Eishockey-Nationalteam vor der WMLosgeflogen mit einem mulmigen Gefühl

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Noch nicht ganz in WM-Form: die DEB-Auswahl um Lukas Reichel, Leonhard Pföderl und den neuen Kapitän Moritz Seider (von links).
Noch nicht ganz in WM-Form: die DEB-Auswahl um Lukas Reichel, Leonhard Pföderl und den neuen Kapitän Moritz Seider (von links). Rolf Vennenbernd/dpa

Die 2:5-Niederlage gegen die USA bei der WM-Generalprobe zeigt, dass die deutsche Eishockey-Auswahl noch einige Fehler beheben muss. Ihr Erfolg bei den Titelkämpfen in Dänemark hängt mal wieder von den NHL-Legionären ab.

Von Ulrich Hartmann, Düsseldorf

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Es hat ein bisschen gedauert, ehe die 12 300 Zuschauer bei der ausverkauften Eishockey-WM-Generalprobe in Düsseldorf mal jubeln durften. Bevor der Kölner Justin Schütz bei der 2:5-Niederlage gegen die USA in der 48. und 54. Minute die deutschen Treffer erzielte, waren die besten heimischen Schüsse aus einer T-Shirt-Kanone gekommen, mit der in der ersten Pause Textilien ins Publikum gefeuert wurden. „Wir haben erst im letzten Drittel gezeigt, dass wir mithalten können“, gestand Schütz, der in der Deutschen Eishockey Liga von den Kölner Haien zu den Adlern Mannheim wechselt, hinterher.

Am Montagvormittag sind die deutschen Eishockey-Spieler vom Flughafen Köln/Bonn zur Weltmeisterschaft nach Dänemark losgeflogen. Am Samstag absolvieren sie gegen Ungarn ihr erstes von sieben Gruppenspielen in Herning. Die nächsten Gegner sind Kasachstan und Norwegen. Gegen die Nummern 18, 15 und 12 der Weltrangliste können die Deutschen (8.) das Toreschießen noch ein bisschen üben, ehe es anschließend gegen die Schweiz (5.), die USA (6.) und Tschechien (4.) ernst wird. Letzter Gruppengegner ist Dänemark (11.). Deutschland peilt in der Achtergruppe einen der ersten vier Plätze und damit das Viertelfinale an.

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„Wir haben schon noch sehr viel zu arbeiten“, sagte Schütz am Sonntagabend. „Gegen die USA konnte man perfekt die Fehler erkennen.“ Außer schwachen Torabschlüssen waren das auch zu viele leichte Scheibenverluste. Dass die deutsche Auswahl in Herning fünf Tage zum Eingewöhnen hat, findet der 24-Jährige gut. „Es ist wichtig für den Teamspirit, dass wir gemeinsam was unternehmen und zusammenwachsen – und dann spielen wir hoffentlich eine sehr gute WM.“

Dass dazu vom Torjäger Schütz einiges abhängen wird, war im finalen Test gegen die USA gut zu erkennen. „Wir müssen mehr Schüsse aufs Tor bringen, mehr Volumen generieren, den Abschluss suchen“, sagte hinterher Moritz Seider von den Detroit Red Wings. Seider, mit 8,55 Millionen Dollar Jahressalär einer der bestverdienenden deutschen Eishockeyspieler, ist als Defensivspieler für die Torausbeute zwar nur bedingt zuständig, als neuer Kapitän für den verletzten Moritz Müller kommt auf den 24-Jährigen bei der WM aber eine umso tragendere Rolle zu. „Das macht mich stolz“, sagt Seider über das große C auf seinem Trikot, will sich davon aber nicht allzu sehr beeindrucken lassen: „Das ist auch nur ein Buchstabe.“

Sie hoffen bei der Eishockey-WM alle noch auf Tim Stützle, der mit Ottawa in den NHL-Playoffs ausgeschieden ist

Seider ist einer von derzeit vier Nordamerika-Legionären, die zum deutschen WM-Kader gehören. Torwart Philipp Grubauer (Seattle), Abwehrspieler Lukas Reichel (Chicago) und Angreifer Maksymilian Szuber (Tucson) sind die anderen drei. Im Deutschen Eishockey-Bund (DEB) hofft man, dass in dieser Woche noch der Stürmer Tim Stützle zum Team stößt, da er mit den Ottawa Senators in den Playoffs der National Hockey League (NHL) bereits ausgeschieden ist. Sicher ist seine WM-Teilnahme aber trotzdem noch nicht.

„Wir haben alle gelesen, dass er kommen will – jetzt liegt es an Ottawa und am DEB, das zu ermöglichen“, sagt Schütz, „Tim ist einer der Besten der Welt, einen Spieler mit seiner Qualität nimmt jede Mannschaft gern.“ Allerdings ist Stützle offenbar gerade gar nicht vollends fit. „Ich werde meinem Körper erst mal ein paar Tage Pause gönnen“, ließ der 23-Jährige am Wochenende verlauten. „Tim lässt sich die nächsten Tage noch behandeln – und dann schauen wir“, sagte am Sonntagabend der DEB-Sportdirektor Christian Künast. Stützle macht dem deutschen Team aber durchaus Hoffnungen, wenn er sagt: „Ich würde wirklich gerne die WM für Deutschland spielen.“

Wie immer hängt viel bei einer Weltmeisterschaft von den Cracks aus Übersee ab. Als Deutschland vor zwei Jahren bei der WM sensationell die Silbermedaille gewann, war der NHL-Profi John-Jason Peterka mit sechs Toren und sechs Assists der drittbeste Scorer des ganzen Turniers und wurde zusammen mit Seider ins Allstar-Team gewählt. Auch der Angreifer Nico Sturm (6+2) und der Abwehrspieler Kai Wissmann (1+8) gehörten vor zwei Jahren zu den besten 15 WM-Scorern. Sie sind alle drei diesmal nicht dabei. Sturm spielt mit den Florida Panthers noch NHL-Playoffs, Peterka (zuletzt Buffalo Sabres) ist derzeit vertragslos und hatte frühzeitig vorgewarnt: „Ohne einen neuen Vertrag fahre ich nicht zur WM.“ Und Wissmann vom Meister Eisbären Berlin ist verletzt.

Es fehlen mithin wichtige Spieler, das wurde auch am Sonntag gegen die USA deutlich. Der Bundestrainer Harold Kreis fand den deutschen Auftritt „zu passiv“, will aber trotzdem genügend positive Ansätze gesehen haben, um eine gute WM zu erwarten. Zu weit aus dem Fenster lehnen mag er sich aber nicht. Als er ein bisschen provokativ gefragt wurde, ob es für sein Team nach zwei Viertelfinals (2022 und 2024), einem Halbfinale (2021) und einem Finale (2023) nicht an der Zeit sei, auch mal mehr als das Viertelfinale als WM-Ziel auszugeben, reagierte er zurückhaltend. „Man muss doch einen Schritt nach dem anderen machen“, antwortete der 66 Jahre alte gebürtige Kanadier und schloss mit einer schönen Metapher: „Ich bin zwar kein Bergsteiger, aber man sagt, man muss von Camp zu Camp gehen und nicht schon zwei Stationen vorausdenken – sonst geht dir der Sauerstoff aus.“

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