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Elfmeterschießen:Ein Mann und sein Drama

Erst 1970 erfand Schiedsrichter Karl Wald das Elfmeterschießen.

Im Elfmeterschießen werden Helden und Versager geboren. Erfunden hat diese dramatische Spielentscheidung ein Schiedsrichter aus dem oberbayerischen Penzberg.

Der inzwischen 90 Jahre alte Karl Wald ist noch immer stolz auf seine Idee, die 1970 die Fußball-Welt veränderte: "Nur so kann es doch einen einwandfreien sportlichen Sieger geben."

Mehr als 1000 Spiele geleitet

Bis zu seinem Regelvorschlag waren Partien, die nach Verlängerung remis endeten, zumeist per Los oder Münzwurf entschieden worden. "So etwas war doch kein Sieg, das war einfach nichts."

Doch die Idee des Referees, der 1936 seine Schiedsrichter-Lizenz erworben hatte und in 40 Jahren mehr als 1000 Spiele leitete, stieß zunächst auf Widerstand.

Die Führung des Bayerischen Fußballverbands wollte seinen akribisch ausgearbeiteten Vorschlag mit den noch heute gültigen Regeln beim Verbandstag 1970 in München blockieren. Erst als sich die Delegierten für Walds Neuerung aussprachen, lenkte die Chefetage ein.

Der Rest ist Geschichte: Als erstes großes Turnier wurde die EM 1976 durch einen Elfmeter-Krimi entschieden. Uli Hoeneß schoss in den Nachthimmel von Belgrad, die CSSR wurde Europameister.

Selten im Rampenlicht

Das erste Elfmeter-Drama bei einer WM dagegen gewann die deutsche Nationalelf, 1982 in Spanien beim Halbfinal-Sieg gegen Frankreich. 1994 in den USA wurde zum bislang einzigen Mal ein WM-Finale so entschieden: Brasilien setzte sich gegen Italien durch.

Der Erfinder des Duells stand dagegen selten im Rampenlicht. Karl Wald, der im Zweiten Weltkrieg im Pariser Prinzenpark Militär-Fußballspiele pfiff, leitete vor Gründung der Bundesliga zahlreiche Partien in der Oberliga Süd. "1860 München gegen Fürth vor 45.000 Zuschauern", erzählt der Rentner.

Seine Idee hat sich trotz immer wiederkehrender Kritik durchgesetzt. "Das ist, als würde ein großer Krieg nicht mit einem geistigen Kräftemessen am Konferenztisch beendet werden, sondern mit einer Partie russischen Roulettes zwischen ausgewählten Gefreiten", klagte Schauspieler Peter Ustinov einst.

"Ich hatte immer das Gefühl, dass ich Recht hatte", hält Wald dagegen und argumentiert mit dem Champions-League-Sieg des FC Bayern 2001 nach Elfmeterschießen gegen den FC Valencia. "Man stelle sich vor, der Schiedsrichter hätte stattdessen eine Münze geworfen."

© dpa
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