EM in Berlin:Anschwimmen gegen eine neue Blamage

EM in Berlin: Leonie Antonia Beck (li.) und Sarah Köhler: Sollen Gesichter der Zukunft sein

Leonie Antonia Beck (li.) und Sarah Köhler: Sollen Gesichter der Zukunft sein

(Foto: imago sportfotodienst)

Debakel bei Olympia, schlechte Ergebnisse bei der WM: Die deutschen Beckenschwimmer stecken in einer Krise. Dennoch wird bei der Europameisterschaft in Berlin die Halle voll sein. Die Hoffnung auf eine Überraschung lebt.

Von Saskia Aleythe

Eine Ausnahme gibt es schon mal. Klein, aber fröhlich und mit jeder Menge Potential, das auf den ersten Blick erkennbar ist - das ist Drops, das Maskottchen der Schwimm-EM in Berlin. Drops hat die besten Voraussetzungen, zum Publikumsliebling zu werden. An den simplen, aber sympathischen Wassertropfen wird sich die Szene mit hoher Wahrscheinlichkeit erinnern. Aber wird sich die Szene nach der EM auch an einen deutschen Schwimmer erinnern?

Null Medaillen bei Olympia 2012, eine bei der WM in Barcelona im Vorjahr - die deutschen Beckenschwimmer haben die vergangenen Jahre in einer Leistungskrise verbracht. Kommt da eine Europameisterschaft im eigenen Land dann gelegen? Zuhause will sich schließlich niemand blamieren. Doch obwohl es wenige Versprechungen an die Fans gibt, dass es dieses Mal mit deutschen Freudentränen klappt, ist das Interesse an den Wettbewerben groß. Am Montag beginnen die Beckenwettbewerbe, schon jetzt sind die letzten vier Wettkampftage mit gut 5000 Zuschauern im Velodrom ausverkauft.

"So eine sportliche Talsohle geht nicht zwingend damit einher, dass weniger Zuschauer zu den Wettbewerben kommen", erklärt Andreas Ullmann, Sponsoring-Experte des Sportmarketingforschungs-Unternehmens Repucom. Der Reiz beruht auf möglichen Überraschungen. "Dass ein Athlet aus dem Nichts auftaucht, da hoffen viele drauf", sagt Ullmann. Auch die Begeisterung und das Mitfreuen fällt größer aus, wenn ein unerwarteter Erfolg eintritt. "Da kann sich eine richtige Sogwirkung entfalten."

Sich mitreißen lassen im Velodrom von Berlin - nicht die schlechteste Vorstellung für die deutschen Schwimmer. Paul Biedermann ist der, der voran gehen soll. Lebensgefährtin Britta Steffen hat ihre Karriere beendet, nun ruhen die Hoffnungen auf ihm. Vier Medaillen stellt sich Bundestrainer Henning Lambertz "im Idealfall" von ihm vor. Biedermann mag solche Vorstellungen nicht, so etwas habe er sich noch nie vorgenommen, erklärt er. Zweieinhalb Wochen konnte Biedermann zuletzt nicht trainieren, eine Erkrankung machte ihm zu schaffen. In welchen Disziplinen er antritt, wird kurzfristig entschieden.

Dass Biedermann nach seiner Auszeit im Vorjahr wieder schwimmt, ist schon an sich eine Bereicherung für die Veranstaltung in Berlin. "Er hat die Weltelite schon geschlagen und so lange er im Becken ist, werden die Zuschauer auf eine Wiederholung hoffen", sagt Sponsoring-Experte Ullmann. Doch Biedermann ist mittlerweile 28 Jahre alt, ewig kann sich das deutsche Schwimmen nicht mehr mit ihm vermarkten. "Natürlich ist es wichtig, dass da jemand nachkommt und die Menschen begeistert", so Ullmann, "die Zuschauer lieben nichts mehr als junge, unverbrauchte Gesichter, die plötzlich gar nicht wissen, was mit ihnen geschieht. Wenn man dann noch im positiven Sinne Ecken und Kanten hat, an denen sich die Menschen erinnern können, ist das für die Vermarktung des Sports und der Athleten sehr hilfreich."

Franziska van Almsick war so jemand. "Sie war emotional und authentisch, daran konnten sich die Leute festhalten", sagt Ullmann. Dass sie als TV-Expertin in der Halle noch immer dabei ist, davon lebe der Sport heute noch, "die Leute sehen sie gerne und erinnern sich an ihre Erfolge."

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