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EM-Aus gegen Island:Keeper Joe Hart fällt wie ein Dickhäuter

Umso schlimmer für die talentierte und zu Recht sehr hoffnungsvoll in die EM gestartete Mannschaft, dass es nun wieder nicht reichte für einen Erfolg nach der Gruppenphase. Ragnar Sigurðsson (6.) und Kolbeinn Sigþórsson (18.) hatten mit ihren Toren die verdiente Sensation herbeigeführt. Dass Englands Keeper Joe Hart beim 1:2 auch noch mit der Trägheit eines verschlafenen Dickhäuters zu Boden ging, komplettierte das Bild. "Ich entschuldige mich dafür, dass ich unsere Niederlage und das Aus verschuldet habe", erklärte der blonde Lulatsch hinterher.

Wie gelähmt, völlig handlungsunfähig aus Angst vor der drohenden Blamage, waren die Engländer über den Platz gelaufen oder eher: geschlichen. Als das Aus amtlich war, sanken viele Spieler zu Boden, manche drückten ihr Gesicht in den Rasen vor der Tribüne mit ihren Fans, die entweder still trauerten oder leise buhten, ebenfalls kraftlos und ermattet von der Pein. Es waren Bilder für die Ewigkeit, monumentale Szenen des Scheiterns, mit einer ganz eigenen Ästhetik.

"England hat letzte Nacht aufgehört, ein Fußball-Team zu sein und ist nur noch eine Lachnummer", schrieb die Times. Die "ultimative Demütigung" erkannte die Daily Mail. Durch jene Isländer, die im Viertelfinale am Sonntag in Saint-Denis auf Gastgeber Frankreich treffen und ihre wundersame Turnierreise so cool wie bisher fortsetzen wollen.

Die blamierten Engländer werden es daheim verfolgen, vermutlich immer noch fassungslos. Wayne Rooney konnte nur noch klagen: "Es ist beschämend für uns." Doch das war noch eine arg verharmlosende Beschreibung. Die Schmach dürfte für die englischen Nationalspieler vermutlich ungefähr so hochnotpeinlich sein, als müssten sie nun nackt mit der Tube durch London fahren. Bis zum Ende der EM am 10. Juli. Vor den Augen der ganzen Nation. Inklusive Queen.

© SZ.de/jbe/mane
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