Fußball-EM:Kroatien wirft Schottland raus, England ist Gruppensieger

Fußball-EM: Luka Modric (mi.) feiert nach dem Tor des Tages

Luka Modric (mi.) feiert nach dem Tor des Tages

(Foto: AP)

Der WM-Zweite von 2018 schafft es doch noch ins Achtelfinale, Luka Modric gelingt gegen die Schotten ein Zuckertor. England schlendert zum Sieg gegen Tschechien.

Luka Modric hat Vizeweltmeister Kroatien vor der großen EM-Blamage bewahrt. Der Kapitän führte sein Team im Endspiel ums Achtelfinale gegen Schottland zum verdienten 3:1 (1:1)-Sieg und zerstörte mit seinem berühmten Außenrist (62.) alle Träume des Co-Gastgebers auf die historische Premiere in der K.o.-Runde.

In einem unterhaltsamen Alles-oder-nichts-Spiel erzielten Nikola Vlasic (17.) und der starke Ivan Perisic (77.) die weiteren Treffer der Kroaten, die mit vier Punkten das Weiterkommen sicherten. Der Ausgleich von Callum McGregor (42.) reichte nicht für die erneut tapfer kämpfenden Schotten, die am Ende der Gruppenphase nur einen Zähler auf dem Konto haben.

Angepeitscht von der lautstarken Tartan Army auf den Rängen begannen die Gastgeber mit viel Offensivdrang. Besonders Stürmer Che Adams sorgte mehrfach für brenzlige Situationen. Auf der Gegenseite aber bewiesen die von Modric mit viel Übersicht dirigierten Kroaten gleich beim ersten Torschuss gnadenlose Effektivität. Eine Flanke von Josip Juranovic köpfte Perisic ins Zentrum, von dort bedankte sich Vlasic von ZSKA Moskau per Linksschuss für die Berufung in die Startelf.

Der Underdog musste sich nach dem Rückstand sichtlich schütteln, dann einen herben Verlust verkraften. Innenverteidiger Grant Hanley (33.) ging angeschlagen vom Feld, Scott McKenna kam zum EM-Debüt - und sah gleich bei seiner erste Aktion Gelb für ein Foul an Petkovic. Mit dem 32. schottischen Torschuss im Turnier war der Bann endlich gebrochen. Als Kroatiens Abwehr den Ball nicht aus der Gefahrenzone bekam, fasste sich McGregor mittig vor der Strafraumgrenze ein Herz und schoss flach in die linke Ecke - die Heimfans schöpften nach dem ersten EM-Treffer seit 25 Jahren wieder Hoffnung. Seit der Endrunde 1996 in England hatten die Schotten auf ihr EM-Comeback gewartet.

Auch nach dem Seitenwechsel blieb es zunächst beim offenen Schlagabtausch. Kroatien blieb geduldig, suchte im Spielaufbau immer wieder Modric. Der 35-Jährige lief in seinem 140. Länderspiel endlich zur gewohnten Form auf - und lieferte mit seinem sehenswerten Schuss aus 16 Metern. Auch das 3:1 bereitete Modric per Eckball vor, Perisic köpfte aus kurzer Distanz ein.

England sichert sich weiteres Heimspiel

England hat der Corona-Unruhe getrotzt und ist zumindest eine Halbzeit lang seiner Rolle als EM-Mitfavorit gerecht geworden. Die Mannschaft von Teammanager Gareth Southgate besiegte Tschechien dank ihrer besten Turnierleistung mit 1:0 (1:0), sicherte sich dadurch noch den Sieg in Gruppe D und ein weiteres Heimspiel. Am kommenden Dienstag geht es erneut im Wembley-Stadion im Achtelfinale gegen den Zweiten der Gruppe F - nach derzeitigem Stand wäre das die deutsche Mannschaft.

Raheem Sterling schoss das goldene Tor (12.) und sorgte für anhaltende Freudengesänge beim zuletzt unzufriedenen Anhang. Es war der zweite Turniertreffer des Außenstürmers von Manchester City - und der zweite der weiterhin gegentorlosen Three Lions, die ihren Ruf als Minimalisten festigten. Bei den Tschechen agierte der Leverkusener Angreifer Patrik Schick, der gegen Schottland und Kroatien alle drei Tore für sein Land erzielt hatte, diesmal unauffällig. Die Tschechen (vier Punkte) hatten wie die Engländer (sieben) den Einzug in die Runde der besten 16 bereits vor dem Anpfiff sicher.

Die zuletzt unzufriedenen Fans hatten nach 108 Sekunden schon den Torschrei auf den Lippen, doch Sterlings sehenswerter Lupfer über Tschechiens Keeper Tomas Vaclik hinweg tropfte vom Pfosten zurück ins Feld. Es war bereits der dritte Aluminiumtreffer der Three Lions im Turnierverlauf. Zehn Minuten später schlug der anstelle von Mount aufgebotene Jack Grealish eine butterweiche Flanke auf Sterling. Der City-Star, in der Nähe des Wembley-Stadions aufgewachsen, köpfte locker ein.

Vor den Augen von Prinz William, der auch Verbandspräsident ist, drängte England weiter auf das zweite Tor. In der 26. Minute verschaffte sich der bislang glücklose Goalgetter Harry Kane eine gute Schussposition, Vaclik fischte den Schuss des Kapitäns aber aus der langen Ecke. Tschechien setzte vor 22 500 Zuschauern - im Endspiel am 11. Juli an gleicher Stelle sollen es mehr als 60 000 sein - aber immer wieder Nadelstiche. Wie kurz nach der Kane-Chance, als Tomas Holes den englischen Schlussmann Jordan Pickford mit einem brachialen Weitschuss prüfte. In der 35. Minute strich ein Schuss von Tomas Soucek, der sein Geld bei West Ham United in der Premier League verdient, nur knapp am Tor vorbei.

Nach der ereignisreichen ersten Hälfte verlor das Spiel etwas an Tempo. In der 68. Minute wurde Sanchos Vereinskollege Jude Bellingham eingewechselt. 14 Minuten später folgte Sancho.

© SZ.de/sid/dpa/ska
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