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Entlassung von VfL-Trainer Neururer:Plaudertasche zu haben

Peter Neururer

Nicht mehr Trainer in Bochum: Peter Neururer

(Foto: Ina Fassbender/dpa)

Der VfL Bochum wirft Peter Neururer "vereinsschädigendes Verhalten" vor, der findet das nur: "lächerlich". Nach seiner Entlassung bringt sich der Trainer stattdessen für neue Aufgaben ins Spiel.

Von Ulrich Hartmann, Bochum

Das Ende seines sechzehnten Trainer-Engagements ist für den 59-jährigen Peter Neururer kein Anlass zur Scham. Was er bis zu diesem Dienstag beim Zweitligisten VfL Bochum geleistet habe, sei "höchstens ein Bewerbungsschreiben, denn wir haben Sensationelles geleistet - mehr kann man mit diesem VfL Bochum nicht erreichen", sagte er. Im Verein sieht das mancher ein bisschen anders, und dieser unterschiedliche Blickwinkel auf gewisse Dinge war dann auch ausschlaggebend für Neururers Entlassung "wegen vereinsschädigenden Verhaltens", wie Manager Christian Hochstätter mitteilte.

Man könnte darüber streiten, was nun genau an Neururers Verhalten vereinsschädigend gewesen sein soll: dass er seine Zweitliga-Fußballer über Wochen kaum mehr zu ansehnlichen Leistungen animieren konnte - oder dass er öffentlich äußerte, sein Torwart Andreas Luthe besitze als Kapitän das Recht, dem Aufsichtsratschef fußballerische Inkompetenz vorzuwerfen. Am Ende war es womöglich eine Mischung aus beidem, die den Vorstand des VfL Bochum am Dienstag veranlasste, Neururer zu suspendieren. Assistenztrainer Frank Heinemann wird den Tabellenzehnten in den letzten drei Spielen bis Weihnachten betreuen. Für 2015 gilt Mike Büskens als ein Kandidat auf den Cheftrainerposten.

Nur ein Sieg war den so stark in die Saison gestarteten Bochumer in den vergangenen elf Pflichtspielen gelungen. Nach einem 0:3 in Ingolstadt hatte der Aufsichtsratsboss Hans-Peter Villis den Profis "Mentalität, Leistung und Charakter" abgesprochen. Villis war jahrzehntelang Manager bei Energieunternehmen und ist beim Fußball ein Quereinsteiger. Weil Villis nie beim Training zusehe und sich eine Beurteilung des mannschaftlichen Zustands schon allein deshalb nicht erlauben möge, konterte der VfL-Torwart Luthe die Kritik des Aufsichtsratschefs brüsk: "Wenn man das nicht bewerten kann, sollte man besser den Mund halten."

Während Manager Hochstätter den Torwart für seine Worte rügte, sagte Neururer: "Andreas Luthe ist unser Kapitän und hat das Recht, so etwas zu sagen." Am Dienstag, nach Neururers Entlassung, konstruierte Hochstätter daraus den Entlassungsgrund: "Die wiederholten Äußerungen von Peter Neururer stellen aus unserer Sicht ein vereinsschädigendes Verhalten dar. So hat er Spieler, die sich in unangemessener Form zur Arbeit der Vereinsgremien geäußert haben, in ihrer Meinung bestärkt."

"Ich stehe für alles zur Verfügung", sagt Neururer

Anfangs haben sie in Bochum noch darüber gelacht, dass der VfL seine ersten sechs Saison-Heimspiele allesamt mit einem 1:1 beendete, denn da hatten drei Auswärtssiege noch Hoffnungen auf eine Rückkehr in die Bundesliga geschürt. Doch die Leistungskurve stürzte steil ab. Mittlerweile blicken die Fans des 2010 aus der ersten Liga abgestiegenen Traditionsklubs wieder ängstlich gen Abstiegszone.

Peter Neururer hatte den VfL in zweiter Amtszeit seit dem 8. April 2013 trainiert, und dass er nun seine Sachen packen musste, hat ihn offenkundig selbst überrascht. Er sei "geschockt", sagte er, nachdem er erst kurz vor Beginn des Vormittagstrainings von seiner Freistellung erfahren hatte. Den Vorwurf der Vereinsschädigung nannte er "lächerlich". Trotz seiner zahlreichen Dienstjahre und eines im Jahr 2012 erlittenen Herzinfarkts will Neururer seine Trainerkarriere aber offenbar keineswegs beenden. "Ich gehe gestärkt aus dieser Sache hervor und stehe für alles zur Verfügung", sagte er am Dienstag.

Noch am vergangenen Samstagabend, bei der Weihnachtsfeier des Klubs, schienen sich die Wogen wieder geglättet zu haben, allerdings gab es da offenbar bloß zwischen dem Aufsichtsratsvorsitzenden Villis und dem Torwart Luthe ein klärendes Gespräch. Zwischen dem Trainer Neururer einerseits und den Verantwortlichen Villis und Hochstätter andererseits soll es dagegen schon länger so kühl zugegangen sein, dass ein Ende der Zusammenarbeit zum Vertragsende im Sommer ohnehin vorgesehen war.

© SZ vom 10.12.2014
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