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Games und Sport:Bekommt eSport Zuspruch im DOSB?

Wessen Wort zählt also am meisten in der Debatte, wann etwas eine Sportart wird? Diese Frage hält nun eine Fortentwicklung des eSports auf. Beim DOSB soll Ende 2018 bei der Jahreshauptversammlung stellvertretend für die circa 27,4 Millionen Mitglieder über die Positionierung abgestimmt werden. Bekäme eSport den Zuspruch durch den Verband, hätte er einen wichtigen Partner, der in der Lage ist, jede kleinste Sportvereinigung ins Establishmeht zu überführen. Die Stimmung im DOSB ist so gespalten, dass mit einem komplett offenen Ergebnis zu rechnen ist - wie viel Unterstützung eSport vom DOSB bekommt, ist demnach völlig offen.

Ein Beispiel: Schon der Verband mit den meisten Mitgliedern im DOSB, der Deutsche Fußballbund (DFB), kann sich zu keiner eindeutigen Haltung durchringen. Zu Beginn des Jahres bezeichnete DFB-Präsident Reinhard Grindel eSport als "absolute Verarmung" und musste nach heftiger Kritik zurückrudern. Aufzuhalten ist die Welle des eSport im Fußball aber nicht. Auf Länderebene gibt es schon vereinzelte Projekte, bei denen Landessportverbände des DFB sich im "eSoccer" ausprobieren.

Viele Unklarheiten bei der Anerkennung

So veranstaltete der Bayerische Fußballverband Mitte des Jahres seinen eigenen "BFV eSports Cup". Solche Vorstöße sind allerdings Ausnahmen. Bisher zeigen die Verbände bundesweit unterschiedlich ausgeprägtes Engagement. Entsprechend lange brauchen sie, um ein einheitliches Sport-System aufzubauen. Ein weiteres Problem in Sachen Anerkennung: Politik und Verbände planen derzeit ausschließlich mit Spielen, in denen Gewalt kein Thema ist. Die wirklich erfolgreichen eSport-Titel wie "Fortnite" und "League of Legends" (in denen Figuren gegeneinander kämpfen) sind ausgeklammert und damit auch ein Großteil der Games-Community.

So hat sich der rasante Aufstieg von eSports aktuell verlangsamt. Wegen der schleppenden Entwicklung ist die Euphorie aus dem Frühjahr verflogen. "Die Fachebene in der Sportpolitik lässt schon seit einiger Zeit durchblicken, dass es noch einige offene Fragen gibt, die vor weiteren Maßnahmen geklärt werden müssen", sagt ESBD-Präsident Hans Jagnow. "Dazu kommt, dass der organisierte Sport und die Politik weiterhin die Verantwortung hin- und herschieben."

Die seit einigen Jahren vom Jugendschwund gebeutelten Sportverbände haben gemerkt, dass sie eSport zu lang ignoriert haben. Zwar gab es 2017 wieder einen leichten Mitgliederanstieg in der Altersklasse unter 20. Es herrscht allerdings nach wie vor die Angst, einen Großteil dieser Generation zu verlieren, die im virtuellen Sport viel eher ihre Heimat sucht, als auf dem Fußballplatz im Viertel. Das stimmt vermutlich selbst den gebürtigen Straßenfußballer Mesut Özil traurig.

© SZ.de/ lwo/jbe/rus
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