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Ermittlungen zur Fifa:Fragwürdiger Deal mit Blatters Unterschrift

Sepp Blatter

In Bedrängnis wegen einer Unterschift: Fifa-Präsident Sepp Blatter

(Foto: AP)
  • Am Nachmittag geben die US-Ermitler Neues zur Fifa bekannt.
  • Davor erschüttert der nächste Verdacht den Fußball-Weltverband. Diesmal betrifft er den Präsidenten direkt.

Der nächste Verdacht auf Untreue erschüttert den Fußball-Weltverband - und diesmal betrifft er den Präsidenten direkt. Das Schweizer Fernsehen SRF präsentierte am Freitagabend einen Vertrag vom 12. September 2005, der die Unterschriften von Sepp Blatter und dessen damaligem Fifa-Vize Jack Warner trägt, das Papier regelt den Verkauf regionaler Fernsehrechte für die WM-Turniere in Südafrika 2010 und Brasilien 2014. Für läppische 600 000 Dollar gingen sie an die karibische Fußballunion CFU, deren Chef und Kontobevollmächtigter war zu der Zeit Warner (Trinidad und Tobago).

Außer Frage steht, dass die Verkaufssumme - 250 000 für die Südafrika-WM, 350 000 für Brasilien - weit unterm Marktpreis lag. Nach dem stillen Deal unter Kollegen übertrug Warner die Karibik-TV-Rechte auf eine eigene Firma und verkaufte sie dem Kabelanbieter Sports Max - für geschätzt 15 bis 20 Millionen Dollar. Solche Transaktionen haben Tradition: In den Neunzigerjahren erhielt Warner die Karibik-Rechte sogar für nur einen Dollar.

Der denkwürdige Deal könnte nun aber strafrechtlich relevant sein, sagte die Luzerner Rechtsprofessorin Monika Roth im SRF, sie denkt "an den Tatbestand der ungetreuen Geschäftsbesorgung", wenn der Fifa durch so ein Geschäft erhebliche Einnahmen entgangen seien. Die Frage sei, ob es ein wirtschaftlich korrekter Betrag war oder ein Freundschaftsdeal.

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Die Fifa reagierte eilig. Am Wochenende warf sie Warners CFU Vertragsbruch in der Causa vor und teilte mit: "Gestützt auf diesen Vertrag sollte die Fifa (. . .) auch eine Gewinnbeteiligung von 50 Prozent aller Unterlizenzeinnahmen erhalten." Die CFU sei der Zahlungspflicht nicht nachgekommen und habe auch "weitere Vertragsverletzungen begangen". Deshalb habe die Fifa "die Vereinbarung mit CFU am 25. Juli 2011 gekündigt". Soll heißen: Die TV-Rechte wären weniger günstig für Warner gewesen, hätte er die Vertragsinhalte erfüllt.

Im Kern dürfte diese Darstellung Blatter, 79, aber kaum weiterhelfen. Zum einen hätte die Fifa dem einflussreichen Warner, seinerzeit Chef des Nord- und Mittelamerika-Verbands Concacaf, auch im Falle einer Rückzahlung von 50 Prozent Profitbeteiligung noch einen Reibach in bis zu zweistelliger Millionenhöhe mit Fifa- Rechten ermöglicht. Zum anderen fand die WM in Südafrika bereits 2010 statt, dieses Turnier kann eine Kündigung 2011 also kaum betroffen haben. Unklar ist zudem, ob Warner nicht auch den Verkauf der WM-Rechte 2014 schon vor Vertragskündigung getätigt hat. Und ob die Fifa hier die Rückzahlung betrieb oder betreibt.