Erster Termin vor Bayern - Barça:Pep verdient Respekt

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Schluss also mit Spitzen gegen FCB-Trainer Jupp Heynckes, dem ja aus mancher Ecke unterstellt wurde, er würde sich beim früheren Barcelona-Trainer und dem eigenen Nachfolger Pep Guardiola Tipps einholen. "Jupp ist ein großer Trainer", sagt Sammer, der auch findet, dass "Pep Respekt gehört". Niemand braucht zu glauben, der wisse nicht, was sich gehört, hieß das, ergo: Pep wird nicht plaudern über seinen Klub, "den er im Herzen trägt" (Sammer). Und Bayern fragt nicht nach Tipps, auch, weil das "eine moralische Zwangslage" für Pep Guardiola wäre. "Und das wollen wir nicht."

Als Sammer abtritt, wird es turbulent, aber nicht wegen Javier Martínez, der gleich kommt. Die 20, 25 spanischen Reporter beklagen, dass es keine Einzelgespräche gebe, aber Bayerns Mediendirektor Markus Hörwick macht überzeugend deutlich, dass der FCB hier etwas anbiete, was Barça, was Real nicht anböten: die Chance, überhaupt mit Protagonisten zu reden vor diesen Halbfinals.

Die Lage beruhigt sich, doch turbulent bleibt es. Was an der Konstellation liegt, dass ein Dolmetscher alles Deutsche ins Spanische übersetzt und umgekehrt. Es geht hin und her, und später wird es noch verschachtelter, als nämlich Franck Ribéry als dritter Gast auftaucht, auf Französisch antwortet und der Dolmetscher das wiederum ins Deutsche und Spanische übersetzt.

Und als Jupp Heynckes schließlich ausgequetscht und gebeten wird, auch auf Spanisch zu antworten, tut er das, wobei er plötzlich den Dolmetscher bittet, seine spanischen Sätze ins Deutsche zu übersetzen. Diese informative Veranstaltung bot, obwohl noch längst nichts angepfiffen ist, vorzügliche Spannung wie Unterhaltung. Und ja, es menschelte sehr, bei den reichen Kickern, beim Trainer, bei den Reportern. Da sage noch einer, diese Champions League sei ausschließlich eine Kommerzmaschine.

Allein der Auftritt des Spaniers Martínez, der im Bayern-Mittelfeld den Sozialarbeiterpart auf beeindruckende Weise leistet, offenbart diesen erfrischenden Geist, mit dem die Münchner gerade selbst bei Anti-Bayern-Fans punkten (dies hat auch ein spanischer Journalist festgestellt). Wie ein Fan schwärmt der Athlet mit den Rehaugen von seinen Kollegen, Bastian Schweinsteiger sei "ein Stier, eine Naturgewalt", Philipp Lahm eine "starke Führungspersönlichkeit" und Heynckes jener, dem er Dank entgegenbringen muss für das Vertrauen, dass er spielen darf.

Und während Martínez munter weiterschwärmt, schreibt er einem Reporter ein Autogramm, den er offensichtlich noch aus spanischen Zeiten kennt, als er noch für Bilbao spielte. Richtig nett ist dieser Martínez, nichts wirkt aufgesetzt, er spricht freundlich, lauscht geduldig den nie enden wollenden Übersetzungen des Dolmetschers Stéphane Gödde (der sich eine Tapferkeitsmedaille verdiente in dem fremdsprachlichen Tohuwabohu), lobt Kollegen und Gegner.

Auch Heynckes macht mal wieder einen äußerst aufgeräumten Eindruck, als er das Schlussplädoyer hält, und wer dachte, mehr als Martínez Schweinsteiger ehrte ("Es ist ein Hochgenuss, an seiner Seite auflaufen zu dürfen"), gehe nicht - der hat noch nicht diesen Heynckes kennengelernt.

Jüngst hat der 67-Jährige für eine Zeitung eine Rangliste der besten Mittelfeldspieler aus 50 Jahren Bundesliga erstellt - "Bastian war meine Nummer eins", sagt er und strahlt regelrecht.

Die Botschaft, die auch in dieser kleinen Begebenheit mitschwingt, dürfte auch bis Barcelona dringen: Dieser Bayern-Jahrgang 2012/2013 ist euphorisiert, er weiß um seine Stärke. "Wir haben in der Champions League bewiesen, dass wir zu Hause eine Macht sind", sagt Heynckes noch. Als er aufsteht, lächelt er, wie es Sammer als Erster tat.

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