Elf des Spieltags:Müller foppt sie alle

Der Bayern-Stürmer guckt beim Elfmeter seinen Hannoveraner DFB-Kollegen aus, Berlins Torwart erlebt einen Christoph-Kramer-Moment und Kölns Stürmer Ujah krallt sich beim Torjubel den Geißbock Hennes. Die Elf des Spieltags.

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Anthony Ujah

08 03 2015 xjhx Fussball 1 Bundesliga 1 FC Koeln Eintracht Frankfurt v l Anthony Ujah 1 FC

Quelle: imago/Jan Huebner

Wer etwas über den Menschen Anthony Ujah wissen will, erfährt bei Wikipedia folgendes: "Seit 2013 engagiert sich der gläubige Christ beim Show Racism the Red Card-Deutschland e.V." Ein Fußballer, der sich für eine bessere Gesellschaft ins Zeug legt, das ist natürlich vorbildlich. Wie es aber um die Tierliebe von Kölns Stürmer bestellt ist, darüber könnten nun Debatten aufkommen. Als der Nigerianer gegen Frankfurt das 4:1 erzielt hatte, packte er beim Torjubel den herumstehenden Geißbock Hennes rabiat an den Hörnern. Ujah und der verdutzte Hennes, das sah wenig aus wie hoppe, hoppe, Reiter - nur hatte der Vierbeiner offenbar keinen Bock auf das Tänzchen. Wenigstens drehte Ujah keine Ehrenrunde auf ihm.

Wobei: Lustig wäre das schon gewesen.

(jbe)

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Thomas Kraft

VfB Stuttgart - Hertha BSC

Quelle: dpa

Sonntag war Erholung angesagt für den ausgeknockten Thomas Kraft. Die hatte der Berliner Torwart dringend nötig. "Zwei, drei Tage Pause", verordnete ihm die medizinische Abteilung, "dann sehen wir weiter", meinte Teamarzt Ulrich Schleicher. Nach dem Freitagsspiel der Hertha in Stuttgart hatte er bei seinem Patienten eine leichte Gehirnerschütterung ermittelt. Kraft stand neben sich, nachdem er bei einer Abwehraktion gegen Daniel Ginczek einen Schlag ins Gesicht bekommen hatte. Er war verwirrt und wusste nicht, wie ihm geschah. "Wo sind wir hier?", fragte der Berliner seinen Mitspieler Sebastian Langkamp - es waren Szenen, die an Christoph Kramer im WM-Finale erinnerten. Vielleicht war es auch einfach zuviel Aufregung für Kraft. Denn zuvor hatte er sich bereits ein kerniges Schubsduell mit Christian Gentner geliefert. Dass der Schlussmann nun bis Mittwoch frei bekommen hat, ist sicher keine schlechte Idee.

(jbe)

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Franco Di Santo

Sport-Club Freiburg v SV Werder Bremen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Es gibt Tore, die sind so schön, dass sie einen Platz im Museum verdient hätten. Am liebsten würde man sie einrahmen, liebkosen und mit ihnen kuscheln. Franco Di Santo gelang an diesem Spieltag in Freiburg so ein Wunderwerk. Der Werder-Stürmer zog vom Flügel nach innen und lederte den Ball so präzise ins Eck, dass er dafür umgehend einen Sonderpreis für fußballerische Schönheit bekommen sollte. Freiburgs Verteidiger Oliver Sorg blieb nur noch volle Anerkennung: "Das war ein Kunstschuss von Di Santo, der nur schwer zu verteidigen ist. Wenn mir jemand sagt, wie wir so ein Tor verhindern sollen, dann machen wir das das nächste Mal."

(jbe)

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Daniel Baier

-

Quelle: AP

In Augsburg tat sich an diesem Wochenende Erstaunliches. Das 1:0 gegen Wolfsburg scheint den Klub so beflügelt zu haben, dass erstmals in dieser Saison ganz neue Ziele formuliert werden. "Die Jungs wollen nach Europa - und wir auch", sagte Trainer Markus Weinzierl. So offen hatte es zuvor noch niemand ausgesprochen. Dass die Mannschaft es ernst meint, ist auf dem Platz kaum zu übersehen. Augsburg arbeitet, Augsburg rennt und der Humor kommt auch nicht zu kurz. "Wir haben jetzt erstmal unsere Megakrise beendet," meinte Mittelfeldspieler Daniel Baier. Ein feiner Witz. Vor dem Sieg gegen Wolfsburg hatten die Augsburger nämlich ganze vier Spiele auf einen Erfolg gewartet. Eine echte Megakrise ist bis auf weiteres nun wirklich nicht in Sicht.

(jbe)

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Jürgen Klopp

Hamburger SV - Borussia Dortmund

Quelle: dpa

Zusammenfassend lässt sich über Jürgen Klopps vergangene Woche sagen: Er hatte schon glücklichere. Erst erstaunte er die Öffentlichkeit mit bedenklichen Thesen zum Thema Doping im Fußball, dann musste er sich für einen Spruch in Richtung des TV-Kommentators Marcel Reif entschuldigen (..."der findet auch gar nichts mehr witzig") und schließlich erkannte der BVB-Trainer nach dem 0:0 in Hamburg: "Ich bin ein Idiot, das weiß ich schon lange." Dieser Spruch war vermutlich nicht ernst gemeint, aber er passte irgendwie zu Klopps Stimmungslage. Das Spiel beim HSV verlief so zäh, dass der BVB-Coach in Nörgellaune geriet, zudem regte er sich über einen ungeahndeten Ellenbogen-Check von HSV-Profi Valon Behrami auf. "Das war rote Karte, fertig. Er hat Mkhitaryan ins Gesicht geschlagen", fauchte Klopp. Wie gut, dass bald der Frühling kommt.

(jbe)

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Max Meyer

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Quelle: AFP

Max Meyer misst gerade einmal 1,73 Meter, aber das war bei Schalkes 3:1 gegen Hoffenheim egal. Der kleinste Königsblaue hatte einen Riesentag erwischt. Zweimal startete er im richtigen Moment in die Gefahrenzone, zweimal sausten ihm häppchengerechte Zuspiele von Eric-Maxim Choupo-Moting genau in den Fuß. Es war die passende Antwort des jungen Mittelfeldspielers, denn vor einer Woche musste er gegen den BVB von der Bank aus zuschauen. Diesmal ließ Trainer Di Matteo den 19-Jährigen von Beginn an ran - das lohnte sich: Mit seinen Dribblings, schnellen Drehungen auf engstem Raum, seinen Sprints und seiner Übersicht bereicherte Meyer das Schalker Spiel. "Ich bin noch ein junger Spieler. In dieser Saison ist es schwieriger für mich, weil sich die Gegner besser auf mich eingestellt haben. Da muss man im Kopf schneller werden", meinte Meyer. Klar, die alte Regel: Wer klein ist, muss sich eben anders helfen.

(jbe)

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Heiko Westermann

Hamburger SV v Borussia Dortmund - Bundesliga

Quelle: Oliver Hardt/Bongarts/Getty Images

Marktlücken müssen entdeckt werden, Heiko Westermann hat das wunderbar erkannt. Wären die Bundesliga-Mikrofone der Republik Lebewesen, sie wären längst vor Langeweile gestorben, bei all dem drögen "Wir denken von Spiel zu Spiel" und "Wir konzentrieren uns auf unser Spiel", das da Spieltag für Spieltag ins Gerät geplätschert wird. Westermann sorgte nun für ein Erweckungserlebnis, nach dem 0:0 gegen Borussia Dortmund wütete er ungebremst: "Die Idioten, die meinen, den Fußball erfunden zu haben, können mich mal", sagte er, "ich war die letzten fünf Jahre hier und habe meinen Arsch hingehalten. Wenn jemand etwas anderes denkt, dann soll er zu mir kommen. Ich lasse mir nicht meinen Namen kaputtmachen." Deutliche Worte, die die Mikrofone der Republik wieder zu Fußballfans gemacht haben.

(ska)

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Thomas Müller

Bayern Munich's Mueller scores penalty against Hannover 96's goalie Zieler during Bundesliga soccer match in Hanover

Quelle: REUTERS

Der Nationalspieler hatte einen guten Tag beim 3:1 in Hannover. Zwei Tore, da kann man schon mal in Plauderlaune geraten. Müller redete über dieses und jenes Thema, foppte Reporter; irgendwann kam er beim Elfmeter an, den er zum 2:1 verwandelt hatte. "Wir schießen im Training bei der Nationalelf ab und zu ein paar Elfmeter, von daher kennt Ron-Robert Zieler mich ein bisschen", sagte Müller, um anzufügen: "Aber scheinbar nicht gut genug." Sein Schuss rauschte ins Netz, wie auch sein Kopfball wenige Minuten später. Was wohl auch zu Müllers Laune beitrug: Matchwinner war er für seine Bayern lange nicht mehr gewesen. (ebc)

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Dante

Hannover 96 - FC Bayern München

Quelle: dpa

Dante kann stolz sein. Zwar nicht auf seinen Auftritt in Hannover, wo er beim 1:0 durch Hiroshi Kiyotake zu behäbig agierte und nach 32 Minuten ausgewechselt wurde, wohl aber auf seinen Sportdirektor. Matthias Sammer verteidigte ihn heftig und auch das ist etwas, was man erstmal erreichen muss. "Wir werden die Kritik an ihm nicht zulassen", sagte Sammer und es klang, als hätte sich so manche Allmachtsphantasie in seine Gedankenwelt gefressen. Kritik gibt es natürlich trotzdem an der nachlassenden Leistungsfähigkeit des Brasilianers und es scheint, als würde Dantes Zeit beim FC Bayern langsam ablaufen. Leise rieselt die Sanduhr. Ob Dante sie noch umdrehen kann? (ska)

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Dirk Dufner

SC Freiburg trennt sich offenbar von Sportdirektor Dufner

Quelle: dpa

Es gibt so viele Baustellen bei Hannover 96, da weiß man gar nicht, wo anzufangen. Dachte sich wohl auch Dirk Dufner, der Manager - und lenkte das Augenmerk schnell auf den Schiedsrichter. Der Pfiff zum Freistoß, der zum 1:1 führte, sei eine Fehlentscheidung gewesen. Und der Elfmeter - für Dufner ein Witz. "Wenn man schon in der Situation ist, die Bayern zu ärgern, sollte der Schiedsrichter nicht pro Bayern pfeifen", so seine Logik. Sein Team sei zweimal "klar benachteiligt" worden: "Wir werden um die Früchte unserer Arbeit gebracht. Der Schiedsrichter hat klare Fehler gemacht, das muss man auch mal sagen dürfen." Darf er, natürlich. Aber jetzt bitte wieder den eigenen Problemchen zuwenden. (ebc)

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Martin Kind

Martin Kind

Quelle: dpa

Die Rufe waren laut und deutlich. Es waren mehr als vor einigen Wochen, als nur 30 bis 50 Ultrafans die Stimmung im Stadion gegen den Präsidenten aufzubringen versuchten. Viele Zuschauer stimmten diesmal mit ein, es dürften an die Tausend gewesen sein. "Kind muss weg" hallte es vor dem Anpfiff durch die Arena, "Kind muss weg" auch während des Spiels. Selbst die Bayern-Fans hoch oben in ihrem Block übernahmen die Parole. Der offene Brief, den sich Kind in dieser Woche ausgedacht hatte, um die Stimmung unter den eigenen Fans zu drehen - und um nebenbei die Ultras erneut auszuschließen, hatte seine Wirkung verfehlt. Die Stimmung wendet sich gegen ihn - Kind konnte es aus Tausend Kehlen hören. (ebc)

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