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Eishockey-WM:Korbinian Holzer, die "Drecksau" bei den deutschen Halbfinalisten

05.11.2020, xjhx, Eishockey Deutschland Cup 2020, Deutschland - Deutschland Team Peking emspor, v.l. Korbinian Holzer (D

An diesem Samstag um 17.15 Uhr im Halbfinale gegen Finnland: Korbinian Holzer, 33.

(Foto: Jan Huebner via www.imago-images.de/imago images/Jan Huebner)

Wie sich der Verteidiger im Team selber sieht - und welche Bedeutung er dort hat.

Von Christian Bernhard

1,90 Meter groß, 99 Kilogramm schwer und der rötliche Bart: Korbinian Holzer ist eine stattliche Erscheinung. Auf Schlittschuhen wirkt dieses Paket von Mann noch einmal imposanter - es macht den 33-Jährigen zu einem Eishockey-Abwehrspieler, wie man ihn sich vorstellt. Holzer sagt über sich selbst, wenn es aufs Eis gehe, sei er eine "Drecksau". Er meint damit, dass er gerne hart und auch an der Grenze spielt.

Korbinian Holzer ist eines der prägenden Gesichter der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft, die durch den 3:2-Viertelfinalsieg gegen die Schweiz erstmals seit 2010 wieder in ein Weltmeisterschaftshalbfinale eingezogen ist. Das deutsche Team zeichnet bei der WM in Riga (Lettland) ein besonderes Wir-Gefühl aus - und großer Kampfgeist. Wie Holzer sich beim 3:1-Vorrundensieg gegen Kanada, dem Mutterland des Eishockey, in die gegnerischen Schüsse warf und sie mit jeglichem Körperteil blockte: Das steht stellvertretend für die Opferbereitschaft der Mannschaft. Einen gegnerischen Schuss zu blocken, sei für ihn fast genauso wichtig, wie es für andere sei, ein Tor zu schießen, sagt er

Im Fußball ist er 1860-Fan. Der Vater befahl es

"Das Wort, das am besten zu Korbinian passt, ist: solide", sagte der ehemalige Bundestrainer Uwe Krupp einst. Er meinte das positiv. Es ist für die Gegner schwer, an Holzer vorbeizukommen - bei der WM in Riga dauerte es bis zum achten Turnierspiel, ehe das deutsche Team ein Gegentor kassierte, während Holzer mit auf dem Eis stand. Der einstige Bub aus Gelting bei Wolfratshausen hat es in der Eishockeywelt weit gebracht, er hat es in die National Hockey League, kurz NHL, in Nordamerika geschafft und auch in Russland gespielt. Beides können wenige deutsche Spieler vorweisen.

Trotzdem ist Holzer bodenständig geblieben, seine Autogrammkarte stand bereits auf der Eckbank am Stammtisch beim "Alten Wirth" in Gelting, bevor er den Sprung nach Nordamerika wagte. Und was den Fußball betrifft, verhält es sich mit der Bodenständigkeit so: Als er einst seinem Vater als Bub eröffnete, er werde jetzt Fan des FC Bayern, "weil im Kindergarten alle Bayern-Fans sind", schaute sein Vater ihn an und sagte ihm ruhig: "Das glaube ich nicht. Dein Opa war schon Sechzger-Fan, ich bin Sechzger-Fan, und du bist auch ein Sechzger-Fan." So blieb es, mit der Folge, dass Holzer sich auch abseits des Eishockeys mit sportlichem Leiden und Schmerz auskennt. In der nächsten Saison wird er für die Adler Mannheim spielen.

Weltmeister werden? Hörte sich vor dem Turnier vermessen an

Anders als im Fußball finden Eishockey-Weltmeisterschaften jedes Jahr statt, da der Weltverband IIHF auf jährliche WM-Einnahmen angewiesen ist. Der späte Termin für eine Winter-Sportart rührt daher, dass die nationalen Ligen meist erst Anfang Mai zu Ende gehen. In Nordamerika laufen die Playoffs sogar jetzt noch, weshalb viele der besten Spieler gar nicht zu den Weltmeisterschaften kommen können. Dieses Jahr wird die WM von politischen Debatten begleitet. Eigentlich hätte das Turnier auch in Belarus stattfinden sollen, doch die IIHF entzog dem Land die Co-Gastgeberrolle. Offiziell "aufgrund von Sicherheitsaspekten", doch die IIHF war unter Druck geraten, da zwei Hauptsponsoren ihren Rückzug angekündigt hatten, falls das Turnier in Belarus ausgetragen würde.

Für Holzer schließt sich nun ein Kreis. Als einziger deutscher Spieler war er schon bei der Heim-WM 2010 dabei, als die deutsche Mannschaft durch einen 1:0-Viertelfinalsieg über die Schweiz erstmals in der modernen Eishockey-Ära ins WM-Halbfinale eingezogen war, an diesem Samstag um 17.15 Uhr gegen Finnland. "Das war unglaublich", sagt er. Elf Jahre später ist der deutsche Anspruch ein anderer - die Olympia-Silbermedaille 2018 hat den Spielern neues Selbstbewusstsein eingehaucht. Wenn er sich etwas wünschen dürfte, wäre es, "dass wir Weltmeister werden", hatte Holzer vor dem WM-Start gesagt; auch wenn manch einer dazu wohl sagen werde, "der spinnt ja". Das Finale ist für Sonntagabend angesetzt.

© SZ
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