Eishockey Stock in den Rippen

Unter Strom: EHC-Trainer Don Jackson (Bild) und Kollege Pavel Gross wurden zuletzt mit Geldstrafen belegt.

(Foto: Andreas Pranter/Imago)

Das hart geführte DEL-Finale birgt bislang Vorteile für Mannheim. Es häufen sich unsportliche Zwischenfälle.

Von Max Ferstl

Bevor es um die aktuelle Finalserie in der Deutschen Eishockeyliga (DEL) gehen soll, lohnt sich ein Rückblick ins vergangene Jahr. März 2018, Spiel eins im Halbfinale zwischen Adler Mannheim und dem EHC Red Bull München. Es lief die 47. Minute, als Münchens Angreifer Steve Pinizzotto den Kopf des Mannheimer Stürmers Matthias Plachta gegen die Bande rammte. Plachta blieb auf dem Eis liegen, minutenlang, dann führten ihn seine Kollegen in die Kabine. Die Staatsanwaltschaft nahm Ermittlungen gegen Pinizzotto auf. "Droht jetzt eine Hass-Serie?", fragte eine Lokalzeitung - und übertrieb damit nicht. Plachta kehrte im dritten Spiel zurück, im vierten brach er Münchens Markus Lauridsen mit einem Stockschlag einen Finger.

Im April 2019 ist Matthias Plachta wieder ein prägender Spieler in diesem Duell. Am Ostermontag, im dritten Finalspiel zwischen München und Mannheim, schoss er die Adler nach nur fünf Spielsekunden in Führung - DEL-Rekord. Später gelang ihm noch eine Vorlage. Er ist mitverantwortlich dafür, dass Mannheim das dritte Spiel der Best of 7-Serie 4:1 gewonnen hat und nun mit 2:1 Siegen vorn liegt.

Plachta wird gerade zurecht gefeiert. Gleichzeitig ist der 27 Jahre alte Nationalspieler eine Symbolfigur für die extremen Emotionen, die Spiele zwischen Mannheim und München hervorrufen; und auch dafür, wie hässlich Eishockey werden kann, sobald Härte in Brutalität kippt.

Ist das noch branchenübliche Härte? Oder grob unsportlich?

Noch hat es im Finale 2019 kein Foul gegeben, für das sich die Staatsanwaltschaft interessiert. Beachtlich ist die vorläufige Schadensbilanz dennoch. Die Serie war noch keine zehn Minuten alt, da kollidierte vor der Münchner Spielerbank EHC-Stürmer Mark Voakes mit Markus Eisenschmid, einem der besten Mannheimer Angreifer, der schon acht Tore in den Playoffs geschossen hat. Der Mannheimer blieb liegen, die Schiedsrichter erkannten jedoch keine Absicht bei Voakes. Ganz anders beurteilte der Verunfallte die Szene: "Ich hatte einen Stock in den Rippen und bekam keine Luft mehr." Auf die Frage, ob er sich von den Münchnern gejagt gefühlt habe, antwortete Eisenschmid: "So habe ich es auch wahrgenommen."

Spiel zwei: Voakes, Verursacher des Zusammenpralls, Lenker des Münchner Spiels, verletzt sich in einem Zweikampf und verpasst die dritte Partie. Im Anschluss belegt die Liga die Trainer Pavel Gross (Mannheim) und Don Jackson (München) mit Geldstrafen. Sie sollen zugelassen haben, dass sich Spieler von der Bank aus ins Handgemenge auf dem Eis einmischen.

Spiel drei: Nach zweieinhalb Minuten krümmt sich Sinan Akdag auf dem Eis. Sein Gegenspieler Trevor Parkes, mit dessen Knie der Mannheimer Verteidiger zusammengestoßen war, erhält eine Spieldauerstrafe, weil die Schiedsrichter Parkes ein absichtliches Foul zur Last legen. Konnte man bei Parkes' Vergehen noch zu einem anderen Urteil kommen, gab es bei Tobias Eder keinen Zweifel: Der Münchner drosch im Schlussdrittel seinen Schläger von hinten zwischen Thomas Larkins Beine.

Ist das noch die branchenübliche Härte, die sich nicht vermeiden lässt, wenn sich zwei Mannschaften um den wichtigsten Titel im deutschen Eishockey zanken? Noch dazu zwei Mannschaften, die ähnlich aufgebaut wurden, die ähnlich groß und schwer sind - und deren Spielanlage von großer körperlicher Wucht geprägt ist? Oder werden Verletzungen wichtiger Spieler des Gegners zumindest in Kauf genommen? Ja sogar bewusst herbeigeführt, wie Eisenschmid es andeutete?

"Es sind die letzten Spiele der Saison, da geht es hart zur Sache", erklärte Mannheims Trainer Gross nach der ersten Partie eher schlicht. Münchens Don Jackson sagte am Montagabend: "Es gibt Sachen, die wir nicht kontrollieren können." Es war allerdings nicht ganz klar, was er damit meinte. Fest steht, dass die Mannheimer mit den Reibereien besser zurecht kommen. "Wir sitzen zu viel auf der Strafbank, und dort gewinnst du keine Spiele", klagte Münchens Stürmer Yasin Ehliz. Während dem Titelverteidiger vor dem vierten Spiel an diesem Mittwoch (19.30 Uhr) in München diverse Stammspieler verletzt fehlen, hat Mannheim fast zu viele hochkarätige Spieler im Kader. Nicht einmal für den etatmäßigen Kapitän Marcus Kink ist derzeit eine Stelle frei. Kink sitzt nur auf der Tribüne. Zumindest so lange, bis einer seiner Kollegen ausfällt.