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EM-Qualifikation gegen DFB-Elf:Rätsel um den Rüpel

Aston Villa vs Manchester City

Co-Trainer mit Rauschebart (mittlerweile abrasiert): Roy Keane.

(Foto: dpa)

Irlands Co-Trainer Roy Keane provoziert seine Heimat mit seiner zweiten Biografie. Über die Partie gegen Deutschland redet plötzlich niemand mehr, obwohl die irische Mannschaft so gut spielt wie selten.

Die Fußball-Nationalmannschaft Irlands hat am Samstag die Mannschaft Gibraltars 7:0 geschlagen. Besonders aufregend war dabei die Leistung des Stürmers Robbie Keane, 34, der binnen zwölf Minuten drei Tore schoss. Nun, da Robbie Keane am Dienstag auf deutsche Verteidiger trifft, überlegen die Iren, ob er wieder treffen wird; sie wünschen es sich. Außerdem überlegt der irische Nationaltrainer Martin O'Neill, ob er gegen Deutschland Männer namens Jon Walters, Stephen Quinn und Glenn Whelan in die Startformnation berufen wird, die zuletzt noch auf der Bank gesessen haben.

Trotz der Tragweite der bevorstehenden Ereignisse für den irischen Fußball waren diese dort zuletzt nur am Rande interessant. Dass in Irland wieder über aktuelles Fußballgeschehen gesprochen wird, liegt weniger am aktuellen irischen Fußballgeschehen, sondern vor allem an einem Mann, der befohlen hat, dass es ausnahmsweise nicht mehr um ihn gehen soll: Roy Keane, Assistenztrainer der irischen Nationalmannschaft. Er sagte dies vor dem Abflug nach Deutschland, als er auf einem Trainingsplatz in Malahide nordöstlich von Dublin im Sonnenschein vor die Mikrofone trat, so schreibt es der Irish Examiner.

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Die Biografie ist geprägt von einer eigenartigen Schizophrenie

Keane, 43, ist natürlich nicht nur der Assistent von Nationaltrainer O'Neill in Irland und beim Premier-League-Klub Aston Villa. Keane ist aufgrund seiner Vergangenheit als Kapitän von Manchester United und der irischen Fußballnationalmannschaft in Irland ein Held. Dieser Held hat in der vergangenen Woche seine zweite Biografie "Die zweite Halbzeit" vorgestellt, es gab dort dann kein anderes Thema mehr. So mancher warf Keane danach vor, sein Ziel erreicht zu haben: Trotz seiner Nebenrolle als Co-Trainer den anderen die Schau stehlen zu wollen; verzweifelt das Gesicht des irischen Fußballs bleiben zu wollen.

Liam Brady, ehemaliger irischer Nationalspieler und jetzt TV-Experte, nannte es "höchst unprofessionell", das Buch ausgerechnet in einer für Irland wichtigen Länderspielwoche vorzustellen. "Es ist Unsinn, dass irgendjemand davon abgelenkt war. Ich glaube nicht, dass es ein Problem war", sagte Keane. Vielleicht war es kein Problem. Aber Brady fragte auch: Was, außer einer großen Selbstinszenierung, war der Wert der Präsentation des Buches am Donnerstag im Dubliner Rugbystadion, zwei Tage vor dem Spiel gegen Gibraltar?

Roy Keane aus Cork im Süden Irlands war schon immer eine Persönlichkeit, die viele Rätsel aufgab.

Seinen Landsleuten ist er ein Idol, weil er seit seiner Jugend als Arbeiterkind auch als Fußballer ein Arbeiter blieb, von herausragender Qualität als Mittelfeldspieler, aber mit ausgeprägtem Hang zum Rüpelhaften. Gerne forderte er früher von seinen Kollegen und als Trainer von seinen Spielern professionelles Verhalten - und fiel selbst mit Eskapaden auf. Auch sein neues Buch, das Keane gemeinsam mit dem Schriftsteller und Drehbuchautor Roddy Doyle verfasst hat, ist von dieser eigenartigen Schizophrenie geprägt.