Erster Bundesligapunkt seit vier Jahren :Angekommen

01 09 2018 Fussball Saison 2018 2019 1 Fussball Bundesliga 02 Spieltag 1 FC Nürnberg

In der letzten Saison hatte Mikael Ishak (rechts) mit 21 Scorerpunkten erheblichen Anteil am Aufstieg des Clubs in die erste Bundesliga. Gegen Mainz zeigt er Ersligareife.

(Foto: imago/Zink)

Gegen Mainz gelingt Nürnberg beim 1:1 zwar kein Sieg, aber die Art von Rückkehr ins Oberhaus, wie sich die Franken das vorgestellt haben - mal wieder spielt Mikael Ishak die entscheidende Rolle.

Von Markus Schäflein, Nürnberg

Nebenan war Volksfest, und wer erst nach dem Schlusspfiff im Nürnberger Stadion erschien, bekam den Eindruck, dass der 1. FC Nürnberg passenderweise sein erstes Bundesligaheimspiel gewonnen habe. Die Partie gegen den FSV Mainz 05 war 1:1 (0:1) ausgegangen, doch die Anhänger berauschten sich an der Vorstellung, die ihre Mannschaft in der zweiten Hälfte geboten hatte, und feierten auf den Rängen ihr eigenes Volksfest. "Der FCN ist wieder da", sangen sie, und ja: Der FCN ist nicht nur zurück in der Bundesliga, sondern auch dort angekommen. "In der zweiten Halbzeit haben wir ein super Spiel gemacht", fand auch Mittelfeldspieler Tim Leibold, "drei Punkte wären verdient gewesen, aber es stimmt mich trotzdem positiv, wie wir gespielt haben."

Nürnbergs Trainer Michael Köllner hatte im Vergleich zum Auftakt-0:1 bei Hertha BSC Berlin zwei Veränderungen vorgenommen, eine unfreiwillig, eine freiwillig: Federico Palacios spielte für den erkrankten Edgar Salli auf der rechten offensiven Seite, der genesene Enrico Valentini kehrte auf seine Rechtsverteidigerposition zurück. Die Mainzer mussten aus erfreulichem Grund auf Stürmer Anthony Ujah verzichten: Der Siegtorschütze vom Auftakt-1:0 gegen den VfB Stuttgart war in der Nacht Vater geworden. Im Vergleich zum Auftaktspiel der Fußball-Bundesliga gab es insgesamt drei Änderungen in der Startelf: Kunde spielte für den verletzten Jean-Philippe Gbamin, Karim Oniswo ersetzte den zu Eibar nach Spanien gewechselten Pablo de Blasis, Alexandru Maxim begann für Gerrit Holtmann (Fußverletzung).

Die Nürnberger mühten sich, agierten aber zu langsam und zu umständlich

Zu Beginn verhielten sich beide Mannschaften verhalten, ein erstes Bundesliga-Rückkehr-Raunen kam nach einem Kopfball von Georg Margreitter auf; der Nürnberger Innenverteidiger traf das Außennetz (6.). Anschließend verpasste Tim Leibold bei seinem Schuss um Zentimeter den Ausgleich (16.). So richtig in Fahrt kam die Partie aber nach wie vor nicht, und auch auf den Rängen war von Begeisterung über die neue Liga noch nichts zu spüren. "Dass du mit einer Mannschaft, die neu in der Liga ist, erst einmal auf Spielkontrolle und auf die eigene Defensive aus bist, ist klar", sagte Köllner. "Und dann kam doch das 0:1 aus heiterem Himmel."

Mitten hinein in die aufkeimende Langeweile setzte der Mainzer Spanier Aaron zu einem energischen Flankenlauf an, seine Hereingabe beförderte der Franzose Jean-Philippe Mateta vor Lukas Mühl per Kopf wuchtig ins Tor - 0:1 (25.). Die Nürnberger mühten sich anschließend um den Ausgleich, agierten aber zu langsam und zu umständlich, um zwingend zu sein. Palacios schoss auf Vorlage von Mittelstürmer Mikhael Ishak deutlich über die Querlatte (39.), auch Valentinis Freistoß aus 25 Metern geriet deutlich zu hoch (44.). Von einer Ankunft in der Bundesliga war vor der Pause für die 37781 Besucher noch nicht viel zu erahnen. "Wir haben uns dann entschieden, das Spiel zu verändern", sagte Köllner.

FCN-Trainer Köllner fand den zweiten Durchgang gar "fantastisch"

Und nach dieser Entscheidung ging es dann schnell: Der letztjährige Torjäger Mikael Ishak traf - nachdem er zum Auftakt in Berlin noch einen Elfmeter verschossen hatte - nach einer Ecke von Valentini unhaltbar zum Ausgleich (48.). Hanno Behrens hatte einen Schuss angetäuscht, aber den Ball Ishak überlassen. Der erste Treffer der Saison bereitete den Nürnbergern offenbar Freude, sie wollten nun jedenfalls - in einer offenkundig auch für Mainz überraschenden Entschlossenheit - den zweiten. "Ob es an der Systemumstellung bei uns lag oder an der Passivität der Mainzer - jedenfalls sind wir dann richtig gut ins Spiel gekommen", stellte Leibold fest.

Nach mehrmaligem Nachsetzen zahlreicher Nürnberger - zu denen künftig auch der von Sporting Lissabon für ein Jahr geliehene brasilianischen Stürmer Matheus Pereira und der niederländischen Angreifer Virgil Misidjan von Ludogorez Rasgrad gehören werden - kam erneut Ishak zum Abschluss. Er scheiterte diesmal aber an FSV-Torwart Florian Müller (57.); auch gegen den aufblühenden Japaner Yuya Kubo parierte Müller (63.); bei einem Schuss von Valentini hatte er noch mehr Mühe, klärte den Ball aber zur Seite (65.). Als Müller einmal überwunden gewesen wäre, vom eingewechselten Eduard Löwen auf Zuspiel von Kubo, klärte Daniel Brosinski vor der Linie (76.). Kubo schoss noch einmal knapp vorbei (88.), dann war Schluss, und Leibold konnte nur feststellen: "Viel vorwerfen können wir uns wirklich nicht, wir haben es nach vorne viel besser gemacht als letzte Woche." Und Köllner fand den zweiten Durchgang gar "fantastisch" und stellte fest: "Wir haben die Mainzer vor die eine oder andere Frage stellen können."

FSV-Trainer Sandro Schwarz ärgerte sich vornehmlich, dass das Ausgleichstor aus einer Fragestellung resultierte, die er seiner Mannschaft längst beantwortet hatte - jedenfalls berichtete er, dass er genau jene Eckballvariante sogar auf Video vorgeführt hatte. "Danach waren wir dann beeindruckt, Nürnberg hat sehr viel Wucht entwickelt, wir haben es nicht mehr geschafft, die Situationen aufzulösen." Der FCN, so lautete die umgekehrte Perspektive, war wieder da.

© SZ vom 02.09.2018
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