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Eisschnelllauf:Endlich aufgefrischt

Vorschau ISU Eisschnelllauf WM Inzell vom 07.-10.02.2019

Eine halbe Sekunde zu Bronze fehlte: Nico Ihle konnte im Teamsprint seine aufsteigende Formkurve nicht bestätigen.

(Foto: Anke Waelischmiller/SvenSimon)

Der Teamsprint soll das WM-Programm beleben, das freut auch die deutsche Mannschaft. Doch der erhoffte Erfolg der Männer beim Heimspiel in Inzell bleibt aus.

Ach, was hat sich Samuel Schwarz gefreut, als der Eisschnelllauf-Weltverband ISU den Teamsprint endlich in sein Weltcup-Programm aufnahm. "Das war längst überfällig. Alle werden davon profitieren: Sportler, Zuschauer, Sponsoren, selbst die lahme ISU", hatte Schwarz euphorisch gesagt, damals im Sommer 2015. Nicht nur er hoffte, das vor allem vor den Fernsehgeräten zunehmend schwindende Publikum mit etwas Aufregendem zurückholen zu können, mit etwas Kurzem, Knackigem, mit Tempo und Schwung. Das ewige, langatmige, meditative Kreiseln zweier Athleten um die Bahn wirkt ja immer mehr wie aus der Zeit gefallen.

In diesem Jahrtausend hat die ISU bereits die Teamverfolgung und den Massenstart in ihr Wettkampf-Repertoire eingeführt, um der Sportart eine dringend nötige Auffrischung zu verschaffen. Nun ist auch der Teamsprint ins WM-Programm befördert worden: Ähnlich wie beim Bahnradsport starten auch beim Eisschnelllauf zunächst drei Athleten, nach jeder 400-Meter-Runde scheidet einer aus, und wenn der letzte Läufer nach drei Runden alleine durchs Ziel gleitet, wird die Zeit gestoppt.

Der Berliner Schwarz gehört zu den Pionieren dieser Disziplin, gemeinsam mit den Chemnitzer Brüdern Denny und Nico Ihle hatte er die Testphase im Winter 2014/15 als Gesamtgewinner beendet, inoffiziell natürlich. Die offizielle WM-Premiere des Teamsprints hat Schwarz nicht mehr als Aktiver erlebt: Der 36-Jährige hat seine Karriere beendet. Aber die Ihle-Brüder, immerhin auch schon 34 und 33 Jahre alt, waren noch mit von der Partie, als am Donnerstag in Inzell die ersten WM-Titel in dieser Disziplin vergeben wurden. Gemeinsam mit dem Inzeller Joel Dufter, 23, sausten sie ums Oval - und gaben dabei ein symbolhaftes Bild für die Deutsche Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG) ab: Dessen Athleten gehörten einst zu den Vorläufern der Branche, haben aber inzwischen den Anschluss etwas verpasst. Hinter den souverän siegenden Niederländern, den überraschenden Südkoreanern und den Russen wurde das DESG-Trio Vierter. In 1:20,598 Minuten fehlte eine halbe Sekunde zu Bronze. "Wenn man so nah dran ist, ist das natürlich ärgerlich", fand Nico Ihle. Der WM-Zweite von 2017 über 500 Meter hatte sehr zuversichtlich geklungen, als er von der Vorfreude auf den Teamsprint sprach, mit dem die Titelkämpfe in Inzell eröffnet wurden. "Das ist ein Event, auf den wir seit Jahren hingearbeitet haben, wir waren immer dafür, dass er WM-reif wird", hatte der stärkste deutsche Sprinter der jüngeren Vergangenheit gesagt.

Der zuständige Trainer Daan Rottier war gedämpft optimistisch. "Im Teamsprint kann viel passieren", hatte er gesagt. "Vielleicht machen die anderen ein paar Fehler." Diesen Gefallen taten ihm aber nur die mitfavorisierten Norweger, die nach einem Sturz disqualifiziert wurden. Auf diese Weise rückten die deutschen Männer zumindest einen Platz nach vorne.

Bei den bisherigen Weltcup-Rennen dieses Winters waren sie ja nicht über Platz fünf hinaus und nicht unter die 1:22-Minuten-Marke drunter gekommen. Und diese Ergebnisse hatten sie schon im November erzielt bei den Rennen in Japan. Obendrein ersetzte Trainer Rottier kurzfristig den als Tempomacher vorgesehenen Münchner Hendrik Dombek, 21, weil der krankheitsbedingt schwächelte. "Es ist schade für Hendrik", fand der Niederländer, "aber ich muss für die WM die beste Mannschaft zusammenstellen, und Denny Ihle ist im Moment die beste Lösung."

Auch das wirft ein bezeichnendes Licht auf den Zustand der DESG im nacholympischen Winter: Wenn der Trainer auf einen 34-Jährigen zurückgreifen muss, scheint nicht viel Nachwuchs nachzudrängen. Immerhin zahlte sich die Routine der Ihle-Brüder in Sachen Teamsprint aus. Am Mittwoch, also erst einen Tag vor dem Rennen, standen sie erstmals gemeinsam mit Joel Dufter auf dem Eis, sie übten kurz die Startphase. "Dafür hat's ganz gut funktioniert", fand Schlussläufer Dufter. Und im Hinblick auf den Rückstand zu den um 1,54 Sekunden besseren Siegern aus den Niederlanden urteilte er: "Da waren wir schon mal weiter weg." Die deutschen Teamsprinter waren allerdings auch schon mal weiter vorn. Damals, 2015.