Eishockey Viel Verkehr

Jubeltraube mit Schiedsrichter: Die Augsburger freuen sich über den 3:3-Ausgleichstreffer von David Stieler.

(Foto: imago images / kolbert-press)

Den Augsburger Panthern fehlt noch ein Sieg, um ins DEL-Halbfinale vorzurücken - was in der ausgeglichenen Serie gegen Düsseldorf nicht viel heißt

Von Max Ferstl

Mathias Niederberger hatte freie Sicht, kein Gegner stand im Weg, seine Mitspieler hatten sich flach auf das Eis geworfen, um das Schlimmste zu verhindern. Der Düsseldorfer Torhüter konnte also gut sehen, wie sich Augsburgs Stürmer Thomas Holzmann freilief, wie der Pass genau im richtigen Moment kam, wie er den Schläger ein kleines Stück nach hinten zog. Eine Chance hatte Niederberger dennoch nicht, als Holzmann schoss.

Manche Ergebnisse haben eine gewisse Zwangsläufigkeit. Das Duell zwischen den Augsburger Panther und der Düsseldorfer EG ist das ausgeglichenste der Playoff-Viertelfinals. Keiner Mannschaft ist es bisher gelungen, zwei Siege zwischen sich und den Gegner zu legen. Keine ist der anderen auffällig überlegen. Beide rücken - auch ergebnistechnisch - immer dichter zusammengerückt. Die Serie begann mit je zwei klaren Siegen: 7:1, 1:4. Es folgten zwei knappe Partien 4:3, 1:2. Am Sonntagnachmittag kam es dann zur ersten Verlängerung, die Holzmann nach zwei Minuten entschied: 4:3. Die Augsburger Panther sind in der Best-of-seven-Serie wieder in Führung gegangen. 3:2 steht es jetzt. Dem AEV fehlt nur noch ein Sieg, um ins Halbfinale vorzurücken - was natürlich nicht viel heißt.

Playoffs sind immer auch ein Ringen darum, die eigenen Stärken möglichst prominent zur Geltung zu bringen. Augsburg kann schnell und druckvoll kombinieren. Düsseldorf verfügt über große Wucht in der ersten Angriffsreihe - und am Sonntagnachmittag wies die DEG zwei Drittel lang auch die bessere Taktik auf. "Wir müssen mehr Verkehr vor das Augsburger Tor bringen", hatte Düsseldorfs Trainer Harold Kreis vor Spielbeginn bei Magenta Sport als klaren Auftrag formuliert. Mehr Verkehr vor dem Tor bedeutet schlechtere Sicht für den Torhüter. Augsburgs Torhüter Olivier Roy musste häufig im Blindflug navigieren, und er verlor ein paar Mal die Orientierung.

Am Ende eines recht ausgeglichenen ersten Drittels baute sich Düsseldorfs Stürmer Philip Gogulla direkt vor Roy auf, der Ryan McKiernans Schlenzer erst sah, als der Puck im Tor lag (19.). Später - zwischenzeitlich hatte Matthew Fraser für den AEV ausgeglichen (22.) - stand Calle Ridderwall im Blickfeld, als Jerome Flaake einen Schuss ins Tor abfälschte (36.). Als dann auch noch Alexander Barta aus spitzen Winkel zum 3:1 traf (37.), schien kurzzeitig ein klares Ergebnis möglich.

Dann allerdings stellten sich die Düsseldorfer nicht mehr dicht vor dem gegnerischen Tor auf - sondern vor dem eigenen. Plötzlich fanden die Augsburger den Platz vor, den sie für ihr druckvolles Spiel benötigen. Erst bediente Augsburgs Stürmer David Stieler Jaroslav Hafenrichter, der den Puck per Direktabnahme unter die Latte schickte (43.). Kurz vor Schluss, als Roy sein Tor zugunsten eines zusätzlichen Feldspielers verlassen hatte, traf Stieler selbst zum 3:3. "Wir haben das Momentum", sagte er vor der Verlängerung.

Und mit dem Momentum, das jeder Sportler gern auf seiner Seite weiß, gelang den Augsburgern einer der schönsten Angriff der Partie: Holzmann gewann den Puck in der neutralen Zone, spielte einen Doppelpass mit Sahir Gill, und schoss präzise ins Tor. "Nach dem 3:1 so zurückzukommen, ist natürlich eine Wahnsinnssache", sagte er. Dem Momentum-Gefühl dürfte es nicht schaden.