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Entlassung von Roberto Di Matteo:Kaum sportliche Entwicklung

Doch der 44-Jährige erwies sich als der falsche Mann am falschen Ort. In der ersten Halbzeit seines siebenmonatigen Engagements konnte er sich noch gestalterisch profilieren, er brachte der durch Verletzungen stark dezimierten Mannschaft wieder effektives Verteidigen bei und baute im Winter eine neue Spielordnung auf, was zu Beginn der Rückrunde recht gute Ergebnisse brachte.

Ende Februar allerdings endete die als minimalistisch kritisierte, aber tendenziell ertragfähige Entwicklung - das 0:3 bei dem für die Schalker total verkorksten Derby in Dortmund läutete einen Gegentrend ein, der sich in den vergangenen sechs Wochen so radikal wie mysteriös vertiefte - just, als all die Langzeitvermissten wie Farfán, Draxler, Goretzka oder Kolasinac in den Spielbetrieb zurückkehrten.

Zuletzt spielten die Schalker in wechselnden Besetzungen einen so trägen und leidenschaftsfreien Fußball, dass der Verdacht auf Betäubungsmittel-Missbrauch aufkam, und Di Matteo machte sich in den Augen der Anhänger daran schuldig, indem er tatenlos an der Seitenlinie stand. Ein aktives Coaching fand nicht statt. Ein Aufbäumen seiner Leute auch nicht. Seine Äußerungen zu den nunmehr konstant armseligen Auftritten waren ebenso konstant nichtssagend und austauschbar.

Dieser Mangel an erkennbarer emotionaler Anteilnahme ist in Schalke noch unverzeihlicher als anderswo. Der Versuch des Managements, den Spielern durch drastische Maßnahmen Beine zu machen (Rausschmiss des egozentrischen Boateng und des missmutigen Sam sowie die exemplarische Suspendierung von Höger), brachte nichts ein. Eher schadete das Manöver der Autorität des Trainers.

Manager Heldt hat nun das Glück, dass ihm auf der Suche nach Di Matteos Nach- folger ein wenig Zeit bleibt. Er hat aber auch das Pech, dass er bei der Wahl unter strenger Beobachtung steht. Im Klub gibt es Kritiker seiner Arbeit, im zornigen Publikum sowieso. Namhafte Kandidaten drängen sich nicht auf: Ein Trainer, mit dem er früher ausgiebig verhandelt hatte, fängt demnächst beim Nachbarklub an (Thomas Tuchel); ein anderer, der ihm gefällt, hat gerade bis 2019 den Vertrag verlängert (Markus Weinzierl); und befreundete Experten wie Armin Veh (in Urlaub) und Markus Babbel (in Luzern) kommen allein schon deswegen nicht in Frage, weil sie alte Freunde sind.

Marc Wilmots, eine alte Schalke-Legende und aktuell belgischer Nationaltrainer, zeigte sich vor einem Jahr durchaus interessiert an der Rückkehr, nun aber hat er in Belgien eine Mission zu erfüllen: den Gewinn des EM-Titels im nächsten Sommer. Keine leichte Aufgabe also für Heldt. Für seinen eigenen Verbleib in Schalke wäre es aber dringend von Vorteil, wenn er bis zur gewiss bewegten Mitgliederversammlung am 28. Juni eine überzeugende Lösung bieten könnte.