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Entlassung von Luiz Felipe Scolari:Babykopfs Vermächtnis

Die Nachricht von der Entlassung Luiz Felipe Scolaris war nur noch ein formaler Akt. Bei der Heim-WM ist der Seleção und dem ganzen Land zu viel Leid widerfahren. Der Schuldige ist schnell gefunden: Es ist der Bauernsohn, der vor der WM noch der große Hoffnungsträger war.

13 Zeilen. So viel war dem Brasilianischen Fußball-Verband CBF die Trennung ihres Nationaltrainers Luiz Felipe Scolari am Montagabend auf seiner Homepage wert. 13 Zeilen für einen Mann, der die Seleção vor zwölf Jahren zum fünften und bisher letzten Weltmeistertitel in Korea und Japan geführt hat. Hat der 65-jährige 13 dürre Zeilen verdient?

Im Moment überwiegen Frustration, Trauer und Wut, vergessen sind die vergangenen eineinhalb Jahre, in denen Felipão versuchte, den verunsicherten brasilianischen Kickern so etwas wie Halt und Disziplin zu vermitteln, um ihre technischen und taktischen Unzulänglichkeiten mit viel Herzblut und Leidenschaft zu kaschieren. Vielleicht wird es einige Wochen, ja vielleicht auch einige Monate dauern, bis die Menschen in Brasilien, in diesem mystisch so aufgeladenen Land, verstehen, was sie an Luiz Felipe Scolari hatten.

Fußball-Weltmeisterschaft 2014 Scolari räumt das Feld
Brasiliens Fußball-Nationaltrainer

Scolari räumt das Feld

Er wurde 2002 als Weltmeister-Coach gefeiert, bei der WM 2014 wurde nun ihm die Schuld für das katastrophale Aus der brasilianischen Nationalmannschaft zugeschoben. Luiz Felipe Scolari reicht offiziell seinen Rücktritt ein, der Verband akzeptiert.

Es hat auch gute Tage gegeben. Man muss seine Karriere wohl einordnen in eine Zeit vor dem 8. Juli 2014 und danach. Dieser 8. Juli, diese verstörende 1:7-Niederlage gegen die deutsche Nationalmannschaft bei der Heim-WM war so etwas wie eine Zäsur, ein Bruch. Nicht nur in der Karriere von Luiz Felipe Scolari. Im gesamten brasilianischen Fußball. Er selbst hatte nie eine Niederlage vergleichbaren Ausmaßes erlebt. Auch nicht mit Portugal damals bei der EM 2004, als er Griechenland im Endspiel unterlag.

Nach dem Spiel gegen Deutschland war er der Sturkopf, der sich in ein Paralleluniversum geflüchtet hatte, nichts und niemand sollte sein Lebenswerk zerstören, das war die Botschaft. Dafür zog er nach dem Debakel gegen Deutschland sogar einen Statistikzettel hervor. Es war ein öffentlicher Hilfeschrei. In elf Spielen, gab er dann zu bedenken, habe es acht Siege und nur eine Niederlage gegeben. "Das zeigt, wie gut vorbereitet das Team war. Wir hatten ein Spielsystem - alles ist in Ordnung."