Eishockey-WMVideobeweis? Viel zu riskant

Lesezeit: 4 Min.

Warum challengen wir nicht? - Weil es dafür keine Challenge gibt! - Regelkundlicher Unterricht an der deutschen Bank nach dem 3:3 zwischen Torhüter Philipp Grubauer und Bundestrainer Harold Kreis.
Warum challengen wir nicht? - Weil es dafür keine Challenge gibt! - Regelkundlicher Unterricht an der deutschen Bank nach dem 3:3 zwischen Torhüter Philipp Grubauer und Bundestrainer Harold Kreis. Denis Balibouse/Reuters
  • Deutschland verliert gegen die USA 3:4 nach Penaltyschießen, nachdem ein umstrittener Ausgleichstreffer sechs Minuten vor Schluss nicht abgepfiffen wurde.
  • Torwart Grubauer kritisiert die Schiedsrichterentscheidung als "klare Fehlentscheidung".
  • Mit einem Punkt bleibt Deutschland im Rennen ums Viertelfinale und braucht drei Siege gegen Ungarn, Österreich und Großbritannien.
Von der Redaktion überprüft

Diese Zusammenfassung wurde mit der Unterstützung einer generativen künstlichen Intelligenz erstellt. Lesen Sie mehr über unseren Umgang mit KI.

Fanden Sie diese Zusammenfassung hilfreich?
Mehr Feedback geben

Das DEB-Team verpasst gegen die USA den ersten WM-Sieg, weil der Schiedsrichter eine rüde Attacke gegen Torwart Grubauer nicht abpfeift. Immerhin reicht es zu einem Punkt, der die Hoffnung aufs Viertelfinale leben lässt.

Von Johannes Schnitzler

SZ bei Google bevorzugen

Man darf sich den Dialog in etwa so vorstellen: „Wos?!“ –  „Wir dürfen keine Challenge nehmen.“ – „Ha?!“ – „Wir dürfen nicht challengen.“ – „Sag amoi, spinnt der Beppi?!?!“

In der WM-Partie gegen Titelverteidiger USA führte die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft am Mittwochabend in Zürich 3:2 und war auf dem Weg zu ihrem ersten Sieg im vierten Turnierspiel. Der deutsche Schlussmann Philipp Grubauer widerstand allen Angriffen. Bis die Amerikaner sechs Minuten vor dem Ende der regulären Spielzeit den Moment gekommen sahen, eine zusätzliche Prise Pfeffer in die Partie zu streuen, und Tommy Novak und Declan Carlile offenbar Lust auf rohes Gehacktes bekamen.

Eishockey-Nationaltorwart Philipp Grubauer
:„Im Pferdestall sammle ich meine Energie“

Eishockey-Nationaltorhüter Philipp Grubauer über seine schwierige Saison in der NHL, den Konkurrenzkampf im WM-Team, die Veränderungen in den USA – und den Traum von einer Ranch in Montana.

SZ PlusInterview von Johannes Schnitzler

In einem wilden Schlägergefecht schlug Carlile mehrmals auf die Fanghand Grubauers, einmal, zweimal, dreimal, bis er die Scheibe frei geklopft und zu Novak geschubst hatte, der sie ins Tor schob. 3:3, Verlängerung, Penaltyschießen und schließlich die deutsche 3:4-Niederlage folgten. Nun neigt der gebürtige Rosenheimer Grubauer, 34, nicht zur Klage. Seit 14 Jahren spielt er in der National Hockey League, er ist harte Attacken gewohnt. Und wie er der SZ einmal anvertraut hat: „Wenn die mich pushen, pushe ich zurück, wenn es einen Stockschlag auf die Fanghand gibt, dann gibt es einen Stockschlag zurück, da scheiß i mir nix.“ Aber diesen Gegentreffer wollte er bitte schön noch einmal diskutiert haben.

Hey, Ref, was war das? Aber der kanadische Referee Taylor Burzminski rief sofort: „I saw it the whole time!“, die Scheibe sei immer frei und spielbar gewesen. Grubauer sah das anders. Er sei mit der Fanghand auf der Scheibe gewesen, damit ist das Spiel üblicherweise unterbrochen. „Ich war zweimal mit der Fanghand drauf. Ich weiß nicht, wie lange ich die Scheibe festhalten soll.“ Aber Carlile stocherte und schlug und stocherte, die Unparteiischen pfiffen nicht – und dann lag der Puck im deutschen Tor. „Normalerweise sage ich so was nie, aber: Klare Fehlentscheidung!“, sagte Grubauer. „Und dass wir das nicht noch mal im Video haben nachschauen lassen, hat mich auch gewundert, bei so einem Spiel und so einer wichtigen Entscheidung so kurz vor Schluss.“

So schnell gibt ein Grubauer aber nicht auf. Also fuhr er zur Bank und fragte (s.o.) auf gut Bairisch nach, warum eigentlich niemand eine Challenge nimmt. Antwort von Bundestrainer Harold Kreis: „Weil es dafür keine Challenge gibt.“ So habe ihm der Schiedsrichter das mitgeteilt.

„Schade, das war eigentlich ein geiles Spiel von uns“: Torhüter Philipp Grubauer, hier gegen US-Stürmer Matt Coronato, hielt die deutsche Mannschaft lange auf Siegkurs.
„Schade, das war eigentlich ein geiles Spiel von uns“: Torhüter Philipp Grubauer, hier gegen US-Stürmer Matt Coronato, hielt die deutsche Mannschaft lange auf Siegkurs. Ennio Leanza/AFP

Zur Erklärung: Die Trainer können strittige Tore per Video überprüfen lassen. Haben sie recht, wird ein Tor zurückgenommen, etwa wenn eine Abseitsposition vorlag. So wie beim vermeintlichen 2:2 von Kai Wissmann, als Joshua Samanski zuvor die Scheibe aus der Offensivzone gerutscht war. Die Amerikaner challengten, der Treffer zählte nicht wegen der vorangegangenen Regelwidrigkeit.

Die Szene mit Grubauer lag anders: Der Schiedsrichter hatte nicht gepfiffen, weil er in der Szene keine Regelwidrigkeit erkannt haben wollte. Und auf Torhüterbehinderung zu spekulieren, war dem deutschen Trainerstab zu riskant. Das hätten die Videobilder nicht eindeutig belegen können. Wäre der deutsche Protest widerlegt worden, hätte das Tor gezählt und es hätte obendrein eine Zweiminutenstrafe gegen das DEB-Team gegeben. Möglicherweise wären Kreis und seine Spieler dann zum vierten Mal im vierten Spiel mit leeren Händen dagestanden. „Das darf man nicht außer Acht lassen“, sagte Kreis. So einigte man sich auf den positiven Aspekt des Ergebnisses: Ein Punkt ist besser als keiner. Tiffels, der am Mittwoch seinen 31. Geburtstag feierte und das – reguläre – 2:2 erzielt hatte, sagte: „Jetzt haben wir einen Fuß in der Tür und wollen den Schwung mitnehmen.“

Allerdings muss die DEB-Auswahl dabei auf Daniel Fischbuch verzichten. Der Stürmer zog sich im Spiel gegen die USA einen Handbruch zu und reiste am Donnerstag ab. Als Ersatz nominierte der Deutsche Eishockey-Bund vor den letzten drei Vorrundenspielen Alexander Karachun nach.

„Die Zahnräder haben heute ineinander gegriffen“, sagt Bundestrainer Kreis

Die frühe Führung durch Kapitän Moritz Seider, der nach 60 Sekunden zum 1:0 traf, tat der verunsicherten deutschen Mannschaft gut. Doch auch nach dem unnötigen 1:1 nach einem Fehler von Tiffels, dem 1:2 und dem zunächst nicht gegebenen Ausgleich gingen die Köpfe diesmal nicht nach unten wie gegen die Schweiz, als binnen drei Minuten drei Treffer fielen, Endstand 1:6. „Die Zahnräder habe heute ineinander gegriffen“, sagte Harold Kreis, „jeder hat bedingungslos in beide Richtungen gekämpft.“ Nach einem Konter über Alexander Ehl kam seine Mannschaft durch den Mannheimer Marc Michaelis (33.) zur 3:2-Führung, die bis zur 55. Minute hielt – aber nicht zum Sieg reichte. „Schade“, sagte Philipp Grubauer, „das war eigentlich ein geiles Spiel von uns“.

Trotz der Niederlage – im Penaltyschießen traf für Deutschland nur Samanski, für die USA Matt Coronato und letztlich entscheidend Ryan Leonard – „gehen wir heute mit einem viel besseren Gefühl aus dem Spiel als aus den drei anderen“, sagte Tiffels. „Das war eine gute Antwort, die uns Mut machen sollte.“ So sah es auch Michaelis: „Wir haben heute viel bessere Entscheidungen getroffen. Dieser Punkt kann noch sehr wichtig werden.“ Denn dieser eine Punkt erhält die Aussicht auf das Viertelfinale.

Die Rechnung geht so: Gegen Ungarn am Freitag (16.20, Pro Sieben und MagentaSport), Österreich am Samstag und Großbritannien am Montag müssen drei glatte Siege her, dann hätte die deutsche Mannschaft zehn Punkte auf dem Konto. Österreich, das am Mittwoch der Schweiz noch eher schmeichelhaft 0:9 unterlag, darf bei neun Punkten keinen weiteren Sieg mehr holen, während die Letten, 2:0-Bezwinger der Deutschen, durch ihre anschließende Niederlage gegen Österreich ihre Chancen schon fast wieder verspielt haben.

Auch 2023 war die deutsche Mannschaft mit drei Niederlagen ins Turnier gestartet. Und gewann am Ende Silber. Es gibt davon eindeutige Videos.

© SZ - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
Zur SZ-Startseite

Weltmeisterschaft in der Schweiz
:Spielplan der Eishockey-WM 2026: Alle Spiele im Überblick

Nach Olympia ist vor der WM: Seit dem 15. Mai läuft die Eishockey-Weltmeisterschaft in der Schweiz. Der Spielplan mit allen Ergebnissen.

Von Marko Zotschew

Lesen Sie mehr zum Thema

  • Medizin, Gesundheit & Soziales
  • Tech. Entwicklung & Konstruktion
  • Consulting & Beratung
  • Marketing, PR & Werbung
  • Fahrzeugbau & Zulieferer
  • IT/TK Softwareentwicklung
  • Tech. Management & Projektplanung
  • Vertrieb, Verkauf & Handel
  • Forschung & Entwicklung
Jetzt entdecken

Exklusive Gutscheine für SZ-Abonnenten: