bedeckt München
vgwortpixel

Eishockey:Treffsicherer Bulldog

Eishockey DEL 8 Spieltag Krefeld Pinguine Straubing Tigers am 05 10 2018 im KönigPalast in Krefel; Sven Ziegler

„Vielleicht weiß ich jetzt endlich, wo das Tor steht“: Straubings Sven Ziegler hat seinen persönlichen Treffer-Rekord bereits überboten.

(Foto: imago)

Seit Sven Ziegler von Berlin nach Straubing wechselte, ist der Stürmer zu einem der effektivsten Torjäger der DEL geworden - und bringt Gewinner-Mentalität mit.

Heimatbesuche sind etwas Schönes - besonders dann, wenn man die Heimat schon lange verlassen hat und nur sporadisch dorthin zurückkehren kann. Sven Ziegler hat seinen Geburtsort Nürnberg schon vor neun Jahren verlassen, um in Berlin den Sprung zum Eishockeyprofi zu schaffen. Dass sich dieser Schritt gelohnt hat, beweist der Stürmer der Straubing Tigers seit Wochen - und zuletzt auch dort, wo für ihn alles begann. Ziegler erzielte bei Straubings 2:3-Niederlage nach Verlängerung bei den Nürnberg Ice Tigers einen Treffer und unterstrich damit, dass er derzeit einer der herausragenden Angreifer der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist.

Beeindruckende sieben Tore sind ihm in seinen letzten sieben Partien gelungen. Damit kann er bereits 15 Saisontreffer vorweisen, obwohl er im Schnitt nur 10.42 Minuten Eiszeit hat und damit mehr als vier Minuten pro Partie weniger auf dem Eis steht als alle vor ihm in der Torjägerliste positionierten Spieler.

Ziegler hat seinen persönlichen Torrekord bereits eingestellt, mehr als neun DEL-Treffer pro Saison waren ihm noch nie gelungen. Zudem haben in dieser Saison erst vier deutsche DEL-Spieler öfter als der 24-Jährige getroffen. Warum es vor dem gegnerischen Tor derzeit so gut läuft, kann er sich selbst nicht genau erklären. "An was es jetzt genau liegt, weiß ich nicht", sagt er und fügt lachend an: "Vielleicht weiß ich jetzt endlich, wo das Tor steht." Ein paar solide Faktoren, die dazu beigetragen haben, finden sich aber auch. Er verfüge einen "sehr guten Handgelenksschuss", sagt sein Trainer Tom Pokel. Und er fühlt sich an der Seite seiner Reihenkollegen T.J. Mulock und Vladislav Filin, die er beide noch aus Berliner Zeiten kennt, wohl. "Wir harmonieren super", betont Ziegler, "ich bin richtig zufrieden mit den zwei Jungs."

Auch Pokel sagt: "Diese Reihe hat sich gefunden". Für ihn steht Ziegler stellvertretend für den Straubinger Stil: "Wir sind keine Rennhunde-Mannschaft, wir sind Bulldogs." Und einer seiner Bulldogs sei "auf jeden Fall" Ziegler. Warum, erklärt Ingolstadts Angreifer Laurin Braun, der viele Jahre lang zusammen mit Ziegler für die Berliner Eisbären gespielt hat. "Ziegi ist nicht der Schnellste", sagt er, "aber ist sehr stabil, sobald er am Puck ist." Braun, dessen Ingolstädter ein direkter Tigers-Rivale für einen Platz unter den ersten Sechs sind, freut sich für seinen früheren Teamkollegen: Ziegler habe sich "da unten" gut gemacht. Einfach war das nach neun Jahren Berlin nicht. "Die Umstellung der Spielweise war schwer für ihn", berichtet Pokel, da Ziegler in Berlin Teil einer "Lauf-Mannschaft" gewesen sei. "Jetzt hat er seinen Rhythmus und seine Heimat gefunden."

Beim Thema Heimat muss Ziegler schmunzeln. Als Nürnberger bezeichne er sich ja nicht als Bayer, sondern als Franke, sagt er grinsend, das sei schon mal ein großer Unterschied. Insofern sei er nicht zurück in der Heimat. Zu der ist in den vielen Jahren Berlin geworden, der Angreifer vermisst die Hauptstadt durchaus. "Berlin und Straubing, das ist von der Stadt her ein Unterschied wie Tag und Nacht", sagt er. In Straubing sei alles viel kleiner, "aber nicht viel schlechter". Ziegler mag die Ruhe und die herzliche Art der Menschen, in der Stadt, betont er, "leben alle Eishockey".

Überhaupt schaue er "gerade nicht so wirklich zurück, sondern nach vorne". Das liegt wohl auch an der Rolle, die er zuletzt in Berlin inne hatte. Ziegler war oft überzähliger Stürmer bei den Eisbären, weshalb er sich für etwas Neues entschied. Die letzte Saison sei ziemlich schwer gewesen, "Straubing hat mir die Chance gegeben, eine bessere Rolle zu übernehmen." Und er hat sie ergriffen: "Ich traue mir einfach viel mehr zu." Das war kürzlich bei seinem Tor gegen Tabellenführer Mannheim zu sehen, als er die Scheibe von außen parallel zur Torlinie schoss und den Torhüter damit überraschte. "Wenn man weiß, dass man das Vertrauen des Trainers hat, baut man viel Selbstbewusstsein auf", sagt er.

Trotz seiner Probleme im letzten Berliner Jahr hat der Stürmer auch etwas Wertvolles aus der Hauptstadt nach Straubing mitgebracht. "Er hat diese Gewinner-Mentalität", findet sein Trainer Pokel. Ziegler bringe Top-Mannschaft-Erfahrung und Ruhe mit. Das weiß er auch selbst. "Auch wenn ich nicht der Lauteste in der Kabine bin, bringe ich trotzdem Erfahrung mit rein und kann mit wichtigeren Spielen umgehen", sagt Ziegler mit Verweis auf seine Champions-Hockey-League-Einsätze in der vergangenen Saison.

Europäisch wird er mit den Straubingern so schnell wohl nicht spielen, aber in die Länderspielpause ist Ziegler mit einem deutlich besseren Gefühl gegangen als seine früheren Berliner Teamkollegen: Die Tigers liegen zwölf Punkte vor dem Vorjahresfinalisten und haben als Achter noch Chancen, sich direkt für das Viertelfinale zu qualifizieren. An diesem Freitag im Heimspiel gegen die Kölner Haie (19.15 Uhr) geht es um die nächsten Punkte für dieses Ziel. Womöglich auch wieder mit Toren von Sven Ziegler.