Erik Durm in der Premier League Ein Weltmeister für Huddersfield

Statt Schwarz-Gelb - Durm im ungewohnten Huddersfield-Blau

(Foto: imago/Jan Huebner)
  • Nach dem gescheiterten Wechsel zum VfB Stuttgart und einem Jahr ohne Spielpraxis wechselt Erik Durm zu Huddersfield in die Premier League.
  • Durm trainierte schon einmal unter Trainer David Wagner - damals in der zweiten Mannschaft des BVB.
  • Durm will beweisen, dass er noch immer guten Fußball spielen kann.
Von Leon Wohlleben

Erik Durm war einmal Weltmeister, und da meint man, solche Spieler hätten hohe Ansprüche. Aber schon ein simpler Pressschlag bereitete Erik Durm in diesem Sommer große Freude. "Das war ein gutes Tackling zum Reinkommen, weil man merkt, dass der Fuß ganz normal mitmacht", sagt Durm nach dem 3:0 im Testspiel gegen RB Leipzig, seiner Premiere im Huddersfield-Trikot. 14 Minuten durfte Durm das tun, was er so selten tun konnte in den vergangenen Jahren: auf dem Platz stehen. Fußball spielen. Zweikämpfe bestreiten.

Nach sechs Jahren bei Borussia Dortmund hat Durm in diesem Sommer den Schritt nach England gemacht: zu Huddersfield Town. Der Klub ist in England ohnehin schon für seinen "deutschen" Anstrich bekannt, Christopher Schindler spielt hier, auch Chris Löwe, trainiert wird die Mannschaft von David Wagner. Jetzt steht sogar ein deutscher Weltmeister im Kader. Nach vielen Jahren, die durch Verletzungen bestimmt waren, will Durm einen Neuanfang wagen. Wieder einmal.

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Die Verletzungszeit begann ein Jahr nach dem WM-Titel 2014, als Durm zwar im Kader stand, in Brasilien letztlich aber kein Spiel bestritt. Erst entzündete sich das linke, dann das rechte Knie. Operationen folgten. Über zwei Jahre hinweg verpasst er allein dadurch zusammengerechnet so viele Spieltage, dass diese für eine ganze Saison reichten.

Tiefpunkt: der gescheiterte Wechsel nach Stuttgart

Als er wieder für gesund erklärt wurde, entschied sich Durm im Sommer 2017 für einen Wechsel nach Stuttgart. Also verabschiedete er sich von seinen Mitspielern in Dortmund, fuhr nach Stuttgart, absolvierte den Medizincheck. "Dann kam mein Berater und musste mir erzählen, dass es nicht geklappt hat. Ich dachte erst, das sei ein Scherz", erzählt Durm. Die Stuttgarter Ärzte hatten eine Hüftproblematik festgestellt, die in ihren Augen wohl operiert werden müsste. Stuttgart nahm vom Wechsel wieder Abstand. Durm blieb nur der Frust. Und abermals eine OP.

Im Winter kam noch ein Riss im Außenband des Sprunggelenks dazu, Durm stand in der Saison 17/18 kein einziges Mal für den BVB auf dem Platz. "Ich habe halt das Pech gehabt, dass ich jetzt in drei Jahren durchgemacht habe, was mancher in zehn Jahren bekommt", sagt Durm: "Beim Fußball immer nur zuzuschauen, ist das schlimmste an der ganzen Verletzungsgeschichte."

Dass Durm gerade bei Huddersfield Town gelandet ist, hat viel mit David Wagner zu tun. Unter ihm verbrachte Durm in der zweiten Mannschaft das erste Jahr bei Dortmund und lernte damals noch als Sturmspitze, sich im Abstiegskampf der dritten Liga durchzusetzen. "David Wagner hat es geschafft, dass wir zu dieser Zeit immer ruhig geblieben sind und uns nie gegenseitig die Köpfe eingeschlagen haben", erinnert sich Durm. Von da an ging es für Durm schnell nach oben. Nach der Umschulung zum Außenverteidiger kamen die ersten Einsätze in der Bundesliga, Champions League und schließlich in der Nationalmannschaft.