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EM-Ticker:Scholl lobt Gomez: "Perfekte Leistung"

TV-Kritiker Scholl gibt den Büßer und lobt Mario Gomez in höchsten Tönen. Ibrahimovic kann gegen England auflaufen, Uefa verhängt Geldstrafe gegen DFB, ukrainischer Trainer verweigert Kommentar zum EM-Boykott französischer Politiker. In einem Schnellverfahren werden 14 Hooligans zu Gefängnisstrafen verurteilt.

Stuermerstars der Favoriten im Brennpunkt - Scholl verhoehnt Gomez

Mehmet Scholl lobt die Leistung von Mario Gomez.

(Foto: dapd)

Deutsche Nationalmannschaft, Scholl: TV-Kritiker Mehmet Scholl hat Mario Gomez nach dessen beiden Treffern zum 2:1-Sieg gegen die Niederlande bei der Fußball-EM in höchsten Tönen gelobt. "Er hat ein wunderbares Spiel gemacht. Es war, nicht nur wegen der zwei Weltklassetore, eine perfekte Leistung", sagte Scholl in der ARD. Der Trainer der Bayern-Reserve attestierte dem deutschen Nationalstürmer im Spiel gegen die Holländer "viel Leidenschaft". Zuvor hatte Scholl dem Doppel-Torschützen bereits via Bild-Zeitung gratuliert. "Ich bin stolz auf Mario. Einsatz und Erfolg haben zusammengepasst", sagte Scholl. Nach dem 1:0-Siegtor von Gomez gegen Portugal im ersten EM-Gruppenspiel hatte Scholl den Stürmer noch heftig attackiert und damit eine Debatte um den Einsatz und die Spielweise des Bayern-Profis ausgelöst. "Ich hatte zwischendrin Angst, dass er sich wund gelegen hat, dass man ihn wenden muss", hatte Scholl am vergangenen Samstag in der ARD gesagt. Gomez gestand nach dem Erfolg gegen die Holländer, dass ihn die tagelange Diskussion durchaus beschäftigt hat. "Es war Druck ohne Ende", bekannte er.

Schweden, Zlatan Ibrahimovic: Der beste Stürmer der Skandinavier wird im zweiten EM-Spiel der Tre Kronor am Freitag gegen England in Kiew (20.45 Uhr/ARD) in jedem Fall spielen können. "Zlatan ist okay", sagte Nationaltrainer Erik Hamren am Donnerstagnachmittag und beseitigte damit die letzten Zweifel. Ibrahimovic, der beim 1:2 zum Auftakt gegen die Ukraine das schwedische Führungstor erzielt hatte und mit Abstand bester Spieler seines Teams war, hatte am Mittwoch das Training wegen Problemen am linken Oberschenkel abbrechen und danach im Hotel behandelt werden müssen. Trotz der Pleite gegen den Gastgeber hat Hamren noch Hoffnung auf das Erreichen des Viertelfinals. "Wir haben jetzt eine ähnliche Situation wie in der Qualifikation, da mussten wir auch die beiden letzten Spiele gegen Finnland und die Niederlande gewinnen, um zur EM zu kommen", sagte er: "Und wir haben es geschafft, wir sind hier. Diese Erfahrung zu haben, ist sehr gut."

Die letzten Tage seien "eine harte Zeit" gewesen, "aber die Fans haben uns in den letzten beiden Tagen sehr viel Energie gegeben." Etwa 18.000 werden am Freitag in Kiew erwartet. Auf die Frage, ob es ein Nachteil sei, dass der englische Teammanager Roy Hodgson, der zwischen 1983 und 1990 in Örebro SK und Malmö FF zwei schwedische Klubs trainierte, den schwedischen Fußball gut kenne, antwortete Hamren gelassen: "Das ist kein Vorteil. Ich kenne den englischen Fußball auch sehr gut."

Uefa, DFB: Die uefa hat eine Geldstrafe von 10.000 Euro gegen den Deutschen Fußball-Bund verhängt. Damit sanktionierte der europäische Verband am Donnerstag das Werfen von Gegenständen durch deutsche Fans beim ersten EM-Spiel der DFB-Auswahl gegen Portugal (1:0) am vergangenen Samstag. Die portugiesischen Spieler waren in der ersten Halbzeit mit Dutzenden von Papierkugeln aus dem deutschen Fanblock beworfen worden. Die Uefa zieht bei der laufenden EM in bislang ungekannter Rigorosität die nationalen Fußballverbände für das Fehlverhalten ihrer Fans zur Verantwortung. Auch der portugiesische Fußballverband FPF muss nach dem Willen der Uefa 5.000 Euro Strafe zahlen, weil die Spieler zu Beginn der zweiten Halbzeit zu spät aufs Feld zurückgekehrt waren.

Ukraine, Oleg Blochin: Oleg Blochin hat jeden Kommentar zum EM-Boykott der französischen Regierung verweigert. "Ich bin auf keinem politischen Treffen, ich bin auf der Pressekonferenz", sagte der Coach vor dem Gruppenspiel gegen Frankreich in Donezk. "Wir sprechen über Fußball, bitte stellen sie keine politischen Fragen." Neben Frankreichs Präsident François Hollande hatte auch das gesamte Kabinett angekündigt, aus Protest gegen Menschenrechtsverletzungen nicht zu den Spielen in der früheren Sowjetrepublik reisen zu wollen. Nach dem 2:1-Auftaktsieg gegen Schweden plagen Blochin zwar kleinere Personalprobleme, "aber nichts wirklich Schlimmes. Niemand hat sich das Bein gebrochen", sagte der 59-Jährige. Er werde erst am Spieltag über seine Startformation entscheiden, das Abschlusstraining bestritten alle 23 Profis des Kaders. Auch im Duell mit Frankreich ruhen die ukrainischen Offensivhoffnungen auf Stürmer Andrej Schewtschenko, der im ersten Spiel beide Tore erzielt hatte. "Er gibt das beste Beispiel in Sachen Professionalität für die Jungen und zeigt, dass man auch in seinem Alter noch sehr gut spielen kann", lobte Blochin.

Polen, Ausschreitungen: In Warschau sind am Donnerstag 14 polnische Hooligans in einem Schnellverfahren zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Das Gericht sprach die Angeklagten wegen "Widerstandes gegen die Staatsgewalt" und die Teilnahme an "illegalen Versammlungen" für schuldig. Am Dienstag war es rund um das EM-Spiel zwischen Polen und Russland zu Ausschreitungen zwischen polnischen und russischen Hooligans mit zahlreichen Verletzten gekommen. Die Verurteilten erhielten unterschiedlich lange Gefängnisstrafen, einige wurden zur Bewährung ausgesprochen, sagte ein Sprecher des Gerichts. Insgesamt nahm die Warschauer Polizei 184 Personen vorübergehend fest, 180 Menschen wurden bei den Zwischenfällen verletzt, darunter auch ein Deutscher. Die Auseinandersetzungen waren nach Provokationen polnischer Hooligans während eines Fanmarsches von etwa 5.000 russischen Anhängern zum Nationalstadion entbrannt. Vor dem Spiel und auch während der Begegnung hatten sich die Auseinandersetzungen ausgeweitet.

Dänemark, Verletzungen: Die dänische Fußball-Nationalmannschaft muss im Gruppenfinale bei der EM am Sonntag in Lwiw gegen Deutschland auf Stammspieler Dennis Rommedahl verzichten. Der 33-Jährige, mit 118 Einsätzen Rekord-Feldspieler der Dänen, hatte am Mittwoch beim 2:3 gegen Portugal eine Muskelverletzung im Oberschenkel erlitten. "Den Wettlauf mit der Zeit wird er nicht gewinnen. Das ist schlecht für die Mannschaft, dass wir seine Qualitäten nicht zur Verfügung haben", sagte Trainer Morten Olsen. Fraglich ist zudem der Einsatz von Niki Zimling, der gegen Portugal mit muskulären Problemen ausgewechselt werden musste. "Er hat noch eine Chance", so Olsen. Auch Zimling ist noch optimistisch. "Ich hoffe, glaube und bete, dass es gehen wird", sagte der 27-Jährige. Am Donnerstag musste dann auch noch Jores Okore nach einem Foul von Michael Silberbauer das Training der Ersatzspieler vorzeitig beenden. Der 19 Jahre alte Innenverteidiger verließ mit schmerzverzerrtem Gesicht den Platz, ehe er mit einer Eispackung am linken Knie behandelt wurde. Über die Schwere der Verletzung wollte der dänische Verband zunächst keine Angaben machen.

Dänemark, Unterhose: Wegen seiner Unterhose droht Dänemarks Stürmerstar Nicklas Bendtner Ärger mit der Europäischen Fußball-Union (Uefa). Der 24 Jahre alte Angreifer hob nach seinem Ausgleichstreffer zum 2:2 beim 2:3 der Dänen bei der EM in Lwiw gegen Portugal am Mittwoch sein Trikot hoch und entblößte dabei einen Werbeschriftzug für eine Wettfirma (Paddy Power) auf dem Bund seiner Unterhose. Laut Wettbewerbsstatuten der Uefa ist Spielern Werbung jedweder Art bei der EM verboten. Der Verband hat Ermittlungen eingeleitet. Bendtner beteuerte, dass er keine Reklame habe machen wollen. "Diese Hose habe ich von einem Kumpel geschenkt bekommen. Sie sollte Glück bringen, aber das hat sie ja nicht", sagte der Doppel-Torschütze angesichts der Niederlage gegen die Portugiesen. Bei der unverhofft ins Rampenlicht geratenen Firma aus Irland löste Bendtner Freudenstürme aus. "Ich freue mich sehr für Nicklas, das war eine fantastische Vorstellung. Ich bin sicher, dass ihm das irische Glück geholfen hat, zwei Mal zu treffen", twitterte Sprecher Ken Robertson.

Krawalle, Polen: Polens Ministerpräsident Donald Tusk und der russische Präsident Wladimir Putin haben am Mittwochabend per Telefon über die Hooligan-Krawalle vom Vortag in Warschau gesprochen. Den Wunsch zu dem Gespräch habe die russische Seite geäußert, teilte die polnische Regierung mit. Am Rande des Marsches tausender russischer Fans war es zu Schlägereien zwischen Krawallmachern beider Seiten gekommen. 180 Personen wurden verletzt, darunter auch ein Deutscher. 184 sind den Behörden zufolge festgenommen worden, 156 davon waren Polen. Im Telefonat betonte der polnische Regierungschef, dass die negativen Vorkommnisse "keinen Einfluss auf die guten polnisch-russischen Beziehungen" haben sollten. Beide Seiten betonten, dass Hooligans verfolgt werden sollten, egal welche Staatsangehörigkeit sie besitzen. Tusk hob der Mitteilung zufolge auch die Arbeit der polnischen Polizei hervor, die von Putins Berater Michail Fedorov ebenfalls gelobt worden sei.

Schweden, Po-Schuss-Strafe: In den Skandal um die Po-Schuss-Strafe in der schwedischen Fußball-Nationalmannschaft hat sich Ministerpräsident Fredrik Reinfeldt eingeschaltet. "Die Spieler tragen eine Verantwortung als Vorbilder. Sie sollten sich dessen bewusst sein und auch dementsprechend handeln", sagte Reinfeldt in der Tageszeitung "Expressen". "Es ist wichtig, vorher darüber nachzudenken, was man tut." In einer Trainingseinheit am Dienstag hatte Ersatztorhüter Johan Wiland beim Ballhochhalten als erster gepatzt. Als Strafe hatte er die Hose runterlassen, auf die Knie gehen und sich von den Mitspielern auf den Allerwertesten schießen lassen müssen. Die Aktion wurde gefilmt und hat in Schweden große Wellen geschlagen. Sogar Menschenrechtsorganisationen hatten sich über diese "Erniedrigung" echauffiert. Schweden hat am vergangenen Montag den EM-Start gegen Gastgeber Ukraine verpatzt (1:2) und trifft am Freitag im zweiten Gruppenspiel auf England (20.45 Uhr). "Das wichtigste für das schwedische Volk ist, dass wir gegen England gewinnen", sagte Reinfeldt, der die Diskussion um die Po-Schuss-Strafe damit beenden möchte.

Deutschland, Schiedsrichter: Der umstrittene spanische Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo, der nach seinen Fehlentscheidungen im Eröffungsspiel zwischen Co-Gastgeber Polen und Griechenland (1:1) heftig kritisiert wurde, pfeift das letzte EM-Vorrundenspiel der deutschen Fußball-Nationalmannschaft am Sonntag in Lwiw gegen Dänemark (20.45 Uhr/ARD). Das gab die Europäische Fußball-Union am Donnerstag bekannt. Der deutsche Schiedsrichter Wolfgang Stark, der nach seiner starken Leistung bei der hochbrisanten Partie zwischen Polen und Russland (1:1) mit Lob überschüttet wurde, wird in den Partien am Samstag und Sonntag nicht zum Einsatz kommen. Weitere Endrunden-Einsätze für den 42-Jährigen sind nach sid-Informationen aber beschlossene Sache.

Stimmen zum DFB-Sieg

"Mario hat noch viel vor"