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Eröffnungsfeier der Paralympics:So bunt, so fröhlich, so trügerisch

Paralympics 2014 - Eröffnungsfeier

Symbolträchtige Requisite: Ein russischer Eisbrecher bei der Eröffnungsfeier in Sotschi

(Foto: dpa)

Die Eröffnungsfeier der Winter-Paralympics in Sotschi kommt wie eine weiß-blau-rote Bilder-Maschine daher, die Wladimir Putin als gütigen Gastgeber zeigt. Die düsteren politischen Wahrheiten können die Gastgeber nicht maskieren - das stürzt die olympische Bewegung in ein Dilemma.

Von Thomas Hahn, Sotschi

Habt ihr die herrlichen Lichter gesehen im Olympiastadion von Sotschi? Habt ihr die Flüge des Feuervogels bewundert und die Tänze der Schneeflocken beim Fest zur Eröffnung der Paralympischen Spiele? Russland war herrlich in dieser Nacht, nicht wahr? So leicht, so elegant, so fröhlich, und auch ein bisschen traurig.

In vielen Momenten getragen von einer freundlichen Melancholie, wie sie aus der tiefen russischen Seele spricht. Die Musik ging leicht ins Herz. Die Bilder waren groß und kraftvoll, und sie haben von den kleinen Lehren des Lebens erzählt: vom Eis der Vorurteile, das man brechen muss, um als Gesellschaft etwas zu schaffen. Von der Kunst, trotz der eigenen Zerbrechlichkeit im Gleichgewicht zu bleiben. War das nicht wunderbar? Die Athleten haben gelacht, die 40.000 Zuschauer haben gejubelt. Putin hat milde geschaut. Und am Schluss haben bunte Feuer den Himmel erleuchtet. War das nicht wirklich alles sehr, sehr schön?

Natürlich war das alles sehr, sehr schön. Aber im Schönen liegt eben manchmal auch das Trügerische, und in dieser herrlichen bunten Nacht im großen Stadion Fischt am Ufer des Schwarzen Meeres hat man als unbeteiligter Nicht-Russe, der nach dem Werte-Kanon einer freien Gesellschaft erzogen ist, nicht so leicht aus dem Kopf bekommen können, wofür so eine wunderbare Inszenierung von nationaler Romantik und menschlicher Moral auch stehen kann.

Die großen Feste des Sports darf keiner unterschätzen. Sie sind perfekte Instrumente der Macht, weil sie unübersehbar und eingängig sind, und weil sie einem Publikum auf der ganzen Welt einen Eindruck vermitteln können, der von ein paar ganz anderen, düsteren Wahrheiten ablenkt.

Selbst gewachsene Institutionen aus der demokratischen Welt wie das Internationale Olympische Komitee (IOC) oder das Internationale Paralympische Komitee (IPC) können bei diesen Festen zu zuverlässigen Werbeträgern autoritärer Systeme werden. Sie glauben dann von Sport zu sprechen, aber sie loben in Wirklichkeit einen Apparat, in dem verschiedene Freiheitsrechte eher willkürlich verteilt sind. So wie das in Sotschi passiert ist zum Beispiel.

Spiele von Putins Gnaden

Die Spiele von Gnaden des russischen Präsidenten und Autokraten Wladimir Putin sind für aufgeklärte Polit-Betrachter schon immer ein Härtefall gewesen. Mittlerweile aber ist alles noch viel schwieriger. Es herrscht die Krim-Krise nach dem Umsturz in der Ukraine. Im Interesse Russlands sind Soldaten auf der ukrainischen Halbinsel Krim aufmarschiert. Die demokratischen Industrienationen sehen die Souveränität der Ukraine verletzt durch Putins Haltung.

Das weltpolitische Klima ist so schlecht wie schon lange nicht mehr, gleichzeitig befeuern die russischen Staatsmedien das prorussische Sentiment mit einer Berichterstattung, die im Grunde eine einzige große Putin-Rechtfertigung ist. Und in dieser Phase kommt nun diese liebliche Spiele-Eröffnung daher, die mit russischen Gefühlen spielt und Putin als gütigen Gastgeber zeigt. Die weiß-blau-rote Bilder-Maschine abgemischt mit paralympischer Moral - damit kann ein russischer Machtmensch ganz gut Punkte machen beim Volk.

Ein paar Brüche hat es durchaus gegeben am Freitagabend in der perfekten russischen Kunstlicht-Welt von Sotschi. Auf der Ehrentribüne fehlten politische Vertreter aus Ländern wie Amerika, Großbritannien, Kanada, Frankreich und Deutschland. Der Einmarsch der Nationen war weniger fröhlich als sonst. Die deutsche Mannschaft mit Fahnenträgerin Andrea Rothfuss hatte darauf verzichtet, mit deutschen und russischen Fähnchen zu grüßen. Als sie ins Stadion kam, winkte der Tauberbischofsheimer IOC-Präsident Thomas Bach mit rosigem Vergnügen. Aber niemand winkte zurück.

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