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Eishockey-WM: Deutschland:Defensivkünstler im Vorwärtsgang

Die deutsche Mannschaft spielt robust und mutig. Ein Einzug ins WM-Halbfinale wäre ein historisches Ereignis.

Die deutsche Eishockey-Mannschaft steht nach sieben Jahren wieder im Viertelfinale einer WM, aber noch erfreulicher ist, dass sie das attraktivste Eishockey seit langem spielt. Wer auf Ursachenforschung in die Turnierstatistik eintaucht, findet dafür kaum Gründe. Deutschland ist von allen 16 Teams das viertschlechteste bei der Toreffizienz und das schlechteste beim Überzahlspiel. Auch in der Rangliste der Torschützen und Vorlagengeber taucht auf den ersten 30 Plätzen kein Deutscher auf. Der Erfolg liegt nicht an herausragenden individuellen Fähigkeiten. Daniel Kreutzer, der auch beim Viertelfinale 2003 dabei war, sagt: "Gut, dass wir keine Superstars haben."

Eishockey Deutschland Denis Endras, dpa

Hände hoch: Deutschlands Torwart Dennis Endras jubelt über den Einzug ins Viertelfinale.

(Foto: Foto: dpa)

Der Star ist das Team, aber den Trainer Uwe Krupp und den Torwart Dennis Endras muss man trotzdem herausheben. Das Kollektiv überzeugt mit mutiger Offensive, robuster Gangart und einer Defensive, die nur von den überragenden Russen mit sechs Gegentoren unterboten wird. Das ist auch Krupps Verdienst, der erstmals in vierjähriger Amtszeit einen Kader gefunden hat, der seine Philosophie mit Ehrgeiz, Disziplin und Selbstvertrauen umsetzt.

Das Team hat in sechs Spielen nur neun Gegentore bekommen, der Augsburger Endras ist mit einer Fangquote von 95 Prozent zweitbester Torwart der WM. Die Deutschen glänzen defensiv, aber das Schöne ist, dass dies kaum auffällt, weil die Mannschaft bei jeder Gelegenheit nach vorne geht. Dass sie dort zu viele Chancen vergibt, ist das einzige Manko eines Teams, das reif wäre für ein Halbfinale.

Am 19. Februar 1938 in Prag stand Deutschland zuletzt im Halbfinale einer regulären WM (beim deutschen Silbergewinn 1953 beendeten nur drei Nationen das Turnier). 1938 verloren unter dem Trainer Bobby Bell Spieler namens Rudi Ball, Gustav Jaenecke, Hans Lang oder Herbert Schibukat 0:1 gegen Kanada und das Spiel um Platz drei 0:3 gegen die Tschechoslowakei.

Wenn die aktuelle Mannschaft gegen die Schweiz gewinnt, dann stehen am Samstag unter dem Trainer Krupp Spieler namens Dennis Endras, Christian Ehrhoff, Daniel Kreutzer oder Marcel Goc 72 Jahre später wieder im Halbfinale. Dies wäre ein historisches Ereignis, und es wäre unerheblich, dass die WM-Euphorie dem Verband oder der siechenden Liga kaum weiterhelfen würde. Es wäre einfach ein grandioser Moment für das gebeutelte deutsche Eishockey. Nicht mehr und nicht weniger.

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