Teamname für Deutschland :Wie wär’s mit „Siegfried & Leroy“?

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Künstler und Coach: Mittelfeldmann Leroy Sané (links) und Bundestrainer Julian Nagelsmann. (Foto: Christian Charisius/dpa)

Squadra Azzurra, Three Lions oder die „Drachen“: So gut wie alle anderen Teilnehmer der Fußball-EM dürfen tolle Spitznamen tragen. Nur die deutsche Nationalelf hat keinen (mehr). Einige Vorschläge.

Glosse von Christof Kneer, Philipp Selldorf

Immer wenn ein großes Turnier beginnt, muss Deutschland erkennen, dass es einsam und allein dasteht. Alle anderen Teilnehmer dürfen tolle Spitznamen tragen, bloß die Nationalelf des DFB hat keinen. Den einen, den die Deutschen mal hatten, haben sie sich selbst verboten. Die Bezeichnung Die Mannschaft ist zwar im Ausland gebräuchlich und wird fast so zärtlich verwendet wie früher der Kosename „Die Panzer“, im Inland gilt sie aber als das Teufelswerk des PR-Satans Oliver Bierhoff.

So schauen die Deutschen nun wieder neidisch auf die anderen Länder bei der Euro 2024. Auf bekannte Namen wie Squadra Azzurra oder Three Lions oder auf Ehrentitel wie „Halbmond-Sterne“ (Türkei), die „Kreuzritter“ (Georgien), die „Drachen“ (Slowenien) oder „die weißen Adler“ (Serbien). Der in der berüchtigten Amazon-Doku enthüllte Versuch von Hansi Flick, das Team in „Die Graugänse“ umzubenennen, scheiterte übrigens kläglich.

So kann es nicht weitergehen, die Nationalelf braucht endlich eine international taugliche Anrede. Wie wäre es mit der vom Bundestrainer eingeführten Typisierung „Die Jodler, die Rapper und die Worker“? Nein, zu viele Randgruppen – Bayern und Anglizisten. Oder „Die Zauberer“? Nein, zu einschränkend, spricht nur Florian Wirtz und Jamal Musiala an. Vielleicht „Siegfried & Leroy“? Kombiniert germanische Tradition und zeitgenössische Wirklichkeit ... nein, zu politisch.

Die ultimative Idee: „Oldies but Goldies“ im populären rosa Auswärtstrikot

Im Sinne eines aufgeklärten DFB und einer EM, die noch grüner sein soll als Irland und der SV Werder Bremen, bietet sich auch der Slogan „Die nachhaltigen Nagelsmänner“ an. Aber lohnt es sich, den Bus zu bepinseln, wenn sowieso spätestens im Achtelfinale Schluss ist und der Trainer fliegen lernt wie ein weißer Adler? Nein, das ist angesichts des „strukturellen Defizits“, wie der DFB seine Monsterschulden verniedlicht, nicht zu verantworten. Führt aber zu einer Idee, die zur neuen Selbstironie im DFB passt: Auf der einen Seite des Teambusses steht „Die Schuldenbremser“, auf der anderen „Die Pleiteboys“. Oder klingt das zu sehr nach Peter Kraus und Frolleinwunder? Wobei: Frolleinwunder – wäre das nicht ein Top-Schriftzug für den Frauenbus? Nicht? Na gut. 

Aber hier ist jetzt die Idee, die keiner ablehnen kann: Der DFB-Kader ist der älteste im Turnier, er steht damit für die alternde Gesellschaft. Mit Rudi Völler, Andreas Rettig und Manuel Neuer regieren drei über 60-Jährige das Nationalteam. Wie wäre es also mit „Oldies but Goldies“? Oder was unseren grauen Panthern noch besser stünde und außerdem zum populären rosa Auswärtstrikot passt: „Die pinken Panther“? Ja, das ist es!

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