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Ermittlungen im kroatischen Fußball:Das Netz spinnt sich durch Fußball und Politik

Die Ermittlungen gewähren Einblick in die Tiefen des internationalen Transferbetriebs. Mamic und Mittelsmänner sind insbesondere in den Topligen gut vernetzt, von Spanien, England, Deutschland bis Holland. Die Behörden haben den Wechsel von Luka Modric zu Tottenham Hotspur aus dem Jahr 2008 ebenso im Visier wie Transfers von Dejan Lovren (FC Liverpool) zu Olympique Lyon 2010, Milan Badelj (Florenz) 2012 zum Hamburger SV, Tin Jedvaj (Leverkusen) 2013 zum AS Rom sowie von Mateo Kovacic 2013 zu Inter Mailand. Kroatische Medien berichten, für den offiziell 21 Millionen Euro teuren Transfer Modrics seien keine Steuern bezahlt worden. Eine Vertragsklausel habe dem Profi 50 Prozent der Ablösesumme zugesichert, über diesen Umweg sei das Geld bei Mamic gelandet. Modric äußerte sich bisher nicht.

Generell spielen Privatvereinbarungen, die Zdravko Mamic mit vielen Spielern abgeschlossen hat, eine zentrale Rolle. Modric, Spielgestalter bei Real Madrid, soll demnach verpflichtet sein, bis ans Karriereende 20 Prozent des Salärs an Mamic zu überweisen; derzeit seien es rund 125 000 Euro pro Monat. Der ehemalige kroatische Nationalspieler Eduardo, einst von Mamic in Brasilien entdeckt und bei Dinamo angestellt, klagte 2013 als bislang einziger Profi gegen eine solche Vereinbarung und erklärte, er sei bei der Unterschrift des Kroatischen nicht mächtig gewesen.

Mamic verkaufte einst Sitzkissen aus Styropor vor dem Maksimir, schmuggelte Jeans aus Italien ins Land und soll im Krieg an der Front Zigaretten verkauft haben. Er wurde nach den Wirren der Neunzigerjahre reich. Seit er 2003 von einem Wahlkomitee an die Dinamo-Spitze gehievt wurde, regiert Mamic den Klub und Kroatiens Fußball mit seinem Clan. Als gut vernetzt gilt er auch in der nationalkonservativen Partei HNZ. Doch der Schutz von Justiz und Politik bröckelt seit dem Regierungswechsel 2011. Die seitdem amtierenden Sozialdemokraten erließen ein Gesetz, das Klubfunktionären und Verwandten verbietet, Spielerberatungsfirmen zu führen. Aushebeln lässt sich das Verbot über Strohmänner; es hatte auch bei der früheren Beratungsfirma von Mamics Sohn keine Wirkung. Der für seine Wutreden berüchtigte Mamic sieht einen "Plot der Kommunisten" gegen sich und nannte Innenminister Ranko Ostojic nach Bekanntwerden der aktuellen Ermittlungen einen "Lügner".

Der kroatische Fußball profitiert von Suker und Platini

Die heikle Entwicklung erhöht den ohnehin starken Druck auf den Fußball. Der Nationalelf droht nach mehreren rassistischen und nationalistischen Ausfällen ihrer Fans - beim Geisterspiel in der EM-Qualifikation gegen Italien war jüngst ein Hakenkreuz auf dem Rasen in Split zu sehen - harte Sanktionen. Ministerpräsident Milanovic bat deshalb jüngst den Uefa-Präsidenten schriftlich um Milde. Doch von Michel Platini ist vorläufig wenig zu befürchten: Er ist Verbandschef Davor Suker sehr zugetan. Perfekt spielen die beiden früheren Weltstars auch in einem anderen aktuellen Problembereich zusammen.

Suker, der auch im Uefa-Vorstand sitzt, taucht in den Prozessakten des Bochumer Wettskandals wiederholt als Gesprächspartner des verurteilten Wettbetrügers Ante Sapina auf. Dass die Behörden der heiklen Spur nie weiter nachgingen, nimmt die Uefa zum Anlass, die Sache ruhen zu lassen. In den damaligen Ermittlungen fiel auch Mamics Name.

Laut der Zeitung Vecernji list sollen neben Stars wie Modric und Lovren auch die Ex-Bundesligaprofis Vlado Kasalo (Nürnberg) und Dino Drpic (Karlsruhe) auf einer 80 Namen umfassenden Zeugenliste im Mamic-Verfahren stehen. Die Liste soll aber gekürzt worden sein. Kasalo war Anfang der Neunziger-Jahre vom Deutschen Fußball-Bund die Spielerlaubnis entzogen worden, er wurde in Nürnberg suspendiert, weil die Polizei nach einigen Eigentoren gegen ihn wegen Spielmanipulation ermittelte. Nachgewiesen wurde ihm nichts. Später war er Direktor, Coach und Scout bei Dinamo und saß wegen illegalen Waffenbesitzes in Kroatien im Gefängnis.

Spielbetrug gehört in Kroatien zu den Krankheitssymptomen des Fußballs. Untersucht wurden hier auch schon Spiele Dinamos in der Champions League, etwa das 1:7 im Dezember 2011 gegen Olympique Lyon, wodurch Ajax Amsterdam damals die K.o.-Runde verpasste. Eine Manipulation konnte hier so wenig nachgewiesen werden wie bei anderen Spielen - selbst, wenn schriftliche Zeugenaussagen von Spielern vorlagen, die über Bestechungsversuche berichtet hatten.

Suker sagte jüngst der Presse, sein Vize Mamic habe solange als unschuldig zu gelten, bis Beweise auf dem Tisch lägen.

© SZ vom 15.07.2015
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