Wenig Treffer, wenig Worte
Franziska Preuss, 31, Biathlon-Gesamtweltcupsiegerin des vergangenen Winters, liebt klare Worte: „Es war definitiv eine schlechte Leistung. Platz elf, da braucht man nicht viel dazu sagen, das war kein guter Start“, erklärte sie nach dem Staffelrennen der Frauen in Östersund. Mit großem Rückstand kam das deutsche Team zum Beginn des Olympiawinters ins Ziel. Selina Grotian, 21, an Position drei laufend, leistete sich im Liegendanschlag zwei Strafrunden. Auch Preuß als Schlussläuferin musste noch in die Strafrunde, weil sie nach dem anstrengenden Lauf „die Waffe nicht mehr ruhig“ bekommen habe, wie sie sagte. Weit positiver verlief die Teamrückkehr von Vanessa Voigt und Janina Hettich-Walz nach jeweils längeren Pausen.
Für die deutschen Männer lief das Rennen insgesamt deutlich besser: Justus Strelow, Danilo Riethmüller, Philipp Nawrath und Philipp Horn wurden zwar nicht zur Siegerehrung gebeten, belegten nach einer Aufholjagd aber noch einen guten vierten Platz. „Wir sind in Schlagdistanz und haben gezeigt, dass wir ganz vorne mitspielen können“, sagte Horn. Die deutsche Single-Mixed-Staffel mit Marlene Fichtner und Lucas Fratzscher verpasste eine Überraschung knapp und wurde Vierte.
Noltes Nummer drei

Laura Nolte, 27, Olympiasiegerin, ist die Frau, die es zu schlagen gilt im Bobsport. In Innsbruck-Igls gelang ihr am Sonntag schon der dritte Saisonsieg, der zweite mit Anschieberin Deborah Levi. Nur im Monobob blieb Nolte Zweite hinter der Weltmeisterin Kaysha Love aus den USA.
Bei den Männern gelang Francesco Friedrich im vierten Anlauf der erste Saisonsieg gegen seinen Dauerrivalen Johannes Lochner – im Viererbob. Für den Rekordpiloten aus Pirna war es Weltcuperfolg Nummer 88 der Karriere. In der Zweier-Konkurrenz am Vortag lag Lochner noch knapp vorn. Im umgebauten Eiskanal am Fuße des Patscherkofels raste Friedrich dann im Vierer samt seiner Crew Tim Becker, Alexander Schüller und Felix Straub mit Bahnrekord durch die Kurven. Die Italiener um den Südtiroler Patrick Baumgartner wurden hinter Lochner Dritte.
Einmaliges Pistenerlebnis

Lena Dürr stützte die Arme auf die Oberschenkel und holte tief Luft. Als sie in der Zielarena von Copper Mountain wieder bei Atem war, wich die Erschöpfung der Freude über das beste Riesenslalomergebnis ihrer doch schon langen Karriere. „Heute bin ich stolz auf mich“, sagte Dürr, 34 Jahre alt, nach Platz sechs: „Wir haben die letzten zwei Jahre viel in den Riesenslalom investiert, um für solche Tage bereit zu sein und vorne mitfahren zu können. Heute habe ich es geschafft, in beiden Läufen ans Limit zu gehen.“ Dass nach Platz vier im ersten Durchgang sogar mehr möglich gewesen wäre, trübte ihre Freude kein bisschen. Schnellste war die Neuseeländerin Alice Robinson, die ihren fünften Weltcupsieg verbuchte.
Lena Dürr fuhr im 69. Riesenslalom ihrer Laufbahn am Samstag erst zum vierten Mal in die besten Zehn. Ihr bislang bestes Resultat, Rang acht in Aspen/Colorado, liegt 14 Jahre zurück. Zwischenzeitlich hatte die Slalomspezialistin ihre Zweitdisziplin sogar schon aufgegeben. In Copper Mountain fand sie nun eine perfekte Piste vor und ließ sich auch von schwierigeren Verhältnissen mit Wind und wenig Sicht kaum bremsen. „Es hat unglaublich Spaß gemacht“, sagte sie. 1,44 Sekunden fehlten auf Robinson, nur 0,36 Sekunden aufs Podium – und Skikönigin Mikaela Shiffrin hatte sie um 0,64 Sekunden sogar hinter sich gelassen.
Tags darauf zeigte Dürr im Slalom von Copper Mountain eine fulminante Aufholjagd und feiert somit eine Premiere. Mit einem famosen Finale sicherte sie sich ihren ersten Weltcup-Podestplatz in diesem Winter. Die 34-Jährige arbeitete sich im Slalom von Copper Mountain noch vom neunten auf den zweiten Platz vor und musste sich nur der amerikanischen Seriensiegerin Mikaela Shiffrin geschlagen geben. Dritte wurde die ebenfalls formstarke Lara Colturi, die für Albanien startet. Die zur Halbzeit siebtplatzierte Emma Aicher schied im zweiten Lauf aus. Jessica Hilzinger fuhr auf Rang 22.
„Ich bin unglaublich glücklich mit dem zweiten Durchgang“, sagte Dürr. „Voll auf Angriff“ sei sie da gefahren. Inklusive des überraschend guten sechsten Platzes im Riesenslalom am Samstag sei das ein „super Wochenende“ für sie gewesen. Die Formkurve stimmt – auch mit Blick auf die Olympischen Spiele, das Highlight dieses Winters, im kommenden Februar in Italien.Für Shiffrin war es bei ihrem Heimspiel im US-Bundesstaat Colorado der dritte Sieg im dritten Slalom der Saison. Wieder mal dominierte sie die Konkurrenz in ihrer Paradedisziplin. Der Vorsprung der fünfmaligen Gesamtweltcupsiegerin auf Dürr betrug 1,57 Sekunden.
Am Rekord vorbeigeflogen

Nozomi Maruyama, 27, japanische Skispringerin, hat einen Rekord ihrer weitaus berühmteren Kollegin Sara Takanashi verfehlt. Eindrucksvoll sind ihre Flüge von den Schanzen aber allemal. Drei Springen nacheinander gewann Maruyama in diesem Herbst bereits, auch in Falun in Schweden war sie am Freitag auf der Normalschanze noch die Beste. Dann riss am Sonntag die Serie auf der Großschanze: Maruyama wurde Zweite, sie landete nach 122,5 und 129 Metern. Durch einen weiteren Sieg hätte sie die Bestmarke von Takanashi eingestellt, die 2013 die ersten vier Saisonspringen gewonnen hatte und nun, inzwischen 29 Jahre alt, Vierte wurde. Den Wettbewerb vom großen Bakken gewann bei Schneetreiben vor wenigen Zuschauern Doppelweltmeisterin Nika Prevc aus Slowenien, die beste Athletin des vergangenen Winters: Sie hatte nach 125und 132 Metern wieder Boden unter den Füßen. Die deutschen Skispringerinnen beeindruckten durch ihre Teamstärke. In Falun kam ein Trio unter die besten Zehn: Agnes Reisch aus Isny wurde Fünfte, die siebenmalige Weltmeisterin Katharina Schmid wurde Siebte, auf Platz zehn folgte die WM-Zweite Selina Freitag.
Frühform in Finnland

Julian Schmid, 26, Nordischer Kombinierer, hat die sturmbedingte Absage des Massenstart-Wettkampfs beim Weltcup in Finnland verschmerzen können. Nach zwei Wettkämpfen stehen für ihn schon zwei zweite Plätze zu Buche. Am Freitag und Samstag musste er sich in Ruka jeweils nur dem Österreicher Johannes Lamparter geschlagen geben, dadurch hat er die teaminterne Olympiaqualifikation im Deutschen Skiverband geschafft. Am Sonntag war das Wetter so schlecht, dass nur der Zehn-Kilometer-Langlauf ausgetragen werden konnte. Das anschließende Springen wurde gestrichen. „Es ist zu windig und deshalb nicht die richtige Zeit, um zu springen“, sagte Schmid, fand aber trotzdem, dass es ein „absolut akzeptables Wochenende“ war. Weltcup-Gesamtsieger Vinzenz Geiger fehlte verletzt, er hatte sich beim Fußballspielen drei knöcherne Bandausrisse am Fuß zugezogen und hofft auf eine Rückkehr kurz vor Weihnachten.

