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Eishockey-WM:Sehr gute Außenseiter

Nach ihrem überzeugenden Vorrunden-Auftritt starten die deutschen Eishockeyspieler gegen die rustikalen Finnen in die zähe WM-Zwischenrunde. Die Chancen aufs Viertelfinale stehen jedoch historisch gut.

Uwe Krupp war noch nie bei Kerner, auch nicht bei Beckmann oder Maischberger. Denn Uwe Krupp ist deutscher Eishockey-Bundestrainer, und Eishockey ist in Deutschland tief und abseits des Scheinwerferlichts verankert.

Slovenia v Germany: Group A - 2011 IIHF World Championship

Einer der prägenden Spieler der deutschen Mannschaft: Dennis Endras.

(Foto: Bongarts/Getty Images)

Deshalb ist es vielleicht ganz gut, dass Uwe Krupp jetzt in der Slowakei ist: Hier ist Eishockey eine große Nummer, das ganze Land feiert, weil es die Eishockey-Weltmeisterschaft ausrichten darf, und weil besonders Deutschland das Gesprächsthema ist, ist auch Krupp eine Art Star. Am Dienstag war er zu Gast in einer landesweiten Late-Night-Show im Fernsehen. Zum ersten Mal in seinem Leben, sagt Krupp und schmunzelt.

Krupp habe sich gut geschlagen, sagen Beobachter, zusammen mit der slowakischen Eishockey-Legende Jozef "Joschi" Golonka sei er sympathisch rübergekommen. Krupp hat gute Gründe, einigermaßen gelassen zu sein, Deutschland hat bislang eine famose WM gespielt, mit drei Siegen in drei Vorrundenspielen, und das gegen die Größen Russland und die Slowakei sowie gegen Slowenien. An diesem Freitag beginnt die Zwischenrunde, und es gibt keine Mannschaft mit einer besseren Aussicht auf das Viertelfinale als die deutsche.

Die Zwischenrunde ist eine jener sonderbaren Modus-Konstruktionen, die sie sich im Eishockey immer wieder mal überlegen. Es gibt sie seit 1998, sie wurde oft von Spielern und Trainern wie auch Zuschauern als sinnlos beschimpft, weil sie ein Turnier künstlich verlängert und verkompliziert. Der Weltverband IIHF hat die Beschimpfungen mittlerweile mitbekommen und deshalb die Zwischenrunde nun in Rente geschickt; in der Slowakei gibt es sie zum letzten Mal.

Dieses eine Mal aber ist der Modus noch umständlich, er geht so: Die Teams wurden zu Beginn in vier Gruppen zu je vier Mannschaften eingeteilt. Nach drei Spieltagen muss jetzt der jeweils Vierte in die Abstiegsrunde, die ersten Drei steigen in die Zwischenrunde auf, wobei sie alle Punkte mitnehmen, ausgenommen der Punkte gegen den jeweiligen Gruppenletzten.

Die Zwischenrunde besteht aus zwei Gruppen zu je sechs Mannschaften, davon scheiden nach drei weiteren Spieltagen die jeweils beiden Letzten aus, die ersten Vier qualifizieren sich fürs Viertelfinale. Deutschland steht in der ersten Gruppe mit Tschechien, Finnland, Dänemark, Russland und der Slowakei, wobei jeder nur noch gegen die Teams antritt, gegen die er in der Vorrunde noch nicht gespielt hat.

Deutschland belegt derzeit mit Tschechien punktgleich mit je sechs Punkten den ersten Platz und tritt noch gegen Finnland (Freitag), Dänemark (Samstag) und Tschechien (Montag) an. Es sieht also ganz gut aus für Deutschland, historisch gut: Mit nur einem Sieg aus diesen drei Partien steht Deutschland auf jeden Fall im Viertelfinale.

Das mit einer jungen und unerfahrenen Mannschaft angetretene Dänemark gilt als der schwächste Gegner, aber das sei egal, sagt Kapitän Michael Wolf: "Wir haben ja schon bewiesen, dass wir auch mit den Großen mitspielen können." Auch das Selbstvertrauen der deutschen Eishockeyspieler hat einen historischen Höhepunkt erreicht. Und die Gegner haben ungewohnten Respekt vor ihnen.