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EU-Urteil zur Fußball-Exklusivvermarktung:"Wir schauen in eine Glaskugel"

Nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs müssen Europas Profiklubs ihre Geschäftsmodelle überdenken. Auch die Bundesliga ist kurzzeitig aufgeschreckt, gibt sich dann jedoch entspannt: Sie hat im europäischen Vergleich die geringsten Konsequenzen zu fürchten.

Am Dienstagmorgen hat der deutsche Fußball über seine Zukunft nachgedacht. Das hat ein paar Stunden gedauert. Um kurz vor zehn kursierten die ersten Eilmeldungen, wonach der Europäische Gerichtshof in Luxemburg die bisher gängige Exklusiv-Vermarktung im Bezahlfernsehen gekippt habe. Auch beim Empfang von Fußballspielen, so ist der Urteilsspruch zu verstehen, darf es künftig keine nationalen Grenzen mehr geben.

EuGH-Urteil erschuettert TV-Exklusivvermarktung im Fußball

Bundesliga? Klar! Doch zu welchem Preis?

(Foto: dapd)

In den Frankfurter Büros der Deutschen Fußball Liga (DFL) erbat man sich zunächst ein wenig Bedenkzeit, um die Folgen für den hiesigen Ligabetrieb bewerten zu können. Und deshalb hat es dann schon überrascht, dass die DFL gegen 14 Uhr in einer kurzen Meldung mitteilte: "Die DFL ist nicht überrascht."

So wirklich zufrieden kann sie allerdings auch nicht sein. Die Bundesligaklubs finanzieren sich heutzutage zu etwa einem Drittel aus den Einnahmen der TV-Vermarktung. Und wenn auch noch nicht klar ist, was der juristische Sieg der britischen Kneipenwirtin Karen Murphy für die Anbieter der Ware Fußball auf dem deutschen und europäischen Markt wirklich bedeutet - der Richterspruch bringt eine Ungewissheit mit sich, auf die in der Branche niemand gewartet hat.

Eine Frage ist, welche Kunden nun bis zum Ende der geltenden TV-Verträge im Sommer 2013 welche Decoder-Karten in welche Geräte stecken. Die viel größere Frage ist jedoch, was danach passiert? Noch werden die Rechte in jedem Land einzeln verkauft, demnächst wird wohl europaweit ausgeschrieben.

Man werde nun die Urteilsbegründung hinsichtlich möglicher Konsequenzen prüfen, teilte die DFL in aller Unverbindlichkeit mit. Man habe aber Vorkehrungen getroffen, um die Auswirkungen so weit wie möglich einzuschränken. Welche Vorkehrungen das sein könnten, wollte aber erst einmal niemand sagen.

Auch in den Vorstandsetagen der Bundesligaklubs hielt man sich mit einer Bewertung des Urteils zurück. Auch dort sind die Folgeschäden offenbar noch nicht absehbar. FC-Bayern Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, der im Vorfeld damit zitiert worden war, dass "gefährliche Zeiten" anbrechen würden, falls Karen Murphy recht bekäme, war am Dienstag zu keinem Kommentar bereit. Herthas Finanzvorstand Ingo Schiller sagte, jetzt seien Liga und Vereine gefragt, nach Lösungen zu suchen. Wolfsburgs Geschäftsführer Thomas Röttgermann fasste die Befindlichkeit im deutschen Fußball so zusammen: "Wir schauen hier gerade in eine Glaskugel."

Zu erkennen ist in dieser Kugel aber auch für Röttgermann noch nicht viel, abgesehen von der Tatsache, "dass das gesamte Vermarktungsmodell des Fußballs über den Haufen geworfen ist." Das Produkt Bundesliga bringt den deutschen Profiklubs bislang jährlich etwa 462 Millionen Euro ein, die Hoffnung, bei der kommenden Ausschreibung noch ein wenig mehr herauszuschlagen, ist mit dem Urteil aus Luxemburg bestimmt nicht gewachsen.

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