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Amateurfußball:Pionierin in Fußballschuhen

Ellen Fokkema

Als erste Frau in einer Männermannschaft im niederländischen Amateurfußball: Ellen Fokkema.

(Foto: BSR Agency/Getty Images)

Die Niederländerin Ellen Fokkema spielt schon ihr Leben lang mit Jungs in einem Team, nun darf sie auch mit 19 Jahren bei den Männern im Amateurfußball auflaufen. Es ist ein Pilotprojekt für Genderneutralität.

Von Anna Dreher

Sie selbst dürfe Interviews leider nicht annehmen, schreibt Ellen Fokkema entschuldigend, und bittet, sich doch an den niederländischen Fußballverband KNVB zu wenden. Fokkema ist 19 Jahre alt und spielt Fußball für den VV Foarut. Die erste Männermannschaft des Vereins aus dem kleinen friesischen Dorf Menaam im Norden der Niederlande tritt in der vierten Amateurklasse an. Presseanfragen sind da eher selten, und wenn es welche gibt, dann können die Klubs sie meist selbst ganz gut bewältigen und müssen sie nicht über den nationalen Verband abwickeln lassen.

Aber seit diesem Dienstag ist der VV Foarut weit über die Landesgrenze bekannt. Und Fokkema ist nicht mehr einfach eine junge Fußballerin. Sie ist jetzt Pionierin und Teil eines Modellversuchs des KNVB. Fokkema wird von der nächsten Saison an in den Niederlanden als erste Frau in einer ersten Männermannschaft im Amateurfußball spielen.

"Vom KNVB wurde mir immer gesagt, so lange wie möglich mit den Jungs weiterzuspielen, also warum sollte es nicht möglich sein?", wird Ellen Fokkema in der Pressemitteilung des Verbandes zitiert. "Es ist eine ziemliche Herausforderung, aber das reizt mich nur umso mehr. Ich wage es nicht, zu sagen, wie es weitergehen wird - aber ich bin trotzdem sehr froh, dass ich an diesem Pilotprojekt teilnehmen kann."

Das Angebot des SC Heerenveen lehnte Fokkema wegen ihrer Berufsausbildung ab

Gemischte Fußballteams von Mädchen und Jungen gibt es in den Niederlanden seit 1986 und in den Jugendklassen bis zu 19 Jahren, ähnlich wie in Deutschland, wo bis zu den B-Junioren zusammengespielt werden darf. Dann müssen sich die Mädchen entscheiden. In den Niederlanden können Fußballerinnen entweder zu einem Frauenteam wechseln oder zu einer Reservemannschaft unterhalb der vierten Männerliga, der Seniorenkategorie B. Darauf hatte Fokkema keine Lust, schließlich spielt sie seit ihrem fünften Lebensjahr im gleichen Team mit Jungs, ohne Probleme. Und weil das auch ihr Verein so sieht, bat sie mit dem VV Foarut mehrmals um eine Ausnahmegenehmigung. Der KNVB lehnte das stets mit der Begründung ab, das sei in den Regularien nicht vorgesehen. Nun ist ein Pilotprojekt zu Genderneutralität daraus geworden.

"Jedes Jahr erhalten wir Anfragen von Frauen, die mit Männern im Amateurfußball der Kategorie A spielen wollen", sagt Art Langeler, beim KNVB für die Entwicklung zuständig. Der niederländische Fußballverband setze sich für Diversität und Gleichberechtigung ein, darüber hinaus sei "dieser Fall eine schöne sportliche Herausforderung, die wir nicht blockieren wollen. Deshalb starten wir diesen Piloten". In enger Absprache mit dem VV Foarut, sagt Langeler, werde während der vorerst für eine Saison geltenden Erlaubnis geprüft, ob Fokkemas Beispiel Anlass zu einer Anpassung des Regelwerks gibt, um künftig auch in der A-Kategorie des Amateurfußballs gemischte Mannschaften zu ermöglichen.

"Es ist fantastisch, dass ich weiterhin in dieser Mannschaft spielen kann", sagt Fokkema: "Meine Teamkollegen haben begeistert reagiert, dass ich bleiben darf." Dass Fokkema talentiert ist, war dem Verband ohnehin nicht erst im Rahmen ihrer Anfragen aufgefallen. Sie hatte es bereits in diverse nationale Jugendauswahlen der Frauen geschafft und ein Angebot des SC Heerenveen für die Eredivisie erhalten. In die höchste Liga der Frauen aber wollte sie nicht wechseln, die Strecke war ihr neben ihrer Berufsausbildung zur Krankenschwester zu lang zum Pendeln. Ellen Fokkema versucht nun lieber, einen neuen Weg zu beschreiten.

© SZ vom 07.08.2020/ska
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