Corona-Krise:Botschaft der Hoffnung fürs deutsche Eishockey

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Daniel Hopp mit dem Pokal beim Spiel Adler Mannheim gegen den EHC Red Bulls Muenchen am 26 04 2019 i; Daniel Hopp

Der bisher letzte Geschäftsführer eines DEL-Klubs, der den Meisterpokal wuchtete: Daniel Hopp, 2019.

(Foto: Michael Bermel/Eibner/imago)

Monatelang galten Spiele ohne Zuschauer als unvorstellbar für die Deutsche Eishockey Liga. Nun verdichten sich die Zeichen, dass sie trotzdem einen Saisonstart im Dezember beschließt.

Von Johannes Schnitzler

Die Vorboten hatten in den vergangenen Tagen immer lauter gerufen. Der ERC Ingolstadt zum Beispiel gab nacheinander die Verpflichtung der Verteidiger Matt Bodie und Ben Marshall, des Torhüters Nicolas Daws, von Stürmer Louis-Marc Aubry von den Eisbären Berlin und des 109-maligen Nationalspielers Daniel Pietta aus Krefeld bekannt. Die Ingolstädter Transferoffensive hätte es für den Magentasport Cup nicht gebraucht, das Methadon-Programm der Branche, das die Entzugserscheinungen bis zum Start der Deutschen Eishockey Liga (DEL) überbrücken soll. Seit 10. März ist pandemiebedingt Pause in der höchsten deutschen Spielklasse, zweimal wurde der Saisonstart schon verschoben, weil die Klubs ohne Zuschauer in den Stadien nicht lange überleben würden.

An diesem Donnerstag wollen die Gesellschafter nun aber in einer außerordentlichen Versammlung darüber abstimmen, ob sie am 18. Dezember doch starten, mit wie vielen Teams und in welchem Modus.

Dass es noch eine Saison 2020/2021 geben wird, daran kann indes kaum ein Zweifel mehr bestehen. Spätestens seit Dienstag, als auch die Augsburger Panther und die Straubing Tigers - zwei Teams, die neben Ingolstadt, Nürnberg, Iserlohn und Köln aus wirtschaftlichen Gründen auf die Teilnahme an der Turnierserie verzichtet hatten - ihre Einsatzbereitschaft meldeten. Es wurde sogar richtig weihnachtlich. "Wir freuen uns sehr, dass wir diese frohe Botschaft nun kundtun können", sagte Lothar Sigl, geschäftsführender Gesellschafter der Augsburger Panther und Mitglied im DEL-Aufsichtsrat. Sigl verkündete nicht etwa die Ankunft eines neuen Messias, die ja jedes Jahr gefeiert wird, wie banal. Sein Evangelium handelte von Geburt und Wiederauferstehung in einem, "nach einem unglaublichen Kraftakt aller Beteiligten", und prangte in Großbuchstaben über der Augsburger Pressemitteilung: "GRÜNES LICHT: PANTHER NEHMEN AN SAISON 2020-21 TEIL." Zuvor hatten bereits Nürnberg und Ingolstadt entsprechende Signale abgesetzt. Nach der Zusage von Iserlohn haben sich nur die Kölner Haie noch nicht eindeutig positioniert.

Eine "Geistersaison" ist die einzig machbare Option

Galt eine Saison ohne Zuschauer bis vor Kurzem als völlig ausgeschlossen, weil die Klubs bis zu drei Viertel ihrer Einnahmen am Spieltag generieren, also aus Tickets, Bier-, Bratwurst- und Fanartikelverkauf, ist eine "Geistersaison", wie Augsburgs Marketingleiter Leonardo Conti sie nennt, unter allen Optionen, die nicht verworfen wurden, letztlich die einzig machbare. "Die zweimalige Verschiebung des Saisonstarts hat unseren Partnern und uns die nötige Zeit verschafft, individuelle Lösungen zu finden", sagt Conti, "dass wir einen Spielbetrieb mit deutlich reduziertem Kostenapparat auch gänzlich ohne Zuschauereinnahmen realisieren können".

"Unser Ziel war eigentlich von Anfang an, in einer möglichen Saison 2020/21 mitzuspielen", sagt nun auch Straubings Geschäftsführerin Gaby Sennebogen: "Jedoch nicht um jeden Preis." Ein "entscheidender Faktor" sei die Zusage der "monetären Unterstützung" aus dem staatlichen Hilfspaket für den Profisport gewesen. Neben dem Geld aus dem Hilfsfonds - bis zu 800 000 Euro pro Klub bei einem Etatvolumen von durchschnittlich 9,0 Millionen laut DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke - und vielen Solidaritätsaktionen der Fans, die virtuelle Tickets kaufen, waren es vor allem die Spieler und Trainer, die für einen Stimmungsumschwung in der Liga sorgten, von tiefer Depression hin zu vorsichtigem Optimismus. "Zweifelsohne" hätten die Spieler den größten Anteil an der Entwicklung, sagt Augsburgs Klubchef Sigl: "Es ist beeindruckend, wie loyal jeder um die Saison gekämpft hat. Letztlich war es sogar das Team selbst, das offensiv auf uns zugekommen ist und seine Bereitschaft zum Verzicht erklärt hat." Auf bis zu 60 Prozent ihrer Gehälter verzichten die Profis in der Liga, nachdem sie schon im Zuge des Lizenzierungsverfahrens im Sommer einer mindestens 25-prozentigen Einbuße zustimmen hatten müssen.

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