Transfer von Jadon Sancho zu ManUnited:85 Millionen fürs Dortmunder Konto

Football - 2021 UEFA European Championships - Finals - Group D - Czech Republic vs England - Wembley Stadium Jadon Sanch

"Wir freuen uns nicht über das Geld, sondern sind traurig, dass er weg ist": Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke über Sancho (re.), der gerade noch bei der EM spielt

(Foto: Colorsport/imago)

Zweitteuerster britischer Fußballer der Geschichte, drittteuerster Zugang der Premier League: Jadon Sancho steht kurz vor einem Wechsel vom BVB zu Manchester United - von dem Coup profitieren noch andere Klubs.

Von Sven Haist, London

Eine der längsten und kompliziertesten Transfersagas der vergangenen Jahre geht zu Ende. Langwierig ist die Geschichte um Jadon Sancho, 21, schon deshalb, weil Manchester United sehr frühzeitig sein Interesse an einer Verpflichtung des hochbegabten Außenstürmers bekundet hatte. Im Grunde will der Klub den englischen Nationalspieler schon seit 2017 holen, doch damals war Sancho für nur rund sieben Millionen Euro aus der Jugendakademie des Stadtrivalen ManCity zu Borussia Dortmund gewechselt. Jetzt aber klappt offenbar die Heimholung auf die Insel, obwohl letzte Details auch am Donnerstag noch zu klären waren.

Der englische Rekordmeister betrachtet Sancho, einen der vielen verheißungsvollen Jungfußballer des Landes, als Zukunftsprojekt. Und diese Zukunft soll jetzt beginnen, nachdem United Sancho bereits im Vorsommer für damals kolportierte 120 Millionen Euro beinahe aus seinem BVB-Vertrag bis 2023 herausgekauft hatte. Bis über den Saisonbeginn hinaus versuchten die Engländer im Sommer 2020, die Ablöse zu drücken - sie schätzten jedoch die Standhaftigkeit der Dortmunder falsch ein.

Jetzt allerdings, wohl auch aufgrund des langsam nahenden Vertragsendes, verständigten sich beide Klubs auf eine "fixe Transferentschädigung in Höhe von 85,0 Millionen Euro", wie der börsennotierte BVB am Donnerstag per Ad-hoc-Mitteilung bekanntgab - wobei Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke betonte: "Es ist eine grundsätzliche Einigung, aber noch kein Vollzug. Eine Menge formaler Dinge müssen noch geklärt werden." Watzke klang aber schon sehr endgültig, als er zum sich abzeichnenden Wechsel sagte: "Wir freuen uns nicht über das Geld, sondern sind traurig, dass Jadon weg ist." Bei der Höhe der Ablöse, die durch mögliche Bonuszahlungen angeblich auf mehr als 90 Millionen Euro steigen könnte, blieben die Dortmunder dem Vernehmen nach recht hartnäckig. Auch der Versuch von United, die Zahlung auf bis zu fünf Jahre strecken zu wollen, stieß bei den BVB-Verantwortlichen nicht auf Wohlwollen.

United hat jetzt die größten vier Transfers in der heimischen Liga gestemmt

Bisher waren die meisten Meldungen zum bevorstehenden Deal mit Vorsicht zu genießen, da allerhand Falschaussagen und Halbwahrheiten in der Öffentlichkeit kursierten. Durch die hohe Ablösesumme steigt Sancho nach Uniteds Abwehrchef Harry Maguire (87 Millionen) zum mindestens zweitteuersten britischen Spieler der Historie auf - und zum insgesamt drittteuersten Zugang in der Premier League, alle gekauft von United. Die bisher höchste Ablöse gab es für den französischen Weltmeister Paul Pogba (105 Millionen).

Als umsatzstärkster Verein Großbritanniens, der sich im Besitz der US-amerikanischen Investorenfamilie Glazer befindet, hat United damit jetzt sogar die größten vier Transfers in der heimischen Liga gestemmt. Der Sancho-Coup ist Teil der Strategie des Klubs, seine weltweite Attraktivität zu erhalten und auszubauen.

Für den BVB ist es in finanziell schwierigen Corona-Zeiten die bislang zweithöchste Einnahme für einen Spieler, nur der deutlich mehr als 100 Millionen Euro teure Ousmane Dembele brachte bei seinem Transfer zum FC Barcelona 2017 noch mehr Geld ein. Ein weiterer Profiteur des spektakulären Sancho-Geschäfts ist Meister City, der sich seinerzeit in den Verhandlungen mit dem BVB eine 15-prozentige finanzielle Beteiligung an der Weiterverkaufssumme gesichert hatte. Der Betrag beläuft sich also auf rund 12 Millionen Euro. Obendrauf soll City noch eine knapp zwei Millionen hohe Entschädigung für die Sancho-Ausbildung erhalten, die wiederum Erzrivale United entrichten muss.

Bei der EM hat Sancho erst sechs Minuten Einsatzzeit bekommen

Auch Premier-League-Aufsteiger FC Watford kann demnach mit zweieinhalb Millionen Einnahmen planen. Dort absolvierte Sancho bis zum Alter von 15 Jahren seine ersten Schritte zum Profi. Bei United wird Sancho einen Fünfjahresvertrag mit dem geschätzten Wochengehalt einer Viertelmillion Pfund unterschreiben. Aktuell weilt Sancho mit dem Nationalteam bei der EM, auf dem Weg ins Viertelfinale kam er allerdings erst sechs Minuten zum Einsatz.

Der neue Dortmunder Trainer Marco Rose, der just am Donnerstag seine erste Pressekonferenz beim BVB gab, bedauerte den Verlust des Spielers, er war aber auf die Personalie vorbereitet: "Jeder Trainer hat gerne einen Spieler wie Jadon im Team. Wir haben uns natürlich damit beschäftigt, wie wir die Qualität ersetzen können. Wir werden keinen Jadon Sancho bekommen, aber wir werden versuchen, kreative Lösungen zu finden", sagte Rose.

Nach beeindruckenden 50 Toren und 64 Vorlagen in 137 Pflichtspielen für Dortmund plant ihn Uniteds Trainer Ole Gunnar Solskjaer ebenfalls vorwiegend auf dem rechten Flügel ein. Mit den ähnlich dynamischen und geschmeidigen Offensivleuten Marcus Rashford, Anthony Martial und Mason Greenwood stellt Manchester United künftig eine der gefürchtetsten Angriffsreihen in Europa - auf die der Klub Jahre gewartet hat.

© SZ/bek/and/lib
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