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Erfolg des FC Bayern:Eine Mannschaft - nicht nur für 90 Minuten

DFB-Pokal FC Bayern München - VfB Stuttgart

Alle gemeinsam: Der FC Bayern in Berlin

(Foto: dpa)

Elf Freunde müsst ihr sein: Die Münchner Allesgewinner führen ihre Dominanz auch auf eine besondere zwischenmenschliche Harmonie zurück. Bevor die Klub-Verantwortlichen in den Urlaub gehen, basteln sie nun noch an den Feinheiten für den Kader der kommenden Saison.

Der deutsche Fußball-Nationaltorwart Manuel Neuer, das ist am Sonntagvormittag brandheiß zu erfahren, hat soeben erst den Berliner Club The Grand verlassen. Um neun Uhr morgens. Normal sei dort gegen fünf Schluss, berichtet ein glaubwürdiger Augenzeuge, der sogar ein Foto vorzeigen kann. Neuer und ein versprengtes Dutzend Nachtschwärmer haben in der sogenannten Pop-Art-Bar am Alexanderplatz eben einfach nur die großzügigen Öffnungszeiten genutzt: "Open End".

Um neun musste Neuer dann aber doch gehen. Denn um halb elf war Abfahrt im Hotel am Gendarmenmarkt: zurück nach München, weiter feiern, auf dem Marienplatz, trotz des verdammten Mistwetters.

FC Bayern in der Einzelkritik

Lauter Weltfußballer

Man kann sagen, dass sich auch der Mensch Neuer, 27, inzwischen ziemlich gut eingefügt hat bei den Allesgewinnern des FC Bayern. Eine durchaus erfreuliche Entwicklung ist das, wenn man bedenkt, dass ein paar Bollerköpfe aus der Münchner Südkurve Neuer nach seinem Transfer vor zwei Jahren verbieten wollten, sich von ihnen feiern zu lassen - weil er als Kind in Gelsenkirchen sozialisiert wurde. Früher ist der deutsche Nationaltorwart Oliver Kahn häufig der letzte gewesen, wenn die Bayern auf ihren Reisen gesellig beisammensaßen. Nun imponiert Neuer im Sinne des gruppendynamischen Prozesses mit titanischer Härte gegen sich selbst.

Die Mär von den elf Freunden gibt es heute nicht mehr im Fußball; das Spiel ist ein Geschäft und der FC Bayern unangefochtener Branchenführer unter den professionalisierten Fußballkonzernen. Und doch fiel in den vergangenen Wochen und nun auch während der Feierlichkeiten nach dem 3:2 gegen den VfB Stuttgart auf, wie häufig sie alle die zwischenmenschliche Harmonie erwähnten, die den historischen Gewinn von Meisterschaft, Champions League und DFB-Pokal begleitet, ja vielleicht sogar erst ermöglicht hätte.

"Wir haben die richtigen Charaktere", heißt es seit Wochen von Kapitän Philipp Lahm, während Trainer Jupp Heynckes, der große Moderator und Integrator dieser Mannschaft, nun in Berlin wieder vom "großen Zusammenhalt" sprach. Es gab da außerdem nach der Pokalübergabe und dem Goldschnipsel-Inferno eine Szene, in der zunächst Rafinha und Arjen Robben die Trikots der auf Druck des brasilianischen Verbandes zum Confed-Cup abkommandierten Kollegen Dante und Luiz Gustavo in Kameras und Objektive hielten. Auch das Hemd des Kreuzband-Patienten Holger Badstuber war erneut zu sehen.

Dass der diplomierte Individualist Robben sich jetzt auch außerhalb des Rasens um das Wohl der Gruppe bemühte, ebenso der sehr stolze Hitzkopf Rafinha, der seinen Reservistenstatus eine Saison lang nie beklagte, solche Details dienten den Bayern als Beleg für die These: Wir haben eine Mannschaft, nicht nur für 90 Minuten.

Daran ändern auch nichts einige wenige Sonderfälle oder der Umstand, dass sie wieder früh das Klubbankett an der Französischen Straße verließen, man sich dann auf zwei Clubs verteilte - und der Trainer zwar erst mitging, vor dem Discolärm dann aber rasch kapitulierte. Zurück blieb beim nächtlichen Dinner die geschlauchte Belegschaft, unter die sich Vorstand Karl-Heinz Rummenigge bis zum frühen Morgen mischte. Bis Currywurst gereicht wurde.