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Eisschnelllauf:Pechstein-Freund will für Präsidentenamt kandidieren

Matthias Große, 51, der Lebensgefährte von Olympiasiegerin Claudia Pechstein, 47, hat seine Kandidatur für das Amt des Präsidenten bei der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) eingereicht. "Ich will das Schiff in ruhigeres Fahrwasser bringen. Dafür stehe ich zur Verfügung", sagte Große am Mittwoch. Die beiden verbliebenen Präsidiumsmitgliedern Uwe Rietzke und Dieter Wallisch müssen sich nun fragen, ob der wegen seiner Nähe zu Pechstein umstrittene Große für das Amt in Frage kommt.

Sein Team stehe jedenfalls, sagte Große, "es gibt Leute, die bereit sind, ab sofort vieles im Verband zu verändern: als erfahrener Sportdirektor, als Verbandsarzt oder auch Sponsoren, die dem Verband helfen könnten." Allerdings hält es der Berliner Immobilien-Unternehmer auch für möglich, wegen der dramatischen finanziellen Situation des Verbandes mit dem von ihm hart kritisierten Sportdirektor Matthias Kulik weiterzumachen: "Wenn der Sportdirektor bereit ist, seine Fehler einzusehen und meine Linie konsequent mitträgt, können wir bis zur nächsten ordentlichen Mitgliederversammlung zusammenarbeiten."

Noch vor Beginn der Weltcupsaison war Große wegen angeblich "verbandsschädigender Aussagen" aus dem DESG-Betreuerstab gestrichen worden. Unter anderem hatte er die Rolle Kuliks im Streit seiner immer noch aktiven Lebensgefährtin Pechstein mit Bundestrainer Erik Bouwman kritisiert. Bouwman hatte im Sommer erklärt, dass er "keinen Bock" habe, Pechstein in seine Trainingsgruppe aufzunehmen. Kulik sagte nun der dpa, dass er sich schon Gedanken gemacht habe, ob er im Falle von Großes Wahl weiterarbeiten könne. Fazit: "Sicher würde ich unter seiner Führung nicht weiter wirksam werden."

Kritik kam zuletzt auch vom Aktivensprecher der DESG-Sparte Shorttrack, Leon Kaufmann-Ludwig. Er nannte das häufig konfrontative Auftreten des Duos Pechstein/Große "eine Katastrophe für die Außendarstellung des Verbandes, die sowieso in den letzten zwei, drei Jahren gelitten hat". Die bisherige DESG-Präsidentin Stefanie Teeuwen war im November wegen mangelnden Rückhalts überraschend zurückgetreten. Als weiterer Kandidat auf das vakante Amt gilt bisher nur Vizepräsident Uwe Rietzke.

© SZ vom 09.01.2020 / dpa

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