Eisschnellläuferin Claudia Pechstein:Womöglich sogar Auswirkungen bis in die Schweiz

Gegen die Athletenvereinbarung, die unterzeichnet werden muss, um zu Wettkämpfen zugelassen zu werden, hatte es in der Vergangenheit immer wieder Proteste gegeben. Im Oktober vergangenen Jahres hatten 55 deutsche Sportler eine von Pechstein initiierte Petition gegen die gängige Praxis unterzeichnet, in der es heißt: "Mir war bewusst, dass mir mit der Athletenvereinbarung gewisse Pflichten auferlegt werden, allerdings war mir nicht bewusst, auf mein Grundrecht zu verzichten, selbst in existenziellen Fragen ein deutsches Gericht anrufen zu können." Alle, die das so sahen, dürfen sich nun bestätigt fühlen.

ISU-Anwalt und Cas-Richter Martens gab sich zwar Mühe, die Bedeutung des Spruches einzugrenzen: "Eine Kammer eines deutschen Gerichtes hat das erstinstanzlich jetzt so gesehen." Doch den Sportverbänden bringen Wittmanns Sätze erst einmal Unsicherheit: Was sollen sie Athleten erwidern, die sich künftig weigern, die Vereinbarung zu unterzeichnen?

Eilig stellte der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) in einem Statement klar, dass seine Abmachungen mit den Athleten von dem Spruch nicht betroffen seien, sondern ausschließlich die der Sportfachverbände; er sei aber prinzipiell der Meinung: "Die Aussagen des Gerichtes stehen im Widerspruch zur herrschenden Meinung." Und, ganz allgemein: "Zur internationalen Schiedsgerichtsbarkeit in Dopingfragen besteht keine Alternative. Nur so kann sichergestellt werden, dass Dopingvergehen weltweit gleich behandelt werden."

Marius Breucker, der Jurist der DESG, wies darauf hin, dass noch zu klären sei, welche Maßstäbe das Gericht angelegt habe - lediglich die des deutschen Rechts, oder auch jene des Schweizer Rechtssystems, was insofern von Bedeutung ist, weil der Cas und viele internationale Sportverbände in der Schweiz ihren Sitz haben. Sollten die Richter, die zu Füßen von König Maximilian II. saßen, auch die Rechtsordnung der Eidgenossen im Blick gehabt haben, so Breucker zur dpa, "wären die Auswirkungen noch größer".

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