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Ermittlungen gegen Blatter:Protagonisten einer Geschichte von Freundschaft und Verrat

Sepp und Michel; im Flurfunk hoher Funktionäre hießen sie einst "Max und Moritz". Aber verbrüdert sind sie schon lange nicht mehr, sondern die Protagonisten einer Geschichte von Freundschaft und Verrat. Bei Blatter ist der Bruch mit Vertrauten Brauch, viele enge Gefährten diverser Karriereabschnitte schimpften ihn später Verräter.

Fifa-Vorstände wie Bin Hammam, Warner oder Ricardo Teixeira, denen er angeblich jeden Wunsch erfüllte, als sie ihm Wahl und Wiederwahlen sicherten. Die Freunde von einst jagt nun die US-Justiz, während Blatter immerzu neue, naive Reformhelfer um sich schart. Einige halten den Profifunktionär heute noch für einen echten Reformwilligen.

Ein großer Profi war auch Platini. Als Fußballer. Für das Leben danach lernte er bei Blatter. Wie der Meister neigt der Schüler zur Eifersüchtelei; das Verhältnis zu anderen Ikonen der Grande Nation, zu Zinedine Zidane etwa oder zu Didier Deschamps, gilt als reserviert. Als Blatter dank diskreter Wahlhelfer 1998 vom Generalsekretär zum Präsidenten aufstieg, war Platini der wichtigste öffentliche Fürsprecher. Er hatte ein bedeutendes Amt inne: WM-Turnierdirektor in Frankreich.

Eine fürstlich alimentierte Lehrzeit als Blatter-Intimus

Und Blatter brauchte namhafte Verbände, ein richtiges Schwergewicht. Sein Gegner war Uefa-Chef Lennart Johansson, der Schwede galt als seriöser Kandidat und hatte auch unter den Kickern die Creme hinter sich, von Pele bis Beckenbauer. So war es ein echter Coup, aus Johanssons Europa-Allianz just den WM-Gastgeber herauszubrechen. Frankreichs OK-Chef wurde Blatters Herold, organisierte Pressekonferenzen, griff Johansson persönlich an und erklärte, er gestalte Blatters Programm mit.

Ein Job als Fifa-Superdirektor war nach Blatters Amtsübernahme vorgesehen, doch der gedemütigte Johansson verhinderte das mit seiner Mehrheit im Fifa-Vorstand. Platini durfte nur Sportberater werden, 1999 begann diese Ära. Und damit immerhin eine fürstlich alimentierte Lehrzeit als Blatter-Intimus. Ziel: die Übernahme der Uefa, Platini sollte Schluss machen mit den Querschüssen aus Europa.

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2007 schlug er den greisen Johannson mit nur 27:23 Voten. Blatter wirkte im Hintergrund, auch Frankreichs Diplomatie half nach. Platini war fast ganz oben, stand aber nun in der Schuld bei allerlei Sportsfreunden. Obskure Funktionäre aus Europas Osten rückten in den Uefa-Vorstand ein. Monate später zog die Ukraine gemeinsam mit Polen die EM 2012 an Land.

Eine Sensation? Im Jahr 2010 kamen konkrete Bestechungsvorwürfe auf. Doch die Uefa-Spitze ließ den Informanten aus Zypern, der alles belegen wollte, ins Leere laufen. Sie sichtete nie sein Material und lud den mutmaßlichen Zeugen gar eilig wieder aus, als dieser mit dem Uefa-Ermittlungschef bereits eine Dokumenten-Sichtung am Stammsitz in Nyon vereinbart hatte.