Erfolge bei der WM Das deutsche Eishockey ist auf einem guten Weg

Torhüter Mathias Niederberger jubelt über das Tor zum 3:2 gegen die Slowakei.

(Foto: dpa)

Vier Partien, vier Siege: Die deutschen Eishockeyspieler starten historisch gut in die WM. Ist der Olympia-Erfolg womöglich wiederholbar?

Kommentar von Johannes Schnitzler

Ist der Olympia-Erfolg, die Silbermedaille von 2018, wiederholbar? Diese Frage sollte Eishockey-Bundestrainer Toni Söderholm am Mittwoch nach dem Nervenkitzler bei der Weltmeisterschaft gegen Gastgeber Slowakei beantworten. 3:2, vierter Sieg im vierten Spiel, bester WM-Start seit 1930 - damals gewann das Deutsche Reich gegen Großbritannien, Ungarn, Polen und die Schweiz und verlor im Endspiel gegen Kanada.

Die bürokratische Antwort lautet: Nein. Ist er nicht. Schon allein deshalb, weil Olympische Spiele nur alle vier Jahre stattfinden und eine WM jedes Jahr. Und weil man Erfolg im Sport nicht beliebig wiederholen kann wie eine Spielszene in Zeitlupe. Etwas weiter gedacht, im olympischen Zyklus von vier Jahren, könnte die Antwort aber lauten: Warum nicht?

Der Deutsche Eishockey-Bund (DEB), jahrelang in Sorge, wegen Erfolglosigkeit keine Fördermittel mehr vom Staat und vom Olympischen Sportbund zu bekommen, ist auf einem guten Weg. Dank des Programms "Powerplay 26" soll die deutsche Auswahl bis in sieben Jahren in der Lage sein, konstant um Medaillen zu spielen. "Dass wir die Qualifikation für 2022 jetzt schon geschafft haben, kann man gar nicht hoch genug bewerten", sagt Präsident Franz Reindl. Die Silbermedaille von Pyeongchang und der beste WM-Auftakt seit fast 90 Jahren schaffen Aufmerksamkeit. Das 3:2 gegen die Slowakei sahen am Mittwoch im Schnitt 1,4 Millionen Menschen und in der Spitze 2,03 Millionen. Es waren die besten Werte für den Sender Sport1 bei einer WM seit 2017. Die Übertragung des Olympia-Finales sahen mehr als fünf Millionen - an einem Sonntagmorgen kurz nach fünf.

Stimmung wie in Pyeongchang

Eishockey legt allmählich wieder an Breite zu. In den Vereinen wächst die Zahl der Anmeldungen. Im aktuellen WM-Team stehen nur noch elf "Silberhelden", junge Spieler wie die NHL-Profis Leon Draisaitl und Dominik Kahun, beide 23, oder der hochtalentierte Moritz Seider, 18, sind Versprechen auf die Zukunft. Und sie haben Ziele. "Ich war ein bisschen überrascht vom Medienecho, dass alle so überrascht waren, dass wir Großbritannien, Dänemark und Frankreich geschlagen haben", sagte Kapitän Moritz Müller. "Für uns war es so: Wir mussten die drei schlagen, um hier erfolgreich zu sein." Die Stimmung erinnere ihn durchaus an Pyeongchang, verriet DEB-Chef Reindl: "Du merkst in der Kabine, die wollen mehr. Der Ballon ist voll aufgepumpt."

Toni Söderholm beantwortete die Frage, ob der Olympia-Erfolg wiederholbar sei, mit einer Gegenfrage: "Welcher Push soll denn noch kommen, wenn nicht jetzt?" Von Medaillen wollte der Bundestrainer aber nicht sprechen: "Vor uns stehen noch ein paar Hürden." Bei dieser WM heißen sie Kanada, USA, Finnland. Bis 2026 lautet das Primat Nachwuchsförderung, um aus singulären Erfolgen reproduzierbare zu machen. "Zum Glück haben wir ein paar Tage frei", sagte Söderholm. Um zu genießen - und dann wieder "zurück auf den Boden" zu kommen.

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