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Eklat in der Frauen-Bundesliga:Drei Verletzte, ein später Siegtreffer und jede Menge Pöbeleien

Das Spitzenspiel der Frauenfußball-Bundesliga zwischen Turbine Potsdam und dem 1. FFC Frankfurt eskaliert am Ende: Nachdem zwei Potsdamerinnen vom Platz getragen werden, schießt Frankfurt den Siegtreffer. Doch dann verletzt sich Nationalspielerin Fatmire Bajramaj schwer.

Bernd Schröder

Trainer Bernd Schröder von Turbine Potsdam ist außer sich. Er kann das Verhalten der Frankfurter nicht verstehen.

(Foto: dpa)

Anfeindungen, Wut und Trotz: Die hochbrisante Schlussphase im Topspiel der Frauen-Bundesliga zwischen den Erzrivalen Turbine Potsdam und 1. FFC Frankfurt (1:2) sorgt für gefühlsgeladene Diskussionen. Auch der Deutsche Fußball-Bund (DFB) ist nach den Vorfällen vom Sonntag gefragt. Der Verband sollte darüber nachdenken, den Klubs einen Verhaltenskodex an die Hand zu geben.

Andernfalls drohen schmerzhafte Wiederholungen. "Der Frauenfußball hat es versäumt, ein Zeichen für Fair Play zu setzen. Keiner hätte es der Schiedsrichterin übel genommen, wenn sie die Partie in der 88. Minute beendet hätte", schimpfte der Potsdamer Trainer Bernd Schröder. Der Frankfurter Manager Siegfried Dietrich konterte empört: "Die Schiedsrichterin darf doch nicht einfach abpfeifen. Das geht nur, wenn Spieler oder Zuschauer in Gefahr sind."

Der Eklat begann in der 88. Minute. Die Potsdamerinnen Stefanie Mirlach und Alexandra Singer erlitten bei einem Zusammenprall schwere Kopfverletzungen. Die neun übrig gebliebenen Potsdamerinnen hofften in der Folge auf einen Nicht-Angriffspakt. Doch Frankfurt spielte druckvoll weiter, wollte den Siegtreffer und gewann durch ein Tor von Nationalspielerin Fatmire Bajramaj tatsächlich noch mit 2:1.

Zu allem Überfluss erlitt Bajramaj aber nach einem Foul von Turbine-Spielführerin Tabea Kemme eine schwere Knieverletzung. Mittlerweile teilte der Verein mit, dass sich Bajramaj einen Riss des vorderen Kreuzbandes im rechten Knie zugezogen hat und mehrere Monate ausfallen wird. Trotz der turbulenten Szenen verzichtete Schiedsrichterin Riem Hussein auf ein vorzeitiges Ende und handelte nach Einschätzung des DFB regelkonform. "Entscheidungen zur Spielzeit liegen im Ermessensspielraum der Schiedsrichter. Riem Hussein hat entsprechend der geltenden Fußballregeln gehandelt", lautete der knappe Kommentar von Lutz Michael Fröhlich, DFB-Abteilungsleiter der Schiedsrichter.

"Man darf doch das Sportliche nicht ganz außer Acht lassen"

Aus Sicht der Potsdamer eine falsche Entscheidung. "Man weiß doch um die Psyche von Frauen. Wenn sie Blut sehen, dann geht nichts mehr", sagte Schröder. Der Coach erinnerte an eine Partie der 2. Männer-Bundesliga zwischen dem VfL Osnabrück und Energie Cottbus im März 2011. Damals ließen beide Teams die letzten zehn Minuten austrudeln, nachdem der Osnabrücker Flamur Kastrati mit einem Schädelhirntrauma ins Krankenhaus gebracht worden war.

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