Elf des Bundesliga-Spieltags:Schürrle spielt die ersten Millionen ein

Ist André Schürrle 32 Millionen Euro wert? In seinem ersten Spiel für Wolfsburg gibt er die Antwort. David Alaba beweist, dass er fast alles kann - und Huub Stevens verordnet Catenaccio aus der Mottenkiste. Die Elf des 20. Spieltags.

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Loris Karius

1. FSV Mainz 05 v Hertha BSC - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Falls es noch nicht alle mitbekommen haben: In Mainz reift gerade ein richtig guter Torwart heran. Loris Karius hat es mit seinen 21 Jahren zu einer steilen Bundesliga-Karriere gebracht. 2011 war er als junger Bursche aus dem Nachwuchs von Manchester City zum FSV gekommen, seit Mitte der vergangenen Saison ist er dort die Nummer eins. Der U21-Nationalkeeper hat sich zuletzt viel Lob verdient - an diesem Spieltag lernte er auch die andere Seite des Torhüterlebens kennen. Bei einer Rückgabe seines Kollegen Gonzalo Jara versprang ihm der Ball ziemlich ungünstig - nämlich genau vor die Füße von Herthas Valentin Stocker. Der Schweizer stand völlig allein, ehe Karius ihn einfach umsenste. "Ich bekomme den Rückpass und will flach weiterspielen, da ist keiner, und ich bin überrascht, dass der Herthaner so schnell bei mir ist", kommentierte der Mainzer die Szene. Es gab die viel diskutierte Dreifach-Strafe: Rot und Elfmeter, eine Sperre folgt noch.

(jbe)

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André Schürrle

VfL Wolfsburg v 1899 Hoffenheim - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Am Samstagabend im Sportstudio sah man André Schürrle noch einmal in die Mikrofone sprechen. Er sagte, dass er die Bundesliga vermisst habe, dass er auch von London aus mehr deutsche als englische Spiele verfolgt habe. Und, dass er froh sei, wieder in Deutschland, "in meiner Heimat", zu spielen. Und was für einen Auftakt er gerade hingelegt hatte, nach seinem Wechsel aus Chelsea nach Wolfsburg! Keine drei Minuten waren gegen Hoffenheim gespielt, da bereitete Schürrle schon das 1:0 durch Bas Dost vor. Etwas später knallte er noch den Ball an die Latte, und Kevin De Bruyne verwandelte die Vorarbeit zum 2:0. Schürrle feierte ein furioses Debüt, Wolfsburg gewann 3:0. Ein paar der 32 Millionen Euro, die er an Ablöse gekostet hatte, schienen sich schon gelohnt zu haben.

(fued)

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Daniel Baier

1899 Hoffenheim v FC Augsburg - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Wütend drosch Daniel Baier den Ball nach dem Schlusspfiff gegen eine Werbebande, enttäuscht trotteten er und seine Augsburger vom Rasen. Das 2:2 gegen Frankfurt kam den Schwaben vor wie eine Niederlage. Sie hatten 2:0 geführt und ein weiteres Mal sehr überzeugend agiert - aber leider nur für 45 Minuten. In der Nachspielzeit der ersten Hälfte kassierten sie das 1:2, später traf Alex Meier noch zum Ausgleich. Baiers Ärger bezog sich auf eine Szene vor dem Anschlusstreffer. Schiedsrichter Knut Kircher hatte den Frankfurtern einen Freistoß zugesprochen - eine zumindest umstrittene Entscheidung. Danach haderten auch die Zuschauer mit dem Referee anstatt ihr Team weiter zu unterstützen. Baiers Ärger war verständlich - er demonstrierte aber auch: Die Ansprüche sind gestiegen in Augsburg. Ein Unentschieden gegen die Eintracht reicht den Schwaben nicht mehr zur vollen Zufriedenheit.

(jbe)

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Pál Dárdai

1. FSV Mainz 05 v Hertha BSC - Bundesliga

Quelle: Simon Hofmann/Bongarts/Getty Images

"Ich bin ein Berliner. Ich bin ein Herthaner, mein Blut ist blau-weiß", hatte Pál Dárdai gesagt. Große Worte für einen Interimstrainer, aber für den Berliner Rekordspieler wahrscheinlich angemessen. Und sein Debüt klappte dann ja auch vorzüglich. Drei Tage haben ihm offensichtlich genügt, die verunsicherte Hertha nach der Trennung von Coach Jos Luhukay wieder aufzupäppeln: In Mainz gelang ihr ein 2:0-Erfolg. Als Trainer des Hauptstadtklubs hat man es nicht einfach, Dárdai weiß das: "Das ist nicht nur meine Arbeit. Ich bin kein Zauberer." Am Abend sagte Manager Michael Preetz im Sportstudio, dass Dárdai gerne länger in Berlin als Trainer arbeiten dürfe - Voraussetzung seien weitere Siege. Nun ja, der blau-weiß-blütige Dárdai wird sein Bestes geben. Und wenn es mit der Hertha nicht klappt, hat er immer noch sein zweites Standbein als Nationaltrainer von Ungarn.

(fued)

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Marcelo

Hamburger SV - Hannover 96

Quelle: Christian Charisius/dpa

Im Leben gibt es gute Tage, schlechte Tage und richtig beschissene Tage. Marcelo Antônio Guedes Filho, brasilianischer Fußballspieler bei Hannover 96, erlebte am Wochenende einen der letzteren Sorte, drückte sich aber gewählter aus: "Das war wirklich kein glücklicher Tag für mich." Sein Team verlor 2:1 beim Hamburger SV, zu beiden Gegentreffern trug Marcelo entscheidend bei, zunächst mit einem Eigentor, schließlich damit, dass er einen Schuss von Marcell Jansen richtungsverändernd abfälschte. "Damit muss er leben, das gehört zum Fußball dazu. Er ist stark genug im Kopf", sagte sein verständnisvoller Coach Tayfun Korkut. Ach ja, er brachte zudem das Kunststück fertig, den Ball aus drei Metern an die Latte zu köpfen. Marcelo kann sich damit trösten, dass die beschissenen Tage nicht so häufig sind. Nächste Woche gegen Paderborn sollte es für ihn wieder besser laufen.

(fued)

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Pierre-Emerick Aubameyang

Borussia Dortmund's Aubameyang scores against SC Freiburg in Bundesliga soccer match in Freiburg

Quelle: REUTERS

Irgendwann musste es für Pierre-Emerick Aubameyang einfach besser laufen: schlimme Phase in Dortmund, Tabellenletzter der Bundesliga, dann auch noch beim Afrika-Cup mit Gabun in der Vorrunde ausgeschieden. Aubameyang hat dann sein Schicksal selbst in die Hand genommen und mit zweieinhalb Treffern für einen 3:0-Erfolg des BVB beim SC Freiburg gesorgt (das halbe Tor hatte ihm Marco Reus vom Fuß geklaut). Er könnte in der Rückrunde zum entscheidenden Stürmer der Borussia avancieren, seine Rivalen saßen am Samstag jedenfalls nur auf der Bank (Immobile) oder standen gleich gar nicht im Kader (Ramos). Mit sieben Treffern ist Aubameyang ohnehin Dortmunds treffsicherster Angreifer - der einzige im Team mit einer soliden Chancenverwertung (Mannschaftsdurchschnitt: 8.4 Prozent!).

(fued)

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Peter Stöger

1. FC Köln - SC Paderborn 07

Quelle: dpa

Wer sich in Köln an den letzten Heimspiel-Sieg erinnern möchte, braucht ein gutes Gedächtnis. Als noch bunte Herbstblätter die Straßen bedeckten, durfte dort zuletzt gejubelt werden: Das war Mitte Oktober, gegen einen gewissen BVB. Auch gegen Paderborn klappte es nicht mit einem Sieg, doch Peter Stöger tangiert das wenig. "Wir sind nicht angetreten, um einen Schönheitspreis zu gewinnen", sagte der Trainer, "und wir sind auch nicht die Mannschaft, von der man Spektakel erwarten kann." Mit Platz elf in der Tabelle kann der Aufsteiger recht zufrieden sein - auch ohne Schampusfußball, auch ohne Heimsieg. Dass Stöger an seine Mitmenschen denkt, ließ sich ebenfalls erkennen. "Jetzt habt Ihr wieder für zwei Wochen Geschichten", sagte er zu Journalisten, "eine Woche könnt Ihr nun schreiben: Endlich wieder ein Auswärtsspiel. Und dann wieder eine Woche: Oje, jetzt wieder zu Hause." Schon praktisch, dieser 1. FC Köln.

(ska)

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Huub Stevens

VfB Stuttgart v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Der Fußballlehrer Hubertus Jozef Margaretha Stevens ist in der Branche für eine gewisse Schnoddrigkeit bekannt. Außerdem hat er dem Fußball eine entscheidende Weisheit über das Toreverhindern ("Die Null muss stehen") geschenkt. Weniger in Erscheinung ist er bisher als Spaßmacher getreten. Das bewahrheitete sich auch nach dem 0:2 seiner Stuttgarter gegen die Bayern. Stevens machte keine Witze - er sparte sich zwar offene Kritik am Team, aber er knurrte in bester Manier. Er sagte Dinge wie "Es ist nicht wichtig, wo wir jetzt stehen" und "Ich kann nicht jammern, ich muss Vertrauen ausstrahlen." Dass seine Spieler zuvor mit einer Art Catenaccio aus der Mottenkiste des Mauerfußballs versucht hatten, sich dem Meister zu erwehren, ließ der Holländer unerwähnt. Wäre auch schlechte Eigenwerbung gewesen.

(jbe)

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Arjen Robben

VfB Stuttgart v FC Bayern Muenchen - Bundesliga

Quelle: Alex Grimm/Getty Images

Der Motor des Mannschaftsbusses lief schon draußen in der eiskalten Nacht, als Arjen Robben drinnen im warmen Bauch des Stadions noch redete. Beim identitätssuchenden FC Bayern ist er gerade so etwas wie der Klassensprecher und Klassenbeste in einer Person. Er stellt sich nach Siegen wie in Stuttgart genauso hin wie nach verstörenden Niederlagen wie in Wolfsburg. Und auf dem Platz ist er der Spieler, der häufig den Unterschied macht. Gegen scheue Stuttgarter war sein Tor kurz vor der Pause der Weckruf, den seine Mitspieler gebraucht haben. Robben zog nach einem feinen Außenristpass von Mitchell Weiser mit links ab, instinktiv, schnörkellos und direkt. "Den trifft er nicht so schlecht mit seinem schwachen linken Fuß", sagte Thomas Müller hinterher. Das war natürlich nicht ernst gemeint, Robbens stärkerer Fuß ist der linke. Aber wenn er so weiterspielt, trifft er wohl bald auch mal mit rechts.

(schma)

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David Alaba

-

Quelle: AP

"Wenn du ihn siehst: Wow!", sagte Bayern-Trainer Pep Guardiola über das kunstvoll gezirkelte Freistoßtor von David Alaba beim VfB. Der Österreicher ist einer seiner Lieblingsspieler neben Philipp Lahm. Intelligent, passsicher, seinen Gegenspielern im Kopf immer ein Schritt voraus. Es sind aber diese besonderen Momente wie das Freistoßtor, welche sein Können auch sichtbar machen. Seine Qualitäten sind meist erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Er läuft, er rennt, er schließt Räume - und der 22-Jährige antizipiert sofort, wenn seine Mitspieler Unterstützung brauchen. "David kann überall spielen", sagte Guardiola - er selbst probiert seinen Lieblingsschüler ja gerade als linken Mann in der Dreierkette aus. Aber wer diesem Alaba bei der Arbeit zusieht, muss letztlich zu dem Schluss kommen: Er würde es wohl auch als Stürmer oder Spielmacher bringen.

(schma)

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Viktor Skripnik

1899 Hoffenheim v SV Werder Bremen - Bundesliga

Quelle: Bongarts/Getty Images

Es scheint ganz so, als hätte Viktor Skripnik einen schlafenden, früheren Bundesliga-Riesen wachgeküsst. Seit der Ukrainer Werder Bremen trainiert, hat die Mannschaft in elf Spielen 22 Punkte geholt. Zuhause ist Werder gar das stärkste Team der Liga, wenn man seit Skripniks Amtsantritt rechnet. Nach dem 2:1-Sieg über Bayer Leverkusen und dem Sprung auf Platz acht in der Tabelle sind die Norddeutschen sogar vorsichtig optimistisch: "Unsere Tabellensituation sieht jetzt sehr gut aus, aber wir schauen nur nach unten, nicht nach oben", sagt Skripnik. Nach dem schwachen Saisonstart ist die Abstiegsangst in der Hansestadt noch nicht gebannt.

(fued)

© Süddeutsche.de/fued/schma/ska/jbe/ebc
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