Manchmal ist es nur eine Frage, die den Lauf der Dinge grundlegend verändern kann. Im Fall von Uwe Krupp und dem EV Landshut lautete sie: „Was machst denn du nächstes Jahr?“ Aber der Reihe nach. Krupp ist vor Kurzem von Bernd Truntschka kontaktiert worden, die beiden früheren Nationalspieler kennen sich schon lange. Truntschka wollte Krupps Einschätzung zu vier Trainerkandidaten für den EV Landshut – und die gab ihm Krupp gerne. „Ich habe einen guten Job gemacht, die gut zu verkaufen“, erzählte Krupp lächelnd. Und während die zwei so sprachen, über den EVL und dessen Nachwuchsarbeit, kam plötzlich diese Frage von Truntschka: „Was machst denn du nächstes Jahr?“ Dann sei es „ziemlich ruckzuck“ gegangen, sagte Krupp, „und jetzt stehe ich hier“.
Krupp stand am Mittwochnachmittag in der Landshuter Arena, wo er – und nicht einer der vier ursprünglichen Kandidaten – als neuer Trainer des EV Landshut präsentiert wurde. Der 59-Jährige hat einen Zweijahresvertrag inklusive Option für eine weitere Saison unterschrieben.
Denn Uwe Krupp ist einer der größten Namen des deutschen Eishockeys. Als Spieler gewann er zweimal den Stanley Cup, den begehrtesten Titel im Klub-Eishockey. Nach seiner aktiven Karriere wechselte er ins Trainerfach und arbeitete sechs Jahre als Bundestrainer, bei den Eisbären Berlin, den Kölner Haien, Sparta Prag und zuletzt für einige Monate beim HC Lugano in der Schweiz. Allesamt nicht nur Erstligisten, sondern große Traditionsklubs. Wie kam es also, dass er nun in Landshut, in der DEL2, landet?
Es war eine bunte Mischung aus vielen Faktoren. Zum einen gebe es eine „gewisse Vertrautheit“ mit dem EVL, berichtete Krupp: persönliche Kontakte, wie den zu Truntschka, und auch eine Landshuter Vergangenheit als Spieler: In der Saison 1994/95, als Krupp ein großer Name in der NHL war, lief er fünfmal für den EVL auf, als in der NHL gestreikt wurde. Einer seiner damaligen Mitspieler: Ralf Hantschke, der heutige Landshuter Geschäftsführer. Außerdem sieht Krupp in Landshut die Chance, den Klub über die Profimannschaft hinaus mitzuprägen.
Krupp legt sein Augenmerk, wie schon in Köln, auch auf die Verzahnung zwischen Profis und Nachwuchs
Wenn man sich im deutschen Eishockey umschaue, gebe es nicht so viele Klubs, „die sich nicht unbedingt über ihre Profiabteilung definieren“, sagte Krupp. Die „hervorragende Jugendarbeit“ habe Spieler aus Landshut in die DEL, in die Nationalmannschaft und nach Nordamerika gebracht, „du findest die Arbeit, die hier gemacht wurde, im gesamten deutschen Eishockey“. Diese Tradition „weiter nach vorne zu schieben“, habe ihn überzeugt, sagte Krupp, der auch darauf verwies, dass er diese Verzahnungsarbeit zwischen Profis und Nachwuchs schon in Köln gerne gemacht habe.
Beim EVL legen sie großen Wert darauf, den Übergang der Talente aus der eigenen Jugend in die Profimannschaft zu verbessern. „Es muss uns besser gelingen, die jungen Spieler bei uns zu behalten und in die erste Mannschaft einzubauen“, betonte der Beiratsvorsitzende Michael Imhof. Es gelte zu vermeiden, dass zu viele Nachwuchsspieler „in andere Gefilde“ wechselten. Als erster Schritt, die Nachwuchsphilosophie beim EVL zu stärken, kann die Verpflichtung von David Elsner gesehen werden. Der gebürtige Landshuter kehrt zur neuen Saison nach zehn Jahren in der DEL zum EVL zurück. In den vergangenen drei Spielzeiten erreichten die Niederbayern jeweils das Playoff-Viertelfinale in der zweithöchsten deutschen Spielklasse, „wir sind mittlerweile in der DEL2 angekommen“, sagt Geschäftsführer Hantschke.
Landshut kann aber auch ein heißes Eishockey-Pflaster sein, wie Krupps Vorgänger auf der Trainerbank, Heiko Vogler, zuletzt zu spüren bekam. Vogler sei „bis nach Hause verfolgt“ worden und habe nicht so nette Nachrichten an seinem Briefkasten vorgefunden, berichtete Imhof, „das war sehr unangenehm“. Jetzt, mit Krupp, beginne „wirklich eine neue Zeit“, so der Beiratsvorsitzende.
Krupp ist jetzt erst einmal bei der Weltmeisterschaft in Dänemark und Schweden als TV-Experte im Einsatz. In dieser Funktion wird er bei den deutschen Spielen auch zwei Nationalspieler beobachten, die aus Landshut stammen: Fabio Wagner und Alexander Ehl.


