bedeckt München 21°

Entwicklung von RasenBallsport Leipzig:Testspiele aus Protest abgesagt

Aus den Mündern der Leipziger Verantwortlichen hört sich das alles ganz prima an, doch selbst in Leipzig hat die Euphorie Grenzen - vor allem bei Anhängern vom FC Sachsen Leipzig oder dem Ligarivalen Lok Leipzig. Mit beiden spielte RB Leipzig anfangs noch in der fünften Liga, den FC Sachsen gibt es nach dem zweiten Insolvenzverfahren der Vereinsgeschichte mittlerweile nicht mehr. Dazu beigetragen hat auch ein Fanprotest der FC-Sachsen-Fans: Sie boykottierten eine beschlossene Nachwuchskooperation mit RB Leipzig und kamen nicht mehr zu den Spielen. "In dem Sog, in dem wir nach oben gehen, hätten diese Vereine auch nach oben gehen können", sagt Bräutigam, "nicht jeder Spieler aus der Nachwuchsakademie wird es in die erste Mannschaft schaffen. Sie werden dann aber immer noch gut ausgebildete Spieler sein, die den anderen Vereinen hätten helfen können."

Ein Mal schütteten Unbekannte Rasenvernichtungsmittel auf den Platz, auch der Mannschaftsbus wurde bei manchen Auswärtsspielen attackiert. Erst im Januar sagte 1860 München ein Testspiel ab, weil die Löwen-Fans gegen den Red-Bull-Klub protestierten. Im Sommer fielen schon Freundschaftsspiele gegen Aue, Ofenbach und Chemnitz nach Fan-Protesten aus. Jedes weitere Jahr Regionalliga sorgt für Spott bei all jenen, die nicht Fans des Vereins sind.

Ist nun dieser RB Leipzig ein Fußballverein, der eben von einem Unternehmen gesponsert wird - oder doch eher ein "Marketingklub", wie es der Wirtschaftswissenschaftler Tobias Kollmann formulierte? Das wird sich wohl erst zeigen, wenn der Klub tatsächlich in die zweite oder erste Liga aufsteigt - und wenn das Nachwuchskonzept wirklich umgesetzt wird.

An diesem Nachmittag jedenfalls führt Leipzig schon in der 64. Minute mit 7:0. In der 74. Minute schafft der TSV Buchbach das 1:7, was mit Ergebniskorrektur nicht wirklich etwas zu tun hat. Bereits vor dem Abpfiff verabschieden sich einige Zuschauer zur Würstchenbude oder zum Parkplatz. Vor dem Containerbau warten Kinder auf die Spieler, die sich mit Unterschriften auf Programmheften und Torwarthandschuhen nicht zieren. Zur Weihnachtsfeier des Fanclubs "Glücksbullen" schauten zwei RB-Spieler vorbei, die sich der Fanklub wünschen konnte, erzählt Grabow. Und Tim Lobinger kam als Überraschungsgast dazu.

Golden schimmert die Red-Bull-Arena, die einst Zentralstadion hieß, zwischen den kahlen Baumwipfeln hervor. Zwischen ihr und dem Trainingszentrum liegen 600 Meter und das Elsterbecken, zwischen RB Leipzig und der Bundesliga drei Aufstiege. Der Gedanke an das volle Stadion lässt Bräutigam nicht los, er guckt, als hätte er schon die Wand der "Roten Bullen" vor Augen. "Von Anfang an dabei gewesen und den Weg zu Ende gegangen zu sein", das sei seine persönliche Version.

Die auffällig vielen schwarzen Audis rollen vom Betreuerparkplatz und schießen den Schotter kreuz und quer in die Luft. Und dann beginnen die Füße zu tauen.

© SZ.de/jüsc

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite