Erwerb neuer Spieler in der NFL:"NFL in einer heiklen Situation"

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In den vergangenen Wochen wurde heftig darüber debattiert, ob diese Gladiatoren-Liga mit ihrer Macho-Mentalität dafür bereit ist - der Manager eines Vereins sagte unter Zusicherung der Anonymität: "In zehn Jahren vielleicht. Derzeit jedoch sorgt ein offen homosexueller Spieler für Unruhe in der Umkleidekabine, das kann kein Verein gebrauchen. Ich glaube nicht, dass Sam gewählt wird und einen Profivertrag erhält."

Vor der Bekanntgabe im Februar war Sam als Dritt-Runden-Auswahl gehandelt worden, mittlerweile ist er - auch aufgrund schwacher Leistungen bei den öffentlichen Übungseinheiten - deutlich nach hinten gerutscht. Brancheninsider rechnen gar damit, dass er gar nicht gewählt wird und sich während der Saisonvorbereitung als vertragsloser Spieler zu beweisen hat.

Wade Davis, der erst nach seiner aktiven Karriere seine Homosexualität thematisierte, sagt: "Die NFL befindet sich in einer heiklen Situation: Wird Michael Sam in der zweiten oder dritten Runde ausgewählt, dann wird es heißen, dass die Liga ein Team dazu gezwungen hat. Wird er später oder gar nicht selektiert, dann wird es mit seiner Homosexualität begründet werden."

Sam selbst hat mittlerweile verkündet, dass er sich nicht als Pionier sehe und auch keine zusätzliche Aufmerksamkeit wolle: "Ich wünschte, die Menschen würden mich einfach als Footballspieler betrachten - anstatt immer den Zusatz 'schwuler' zu verwenden." Dennoch ist der Rummel um Sam immens: Der Sender ESPN hat ein Porträt vorbereitet für den Fall, dass Sam am Freitag oder Samstag gewählt wird.

Er selbst ist nicht nach New York gekommen, er wird sich die Auswahl in seinem Haus im kalifornischen San Diego ansehen. Gemeinsam mit Familienmitgliedern, Freunden und Spielervermittlern - und natürlich einem Kamerateam des Senders, das Live-Bilder nach New York schicken kann.

Am Donnerstagabend begann der Zirkus, er wird bis zum Samstag dauern. Ein Spieler übrigens hat keine Lust mehr auf das ganze Spektakel, auf die Gladiatorenkämpfe im Stadion, bei denen - das verdeutlichen immer mehr Studien - die Gehirne der Athleten immens geschädigt werden. Der Running Back Rashard Mendenhall erklärte im Alter von 26 Jahren seinen Rücktritt.

"Ich werde meine Gesundheit nicht mehr zu Unterhaltungszwecken gefährden", sagte Mendenhall, der im Jahr 2008 mit den Pittsburgh Steelers die Meisterschaft gewonnen hatte: "Ich habe Spaß gehabt, einen Haufen Geld verdient und coole Menschen kennen gelernt. Ich will einfach nicht mehr spielen - ich will um die Welt reisen und Schriftsteller sein." Er könnte mit einem Buch über den Draft beginnen.

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