. "Er ist ein sehr talentierter Point Guard, der bereits eine hohe Spielintelligenz und ein starkes Passspiel besitzt", findet Baiesi. Sisko, gebürtig in der slowenischen Hauptstadt Ljubljana, führt mit großem Abstand die Assist-Wertung der osteuropäischen Adriatic League (ABA) an, in elf Spielen für den momentan fünftplatzierten Neuling Koper legte er im Schnitt 9,9 erfolgreiche Anspiele auf; vor wenigen Wochen gelang ihm mit 19 Assists gegen Zadar (83:78) ein ABA-Rekord.

© SZ vom 29.12.2019
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