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Eisschnelllauf:Überraschend gute Nachrichten

Eisschnelllauf Berlin 29 01 2017 Saison 2016 2017 Weltcup 1000 m Herren Männer Nico Ihle GER Jub; Nico Ihle

Schnell auf dem Eis unterwegs: Nico Ihle.

(Foto: imago)

Die deutschen Eisschnellläufer gehen im Training eigene Wege und sammeln nun bei der Weltmeisterschaft fleißig Medaillen. Für den gebeutelten Verband kommen die Erfolge unerwartet.

Am Ende des größten Tages seiner Eisschnelllauf-Karriere legte Nico Ihle seine Silbermedaille unter das Kopfkissen. Noch immer konnte der 31-Jährige nicht glauben - so erzählte er es später-, dass die kleine, leuchtende Auszeichnung tatsächlich ihm gehörte. So, wie alles an diesem Wochenende unglaublich war. Dass er bei den Eisschnelllaufweltmeisterschaften im südkoreanischen Gangneung über 500 Meter in 34,66 Sekunden die gesamte Konkurrenz bis auf den Sieger Jan Smeekens hinter sich ließ. Dass er am nächsten Tag auch noch Vierter über 1000 Meter wurde. Und dass nicht nur er eine Medaille gewann, sondern auch noch seine beiden Teamkollegen: Patrick Beckert mit Bronze über 10 000 Meter und Claudia Pechstein, die unermüdliche Eisschnellläuferin, die mit 45 Jahren Silber über 5000 Meter holte. "So ein Knaller war ja mal fällig", sagte Ihle.

Es gab vor diesem Wochenende sicherlich nicht viele bei der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG), die damit rechneten, nach drei von vier WM-Tagen bereits drei Medaillengewinner im Team-Hotel begrüßen zu können. Zu präsent waren immer noch die Erinnerungen an die vergangenen sportlichen Großereignisse, bei denen der einst sehr erfolgreiche Verband plötzlich nicht mehr erfolgreich war. Man mag sich da an Olympia 2014 erinnern, als die DESG erstmals seit 50 Jahren keine Medaille gewann. Oder die Weltmeisterschaft 2015, als Beckert zwar Bronze holte, das Team aber hinter den eigenen Ansprüchen zurückblieb. Oder 2016, als sich mit nur acht Athleten so wenige deutsche Eisschnellläufer für eine Weltmeisterschaft qualifizierten wie noch nie - und es wieder keine Medaille gab.

Zudem hatte der Verband mit noch ganz anderen Problemen zu kämpfen. 2015 verlor er rund sechs Prozent seiner Mitglieder. So viele wie keine andere olympische Sportart. Zwar konnte der Mitgliederschwund gestoppt werden, aber die Breite an der Spitze fehlt weiterhin. Zudem klagten einige Athleten über das viel zu starre deutsche Trainingssystem. Beckert schloss sich deshalb einem niederländischen Privatteam an, anstatt weiter unter einem Bundestrainer zu trainieren. Prompt warf ihn die DESG aus der Sportfördergruppe der Bundeswehr.

Die Deutschen haben die eigenen Erwartungen übertroffen

Gute Nachrichten sind in der DESG zuletzt selten geworden. Sportdirektor Robert Bartko hat den Verband im vergangenen Jahr deshalb komplett umgekrempelt. Als neuer Bundestrainer kam Jan van Veen, ein erfahrener Trainer aus den Niederlanden. Dann wurde die Nachwuchsarbeit und Talentsichtung verändert und die Trainerausbildung verbessert. Aber Veränderungen brauchen Zeit. Hinter den Leistungsträgern Pechstein, Ihle und Beckert klafft in der Breite weiterhin eine große Lücke: beim Weltcup in Berlin schaffte es die Hälfte der WM-Starter nicht in die Top 10. Auch deshalb stapelte Bartko vor der WM tief: "Theoretisch sind sechs Medaillen drin, es können aber auch nur zwei oder eine oder sogar gar keine werden."

Dass das deutsche Team dennoch mehr als nur ein oder zwei WM-Medaillen gewinnen konnte, liegt vor allem daran, dass die drei Leistungsträger bei diesen Weltmeisterschaften bislang ihr ganzes Potential abrufen konnten. Auch wenn sie dafür ihren eigenen Weg gehen mussten. So gründete Pechstein im vergangenen Jahr in Berlin ihr eigenes Privatteam, wo sie ausschließlich mit Männern trainiert. Das soll ihr die nötige Härte bei den Wettkämpfen verleihen. Beckert, der Bronzemedaillengewinner über 10 000 Meter, bleibt in den Niederlanden und kommt nach seinem Eingewöhnungsjahr immer besser mit den höheren Trainingsumfängen zurecht. "Ich freue mich riesig, dass mein Plan so gut aufgegangenen ist", sagte Beckert. "Vor allem, weil so viele gezweifelt haben, dass man so einen Erfolg auf dem ganz eigenen Weg erreichen kann."

Und Nico Ihle? Trainiert weiterhin mit seinem Bruder Denny in Chemnitz. "Ich bin in der Form meines Lebens", sagt Ihle. In zwei Wochen will er bei der Sprint-WM in Calgary/Kanada den deutschen Rekord über 500 Meter knacken. Es wäre eine weitere gute Nachricht für die DESG.