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Eishockey-WM: Halbfinale:Weiter im Frühlingsmärchen

Ein Tor mit einer besonderen Geschichte beschert den Deutschen ein 1:0 gegen die Schweiz, den Einzug ins Halbfinale - und eine Massenschlägerei nach dem Abpfiff.

Irgendwie musste der Frust raus. In kaum einer anderen Mannschaftssportart entlädt sich Frust so oft auf dem Spielfeld wie im Eishockey. Da hatten die Schweizer mehr als 60 Minuten im WM-Viertelfinalspiel gegen Deutschland alles versucht, um zum Torerfolg zu kommen - doch alle Angriffe waren misslungen.

Eishockey ddp

Das Viertelfinale zwischen Deutschland und der Schweiz endete mit einer Schlägerei.

(Foto: Foto: ddp)

So schickten sie sich an, wenigstens mit der Faust ein paar Treffer zu erzielen.

Kaum war die Partie abgepfiffen, kaum war Deutschland mit einem unterm Strich etwas glücklichen 1:0 ins Halbfinale eingezogen, da entstand auf dem Eis eine Massenschlägerei - und die deutsche Mannschaft konnte mit Blick auf das Halbfinale froh sein, dass sich keiner ihrer Spieler eine Strafe einhandelte. "So etwas kann passieren. Das war ein hoch emotionales Spiel", sagte Bundestrainer Uwe Krupp.

So durften sich Krupp und seine Mannschaft uneingeschränkt über den Überraschungserfolg freuen, für den es wahrscheinlich keinen besseren Torschützen hätte geben können als Philip Gogulla.

Noch im letzten Zwischenrundenspiel gegen die Slowakei war der 22-Jährige, der in der nordamerikanischen AHL für die Portland Pirates spielt, überhaupt nicht berücksichtigt worden - und nun sorgte er im Viertelfinale gegen die Schweiz mit seinem Tor für den 1:0-Sieg und damit für den ersten Halbfinal-Einzug einer deutschen Eishockey-Mannschaft seit 1938.

"Das ist natürlich ein geiles Gefühl. Wir haben heute Geschichte geschrieben. Das ist die geilste Mannschaft, in der ich je gespielt habe", jubelte Gogulla im Rausch der Siegesgefühle.

Von der Tribüne zum Matchwinner, solche Anekdoten sind es, die ein Turnier braucht, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. Denn Deutschland ist ja dabei, die letzte Lücke im Jahreszeitenzyklus der Sportereignisse zu schließen.

2006 ging's los, mit dem Sommermärchen der Fußball-Nationalmannschaft, es folgten 2007 das Herbstmärchen, als die deutschen Fußball-Frauen die Weltmeisterschaft für sich entschieden, und das Wintermärchen, als die deutschen Handball-Männer im eigenen Land WM-Gold holten. Und nun also: das Frühlingsmärchen der Puckjäger. Wer hätte das vor wenigen Wochen für möglich gehalten?

Kurz bevor die Eishockey-WM begann, hatte der Sport-Informations-Dienst (SID) eine mittlerweile vielzitierte Umfrage veröffentlicht, welche die Fans und die Funktionäre der Sportart ziemlich missmutig stimmte. Lediglich 13,9 Prozent der Deutschen, so ermittelte die Agentur damals, wussten von dem anstehenden Ereignis. Weniger als sechs Prozent kannten den Trainer der Deutschen, gerade mal 1,5 Prozent den besten Deutschen, NHL-Profi Marco Sturm.

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