Start der Eishockey-WM:Was hat Toni Söderholm nur vor?

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Regisseur an der Bande: Bundestrainer Toni Söderholm trifft mutige Personalentscheidungen, hier steht er aber gerade hinter eher etablierten Spielern: Gerrit Fauser, Marcel Noebels und Frederik Tiffels (von links).

(Foto: Peter Schatz/imago)
  • Am Samstag startet die deutsche Eishockeynationalmannschaft mit einem Spiel gegen Großbritannien in die Weltmeisterschaft in der Slowakei.
  • Vor Turnierstart hat Neu-Trainer Toni Söderholm mit der ein oder anderen Personalentscheidung überrascht, gerade auf der Torwartposition.
  • Vermutlich wird Philipp Grubauer nach dem Ausscheiden in den NHL-Playoffs mit Colorado Avalanche noch zum Kader dazustoßen.

Von Johannes Schnitzler

Die früher übliche Diskussion, welche Fernsehsendung geguckt wird, ist seit der Erfindung des Streaming beendet. Bei Familie Niederberger in Düsseldorf dürfte man froh darüber sein: Mit sieben Kindern kann ein Zwist über das TV-Programm unschön ausarten. Diesen Sonntag etwa, Muttertag: Lieber "ZDF-Fernsehgarten"? Oder Eishockey bei Sport 1? Papa Andreas, 56, war einst Profi bei der Düsseldorfer EG, Nationalspieler, Sohn Mathias, 26, ist bei der Weltmeisterschaft im Einsatz. Alles klar also? Andererseits ist da Leon, 23, der andere Sohn, ebenfalls Profi bei der DEG wie vor ihm Vater Andreas und Bruder Mathias. Dieser Leon aber spielt nicht bei der WM, sondern hat am Sonntag neben Hansi Hinterseer, PUR und Angelo Kelly seinen ersten großen TV-Auftritt - als Sänger ("More Than A Memory").

Wie gesagt: Die Diskussion darüber hat sich erledigt, zumal der "Fernsehgarten" schon um 11.50 Uhr sein Türchen öffnet, während die Nationalmannschaft bei der WM in der Slowakei erst um 16.15 Uhr gegen Dänemark ran muss. Voll im Gang ist dagegen weiterhin die Diskussion über den Kader, den Bundestrainer Toni Söderholm für dieses WM-Turnier berufen hat. Und darin spielt der Torwart Mathias Niederberger unversehens eine Hauptrolle.

Söderholm spekuliert - mit Erfolg

Die Frage, wer im deutschen Tor stehen soll, wurde in der Zielgruppe noch erregter diskutiert als die, ob NHL-Profi Leon Draisaitl der Super- oder doch der Megastar dieser WM werden wird. Spätestens als Söderholm für die letzte Vorbereitungsphase auf Dennis Endras und Danny aus den Birken, die Schlussmänner der beiden DEL-Finalisten Mannheim und München, verzichtete. Stattdessen hielt er an Niederberger, Niklas Treutle (Nürnberg) und Dustin Strahlmeier (Schwenningen) fest. Top-Torleute in der Liga, aber international eher unerfahren. Na gut, dachten die meisten, wenn Thomas Greiss (New York Islanders) oder Philipp Grubauer (Colorado Avalanche) mit ihren Teams erst mal aus den NHL-Playoffs ausgeschieden sind, dann ist die Frage, wer spielt, eh beantwortet. Dann spielt Grubauer. Oder Greiss.

Aber dann sagte Greiss Anfang der Woche wegen einer Verletzung ab, und Grubauer rettete seine Avalanche ins siebte Viertelfinalspiel, das blöderweise erst in der Nacht zu Donnerstag stattfand - die Nationalmannschaft hob aber bereits am Mittwochmorgen nach Kosice ab. Und so stand auch nach dem 2:5 (2:1, 0:1, 0:3) im letzten Test am Dienstag gegen WM-Gruppengegner USA die Frage unbeantwortet im Raum: Was hat dieser Toni Söderholm nur vor?

Zum Glück für ihn und das deutsche Team flog Grubauer im entscheidenden Spiel mit Avalanche 2:3 gegen die San Jose Sharks raus. Somit kann der Goalie nun mit zur WM fahren, auch wenn er in den ersten zwei Spielen am Wochenende wahrscheinlich nicht zum Einsatz kommt. DEB-Sportdirektor Stefan Schaidnagel wollte am Donnerstagabend Kontakt mit dem Rosenheimer aufnehmen; sollte Grubauer zusagen, müsste sein Klub noch grünes Licht geben. Söderholms Plan scheint also tatsächlich aufzugehen.

Die Nationalspieler hatten in vier Wochen WM-Vorbereitung Gelegenheit, sich ein Bild von ihrem neuen Bundestrainer zu machen. Im Januar hat der Finne Söderholm, 41, das Amt von Marco Sturm übernommen, der Überfigur, dem Vater des größten Erfolgs in der deutschen Eishockey-Geschichte, der olympischen Silbermedaille von Pyeongchang. Sturm ging danach in die NHL, wo die besten Deutschen spielen, von denen nun aus gegebenem Anlass aber nur Draisaitl (Edmonton), Dominik Kahun (Chicago) und Korbinian Holzer (Anaheim) am Mittwoch mit im Flieger saßen. Holzer sagte neulich, Söderholm sei Sturm recht ähnlich: "Er hat nicht alles über den Haufen geworfen, aber ein paar kleine, effektive Änderungen vorgenommen." Holzer meinte das Spielsystem. Nicht die Besetzung der Torhüterposition.

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