EU-Kommission gegen Real und Barça:Klubs reagieren überrascht

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Die spanischen Klubs reagierten ihrerseits überrascht auf die Untersuchung. "Wir haben niemals öffentliche Hilfen erhalten", beteuerte der Sprecher des FC Barcelona, Toni Freixa . Bei Real Madrid hieß es, man blicke der Untersuchung gelassen entgegen, ebenso bei Athletic Bilbao. Der spanische Ligaverband LFP erklärte sich mit allen Klubs solidarisch.

Die konservative Regierung, die in Spanien unter anderem wegen ihres Sparkurses unter Druck steht, versucht derweil, die Angelegenheit politisch zu ihren Gunsten auszuschlachten - wohl wissend, dass Verwaltungsprobleme von Fußballvereinen in nicht allzu ferner Vergangenheit in Spanien zu Massendemonstrationen geführt haben. Außenminister José Manuel García Margallo sagte voll patriotischem Pathos, dass die Regierung "alles tun werde, um die spanischen Klubs zu verteidigen, denn auch sie sind Teil der Marke Spanien". Auch Sportstaatssekretär Miguel Cardenal attackierte Almunia. Er bereite dem spanischen Fußball enormen Imageschaden.

Nach Angaben der spanischen Zeitung El Mundo streuen EU-Diplomaten in Brüssel, dass das Verfahren auf Klagen deutscher Klubs zurückgeht. Gestützt wurde dies mit älteren Aussagen von FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß über die millionenschweren Steuerrückstände der spanischen Klubs - an deren Steuerverfahren genüsslich erinnert wurde. Nach SZ-Informationen gab es aber keine Beschwerden von Klubs - weder von deutschen oder anderen europäischen Vereinen, was ungewöhnlich ist. Bei üblichen Beihilfe- oder Kartellverfahren stammen Hinweise oft von Marktkonkurrenten, die sich benachteiligt fühlen - doch noch nie hat sich ein Fußballklub offiziell an Brüssel gewandt.

In Spanien selbst hat es in der Vergangenheit nur schüchterne Versuche gegeben, gegen Wettbewerbsvorteile der großen Klubs vorzugehen - unter anderem wegen der Verteilung der TV-Gelder. Das Verfahren der Kommission ruft nun die Interessenvereinigung der Fußball-Aktionäre (FASFE) auf den Plan. Man werde prüfen, ob man der Kommission Informationen zur Verfügung stellt - und womöglich selbst Beschwerde einreicht. Bisher habe man von Klagen in Brüssel abgesehen, weil man "förmlich gezwungen gewesen wäre, das Vaterland zu verklagen", sagte FASFE-Generalsekretär José Luis Sánchez zur SZ. "Aber es gibt in Spanien Fälle, die noch viel mehr zum Himmel schreien als das, was jetzt untersucht wird."

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