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Eishockey:Spät ergeben sich die Tiger

EHC-Negativserie endet mit 3:2 in Straubing in der Nachspielzeit. Ausgerechnet im Spitzenspiel der DEL reißt damit die Erfolgsserie des Herausforderers: Er verlor nach elf Heimsiegen daheim wieder eine Partie.

Die erste schlechte Nachricht empfingen einige Straubinger bereits vor dem Spiel. Am Dienstagnachmittag hatten ihre Tigers aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) im Internet gemeldet, dass sie alle 5730 Karten gegen den EHC Red Bull München verkauft hatten. In ganz Niederbayern hatte sich die Kunde bis kurz vor dem DEL-Spitzenspiel noch nicht rumgesprochen, ein paar Straubinger mussten abgewiesen werden. Zum Ende des Abends wurde es dann noch bitterer für die Fans - egal ob vor dem Fernseher oder im Stadion: Denn der EHC München hat die Tigers besiegt und nach vier Pflichtspielniederlagen wieder gewonnen, 3:2 (0:0, 0:2, 2:0, 1:0). Nach einer dramatischen Partie in der Verlängerung: 4,9 Sekunden vor dem Ende traf Yannic Seidenberg. Der EHC verteidigt mit 63 Punkten damit seine Tabellenführung, die er nur bei einer Niederlage nach 60 Minuten verloren hätte, die Tigers bleiben Zweiter. Sie verloren nach elf Heimsiegen wieder eine Partie.

Die Fans am Straubinger Pulverturm waren zwar gewohnt laut, doch eine gewisse Anspannung machte sich unter ihnen schon breit ob der wegweisenden Partie. Und diese Anspannung war auch auf dem Eis erkennbar, der Straubinger Sena Acolatse handelte sich schon in der ersten Minute die erste Strafzeit ein - kurz nachdem sein Verteidigerkollege Fredrik Eriksson den ersten Schuss aufs Tor des Münchners Daniel Fießinger abgab, dem Ersatz der beiden verletzten Nationaltorhüter Danny aus den Birken und Kevin Reich. In diesem Tempo ging es weiter, auch wenn die Tore fehlten - und die Münchner nach der ersten Überzahl in die Defensive gerieten: Straubings Travis James Mulock schoss den Puck ans Außennetz, Acolatses Schlagschuss parierte Fießinger (5.). Der EHC schien überfordert mit den Emporkömmlingen, derzeit zwölf Ausfälle machen sich auch in einem Luxuskader bemerkbar.

Die erste Drittelpause kam für den EHC so zur rechten Zeit, doch auch ins zweite Drittel fand er schlechter, wieder musste Fießinger zweimal in höchster Not retten. Erst eine zwischenzeitliche Vier-gegen-vier-Phase brachte die spielstärkeren Münchner zurück ins Spiel und ihnen fast die Führung: Jason Jaffray schoss nach einem Querpass vor dem Tor von Jeff Zatkoff aufs leere Toreck, mit einem flinken Sprung dorthin schnappte sich der Torwart aber gerade noch den Puck (35.). Straubing wackelte - antwortete dann jedoch mit der Konsequenz eines über Jahre gewachsenen Teams: Sven Ziegler schoss von links aufs Tor, Fießinger wehrte ab, aber im Nachsetzen stocherte Tigers-Kapitän Sandro Schönberger den Puck über die Linie (37.). Womit er einen niederbayerischen Urschrei auslöste: Ein herrlich lautes "Jaaaaa" aus 5000 Kehlen. Die Tiger waren geweckt und legten direkt nach. Eriksson traf nach einer Kombination über Acolatse Straubings Topscorer Mike Connolly von der blauen Linie ins kurze Eck (39.). Die Zuschauer standen schon da auf, um ihren Straubingern zu applaudieren.

Doch die Münchner kamen zurück. Acolatse musste nach einem Check gegen den Kopf auf die Strafbank, Kohl wegen Hakens (45.). Fünf gegen drei also, ein ganzes Stadion pfiff - doch der Angreifer Chris Bourque ließ sich nicht beirren und traf nach einem feinen Pass vom EHC-Topscorer Mark Voakes zum schnellen 1:2 (46.). Es wurde spannend am Pulverturm - die Strafzeiten mehrten sich: Jaffray geriet mit Tigers-Stürmer Mitchell Heard aneinander, beide mussten für zwei Minuten vom Eis (47.). Auch Kohl erhielt eine Strafe und eröffnete dem EHC die Ausgleich-Chance, die Seidenberg mit dem zweiten Münchner Powerplay-Tor nutzte (55.). Das Spiel ging in die Verlängerung, in der dann erneut Yannic Seidenberg die Vorlage von Voakes 4,9 Sekunden vor dem Ende über die Linie schubste. Plötzlich war's stad am Pulverturm.

© SZ vom 18.12.2019
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