E-Sport:Umfeld ohne Sexismus?

Trotzdem hätten Frauenturniere durchaus noch ihre Berechtigung: Für Einsteigerinnen könnten sie einen geschützten Bereich darstellen, um sich in einem Umfeld ohne Sexismus im E-Sport auszuprobieren, mit Ligastrukturen und anderen Spielerinnen in Kontakt zu kommen. Auf einem höheren Niveau kann eine Trennung nach Geschlechtern allerdings genau den umgekehrten Effekt haben: Wo es weniger Konkurrenz gibt, braucht es auch eine geringere Leistung, um es an die Spitze zu schaffen. Deshalb würden Frauenturniere in der Männer-Szene noch oft belächelt.

Zum jetzigen Zeitpunkt gibt es allerdings kaum Profispielerinnen, die sich auf dem gleichen Niveau bewegen wie die Männer. In der Overwatch League, der internationalen Profi-Liga für das Videospiel Overwatch, ist unter rund 200 Spielern eine Frau. Die Südkoreanerin Se-yeon "Geguri" Kim spielt seit der aktuellen Saison für die Shanghai Dragons. "Ich glaube, es gibt Spielerinnen, die auch die Leistung bringen würden, wenn sie die Chance bekommen würden, in einem gemischten Team zu spielen", sagt Ex-Spielerin Babic.

Generell zeichnet sich in der E-Sport- und Gaming-Szene ein zunehmend größeres Bewusstsein für das Thema Diversität ab. Im österreichischen E-Sport-Verband ESVÖ gibt es schon seit vorigem Jahr eine Genderbeauftragte. Auch in den USA haben sich Initiativen wie "Any Key" oder "Women of eSports" die Förderung von Frauen zum Ziel gemacht. Vor dem Hintergrund, dass sich der ESBD bemüht, E-Sport von der Bundesregierung und dem DOSB offiziell als Sportart anerkennen zu lassen, ist es für Möglich eine "logische Konsequenz, dass der eSport sich immer mehr an öffentlichen Strukturen orientiert" und sich um Gleichberechtigung kümmert.

Für die Arbeitsgruppe des ESBD geht es zunächst darum, sich zu vernetzen. In einem Gruppenchat und bei Treffen, die mehrmals im Jahr geplant sind, sollen die weiblichen Mitglieder der Gaming-Szene einander kennenlernen und sich austauschen. "Viele Frauen, gerade im Online-Gaming, glauben, dass sie noch sehr alleine dastehen, wenn sie anfangen, sich an E-Sport heranzutasten", sagt Möglich. Das sei aber überhaupt nicht mehr so - laut dem Branchenverband Game ist knapp die Hälfte der Spieler weiblich. Nur ein Bruchteil von ihnen allerdings sucht bisher den Wettkampf.

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